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Alle Rezensionen zu Helgi Jonsson
(Genre »Pop«, Land »Island«)

 

Big Spring
(2011, Finest Grammophone)

Springt er, oder springt er nicht? Scheut er das Risiko? Macht er einfach weiter das, was er doch gut kann: Traumverlorene, zarte, gefühlsbetonte Folkpop-Preziosen schreiben, zu denen es sich so herrlich schwelgen lässt? Stehenbleiben aber ist nicht die Sache des schmalen, blassen Isländers: Auf seiner dritten Veröffentlichung »BIG SPRING wirft Helgi Jonsson Ballast ab, damit sein Ballon himmelhoch steigen kann und sich der Blick auf die eigentlichen Dinge klärt: Die großen Gefühle, nicht die kleinen. Auf den Spaß am Experiment, nicht am Verharren im Bekannten. Mit ein bisschen Hilfe von meinen Freunden, wie der dänischen Sängerin Tina Dico.

Den üppigen Streicher-Arrangements hat Jonsson nicht entsagt, auch den sanften Balladen nicht. Nur strahlen sie noch intensiver. Ganz neue Töne schlägt er aber in Songs wie »Passport To Passport« ein, wo aggressive Electronics plötzlich die Macht ergreifen und die Club-Tanzfläche girrend lockt. Oder in »Stuck in Traffic«, wo schräge schräge Reggae-Rhythmen unterwartet cool und selbstironisch daherkommen. Seine Meisterstücke aber liefert der Barde, der dezidiert nicht brav und harmlos werden will, mit den beiden Schluss-Songs »The Pond« und »The Lake« ab. Melodramen der großen Geste, mit großem epischem Atem. Schwanengesänge auf den Verlust der großen Liebe. Wem beim Zuhören hier nicht das Herz schmerzt, der hat keines. Und ganz zum Schluss: Ein wenig Hoffnung. Helgi Jonsson springt auf seinem dritten Album. Und ihm wachsen Flügel, die ihn sicher über den Abgrund und zu den lichten Weiten des Horizonts tragen. (emv)



Siehe auch:
Tina Dico

Helgi Jonsson: Big Spring

Offizielle Website

Offizielle Website      www.helgijonsson.com

   

Vængjatak
(2016, Finest Grammophone/Tunecore)

Ein tastendes Piano, eine sensible Stimme und dahingetupfte Impressionen: Auf der EP »Vængjatak«, dem ersten musikalischen Lebenszeichen seit fast sechs Jahren, zeigt der sanfte isländische Troubadour auf überzeugende Weise, das Weniger wirklich mehr ist. Helgi Jonsson war zuletzt vor allem als Begleiter seiner Gattin unterwegs, der dänischen Sängerin Tina Dico. Die EP ist nur der Verbote für ein neues Album, das im Jahr 2017 erscheinen soll.

Vængjatak heißt übersetzt Flügelschlag, und so schwerelos kommt auch dieser kunstvolle Kammerpop daher. Der übrigens keineswegs puristisch ausfällt! Denn mit dem in Falsett-Vocals intonierten Glanzlicht »What Now« übernimmt der Elektropop kurz das Ruder. Verbeugt sich der Isländer respektvoll vor den Großmeistern von Radiohead. Im Track »Falconer« blitzen barjazzige Impressionen auf. »This Solicitude« ist edles Singer-Songwritertum mit leisem Hang zum Schmachte-Pop. Merke: Auch leise Töne können abwechlungsreich und aufregend klingen! Die Vorfreude auf den nächsten Longplayer ist jedenfalls nach dieser Appetit-Anreger-EP ziemlich gestiegen! (emv)



Siehe auch:
Tino Dico

   

Blindfolded
(2011, Sevenahalf)

Der Archetyp des sensiblen Piano-Poeten hält sich wacker durch die Jahrhunderte. Hach! Helgi Jonsson verkürzt uns mit der EP »BLINDFOLDED« das Warten auf das Erscheinen seines dritten Albums (angekündigt für den Herbst 2011). Rückt diese und jene Pop-Preziose, die sich leicht abseits seiner breiten musikalischen Wege im Moos verbirgt, ins rechte Licht. Dass er auch heftiger kann, demonstriert der junge Barde mit einer treibenderen Version des gefühligen »Make Me Fall«, die bewusst indierockig daherkommt. Holla! Und mit dem Cover »Wild Hearts Run Out Of Time« verbeugt sich der Isländer respektvoll vor dem großen Roy Orbison.

Ureigentlich aber bleibt Jonsson dem elfenhaften, traumtänzerischen Gegenweltpop in der Tradition von Sigur Rós verhaftet, mit allerlei eigenwilligen Elektronika und trollhaftem Schlagwerk. Große Gefühle, melodramatische Seelenlandschaften, nebelhaft verhangene Traumwelten. Schön kombiniert mit selbstbewusstem Singer-Songwritertum á la Teitur. Einziges Manko: Es wird schon fast zu heimelig hier im harmonischen Universum des Neo-Troubadours. (emv)



Siehe auch:
Sigur Rós
Teitur

   

For The Rest Of My Childhood
(2009, Fast Land FL-002)

Eine nahtlose Fortsetzung des vor vier Jahren erschienenen Debüts »GlÓANDI«. Helgi Jonsson – klassisch ausgebildeter Posaunist, der die letzten acht Jahre in Österreich lebte, nun jedoch wieder in seine isländische Heimat zurückgezogen ist – hängt abermals seinem traumverlorenen Singer/Songwriter-Pop nach: intim und unspektakulär in ein LoFi-Klangbild gegossen, versponnen arrangiert und immer mit leicht melancholischem Unterton in seiner klagenden Stimme.

Zu den Highlights gehört sicher »September«, das das allgemein kritisierte Staudamm-Projekt in Island thematisiert, das 2006 über 100 Millionen qm unberührte Natur und 107 Wasserfälle vernichtete. Helgi Jonsson bringt eine Marching Bass Drum und Streicher zusammen, setzt auf die Kraft verbogener Piano-Akkorde und quietschender Gitarrensaiten und entlässt insgesamt ein Album in die Welt, auf dem es wieder viel zu entdecken gibt. Diese Musik eines Getriebenen wirkt an regnerischen Sonntagen wohl am besten. (peb)

   

Glóandi
(2005, Material/Harmonia Mundi MRE 013-2)

Skepsis stellt sich automatisch ein, wenn eine Platten-Bio den Mythos vom in den Genen liegenden isländischen Intellekt entwirft, der Musik erfrischend anders klingen lässt. Auch wenn sich der in Wien lebende Helgi Jonsson laut eigener Ausssage drei bis vier Monate pro Jahr in Island inspirieren lässt, so startet sein Solo-Debüt doch mit recht gewöhnlicher Poprock-Melange – melodisch griffig zwar und in angenehm schlurfendem Balladenschritt, aber was soll daran isländisch sein?

Bei Track 3 und 7 – den beiden einzigen mit isländischen Texten leider – blitzt es dann aber doch durch, das liebenswert verschroben-schrullige, und das liegt nicht (nur) am Klang der Sprache: Die beteiligten Instrumente suchen nach neuen Sounds, Helgi packt seine Posaune aus, die er auch beim Iceland Symphony Orchestra oder der Jazz Big Band Graz bläst, und die Songs beginnen unmerklich abzuheben. Toll auch die beim melancholischen Zwiegespräch »Orbital« aufblitzende Jazz-Gitarre von Wolfgang Muthspiel – auf dessen Label der Wahl-Wiener hier veröffentlicht. Kurz: »GLÓANDI« (=Glühend) zeigt viel Potenzial, das aber nur zum Teil genutzt wird. (peb)



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