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Alle Rezensionen zu Sondre Lerche
(Genre »Pop«, Land »Norwegen«)

 

Please
(2014, Mona Records/Cargo)

Erwachsensein ist nichts für Feiglinge. Das gilt auch für Sondre Lerche, den ewigen Dandy unter den norwegischen Popstern. Der Troubadour-Schmelz ist nach seiner esten Scheidung endgültig ab. Und obwohl Sondre noch nie nur der reine Schwiegermutter-Liebling war (kleine Bosheiten gehören auch bei Charmeuren mit Kulleraugen dazu): auf »PLEASE« präsentiert sich der Künstler ungewohnt ehrlich. Geht den quälenden Fragen nach. Denen, die weh tun. Wer nun fürchtet, Herr Lerche habe ein wehleidiges Stück Befindlichkeitspop vorgelegt, der täuscht sich erfreulicherweise gewaltig. In Songs wie dem reduziert instrumentierten, fast schon angejazzten »The Sentimentalist« geht es um einen unsentimentalen Blick zurück auf eine kaputte Liebe. Wobei an Selbstkritik nicht gespart wird.

Die Dinge sind auf »PLEASE« kompliziert, und so ist auch die Musik: Die ironische Verspieltheit flirrender Pop-Gitarren ist hier durchaus angedüsterten Electronica gewichen. Einfach zu goutieren sind Songs wie das ebenso nervöse, synthielastige »Lucifer« gewiss nicht. Optimistische Refrains sind hier nicht mehr zu finden. »Bad Law« klingt nur beim ersten Hören glitzernd und funky, bis man mittels einer lärmenden Gitarre darauf gestoßen wird, dass es sich hier um eine bitterböse Abrechnung handelt. Aber halt, unser Sondre ist durch emotionale Blessuren nicht zum Misanthropen mutiert: In Tracks wie »Lucky Guy«, einer aufregenden Mischung zwischen Ballade und croonigen 60ies-Nightclub-Sounds beweist der Norweger, dass er seine Zärtlichkeit noch lange nicht verloren hat. Und »Loss For Words« ist bei aller scheinbaren Abgeklärtheit eine solch intensive Lebenslust zu spüren, dass man sich um Sondre Lerche mit Sicherheit keine Sorgen machen muss. Hurra dafür! (emv)

Sondre Lerche: Please

Offizielle Website

Offizielle Website      www.sondrelerche.com

   

Phantom Punch
(2007, Labels Germany/EMI 0094636998428)

Kein Gramm Fett klebt den Songs auf den Rippen. Ob mit dreiköpfiger Band live eingespielt und klassisch rockig gehalten, oder mit bedächtiger Schwere behaftet akustisch umgesetzt – Sondre Lerches zweites Album binnen eines Jahres übt sich in Reduktion und Ballaststoffarmut.

Neben dem überwiegend dynamisch-rockigen Blick über den musikalischen Tellerrand seines bisherigen Schaffens gibt es aber natürlich nach wie vor auch jene Songs, für die man Sondre Lerche schon immer mochte: Lieder, die in emotionalen Krisensituationen zum ausgiebigen Selbstmitleid-Suhlen einladen. Der immer noch junge Norweger beweist seine Wandlungsfähigkeit und pflegt Selbstreflexion auf ansprechendem Niveau. Textlich durchaus mit Esprit, musikalisch leider mit einigen Längen. (maw)

   

Two Way Monologue
(2004, Virgin/EMI 598325-2)

Als Minderjähriger musste er sich heimlich aus seinem Kinderzimmer davonschleichen, um unbemerkt von den Eltern in verrauchten Bergenser Musikclubs aufzutreten. Inzwischen bewohnt Sondre Lerche ein eigenes Haus auf der Landzunge Nordnes und macht noch immer nichts anderes als sich im Zimmer einschließen und Songs schreiben.

Sein zweites Album klingt – falls das überhaupt möglich ist – noch erwachsener, selbstverständlicher und entspannter. Durch seine späte Geburt muss er sich die »Standards« der Popgeschichte erst erarbeiten, und er scheint derzeit bei den Beatles und Antonio Carlos Jobim angelangt zu sein, nach eigenem Bekunden auch bei Prefab Sprout und den High Llamas. Heraus kommt dabei warmer, intelligent und liebevoll arrangierter Melancholie-Pop. (peb)

   

Faces Down
(2002, Virgin/EMI 811020)

Seltsam vertraut erklingt das Debüt des Norwegers. Klar – derart eigenwilliger und Eighties-orientierter Pop erinnert an Beck, die Kinks, Elvis Costello oder Steely Dan. Und an Zuckerwatte-Pop in der Tradition von Brian Wilson, Easy Listening und andere Sixties-Ingredienzien. Da der aus der Bergen-Szene stammende Sondre Lerche aber bei der Aufnahme dieses Debüts gerade mal 19 Jahre alt war, kann er mit der Musik seiner Vorbilder nicht aufgewachsen sein, doch seine Begeisterung für diese Epoche wirkt echt und ehrlich.

Außerdem mogeln sich zwischen die schmissigen Retro-Melodien und fachgerecht arrangierten Streicher immer wieder nicht ganz stilechte und recht hartkantige Noise-Gitarren, die beweisen, dass der schmächtige und frühreife Lerche eben doch ein Kind unserer Zeit ist. Eine große musikalische Zukunft scheint diesem stillen und ganz offensichtlich wandlungsfähigem Eigenbrötler gewiss. (peb)



Siehe auch:
Sondre Lerche & The Faces Down Quartet



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