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Alle Rezensionen zu Amiina
(Genre »Avantgarde«, Land »Island«)

 

Puzzle
(2010, Amiina Music)

Einmal Elfen, immer Elfen? Nein, so einfach ist die Sache nicht. Dinge verändern sich. Amiina schwelgen auf ihrem zweiten Album »PUZZLE« zwar weiterhin in nebelverhüllten Gegenwelten, in denen sich eigenwillig-handgemachte Instrumentierung und selbstbewusste Wildweibchen-Schrulligkeit die Hände reichen. Aber die koboldinnenhafte Streicher-Versponnenheit ist den vier Damen längst ein zu enges Bühnenkostüm geworden. Amiina lassen sich von zwei neuen, männlichen Mistreitern inspiereren, die bezeichnenderweise Schlagzeug und den Elektronik-Spielkram bedienen und brechen auf in Richtung Kammerpop. Mit der Betonung auf Pop. Popsong mit Refrain! Eine ähnliche Entwicklung haben auch die Seelengefärten Sigur Rós unlängst vollzogen. Deren langen Atem man hier immer wieder spüren kann.

Ihre fragile Flüchtigkeit haben Amiina als Sextett bewahrt. Gewonnen haben sie an Dynamik und Struktur. Dass sie den Zauberkasten elektronischer Blubbereien entfesselt haben, eröffnet neue Möglichkeiten für spielerische Experimente. Amiina sind bereit für das Unerwartete, wie es im vielleicht schönsten Song »Over And Again« heißt. Spieluhren leiern, Windharfen jammern. Eine lächelnde Harmonie hängt über diesen neuen Schwurbeleien. Aber am stärksten ist »PUZZLE« in den eher experimentellen Instrumentalstücken, die ohne Ziel und Absicht schlendern. (emv)



Siehe auch:
Sigur Rós
Jonsi
Nordic Affects

 Amiina: Puzzle

Offizielle Website

Offizielle Website      amiina.com

   

The Ligthouse Project
(2013, Morr Music/Indigo)

Wenn der Regen ans Fenster schlägt und die Himmel grau sind, dann ist der beste Zeitpunkt, um das neue Album von Amiina aufzulegen. Die vier isländischen Musikerinnen haben sich auf »THE LIGHTHOUSE PROJECT« auf eine ungewöhnliche Bildungsreise zu den abgelegenen Leuchttürmen ihrer Heimatinsel begeben. Die sechs Tracks wurden speziell für diese Orte geschrieben und von der Instrumentierung her bewusst den begrenzten räumlichen Gegebenheiten angepasst. Was nicht heißt, dass es hier simpel zugeht: Amiina haben sich mit einer Vielzahl musikalischer Gerätschaften vom Glockenspiel bis zu Glasharfe ausgestattet. Entstanden ist eine sehr eigenwilliger Kammerpop, durch den der Wind unüberhörbar streift.

Die Arrangements von Songs wie »Perth«oder »Hilli« sind reduziert, die Vocals spärlich: So bleibt genügend Raum, wunderliche, mitunter latent beunruhigende Stimmungen entstehen zu lassen. Für Überraschungen sind Amiina immer gut: Mit Lee Hazlewood haben die Künstlerinnen noch kurz vor seinem Tod zusammengearbeitet und zollen ihm hier mit einem Cover von »Leather And Lace« Respekt. Leuchttürme senden freundliche Signale aus, um Seereisende vor Gefahren zu schützen. Amiina tun das auf ihre eigene Art, eindringlich und intensiv.
(emv)

   

Kurr
(2007, Evelyn Records EVER11CD)

Das ist nicht massenkompatibel, ganz und gar nicht. Aber was soll man auch erwarten, wenn sich vier Frauen Mitte Zwanzig mit allen nur erdenklichen Instrumenten zum Musizieren in die isländischen Westfjorde zurückziehen? Die Kreationen von Sólrún Sumarlidóttir, María Sigfúsdóttir, Edda Run Olafsdóttir und Hildur Ársælsdóttir, die als Streichquartett bereits Sigur Rós begleiteten, könnten einer verzauberten Musikbox oder einem tschechischen Puppentheater entsprungen sein.

Glockenspiel und Harmonium, singende Sägen und Posaunen, Glocken und Synthesizer, Weingläser und Violinen, Harfen und Himmelschöre und noch viel mehr fügen sich zu einem charmanten Ganzen, das nicht von dieser Welt zu sein scheint. Auch vom Infoblatt vorgeschlagene Assoziationen von trunkenen Insekten, verstörten Nagetieren oder dem verregneten Foto einer Edith Piaf sind nicht von der Hand zu weisen. Der Rezensent ist etwas in Erklärungsnot. (peb)

   

Seoul Song
(EP, 2006, The Workers Institute/Baked Goods A2)

Vielleicht ist es gut so. Vielleicht gehört es zu Amiina, dass sie das Schicksal nicht herausfordern. Denn wieder haben die vier streichenden Damen – mit nun einem »i« im Namen mehr – nur eine EP mit drei Songs abgeliefert, aber was heißt da – nur?
Wieder entfalten sie ihre stille und doch eingängliche Musik anhand allerlei Geklöppel und Getrippel und langen, mal auf der Stelle tretende Streichersentenzen, erlöst von gegen jede Wohlfälligkeit anquetschenden Tönen.

Und wenn sie im zweiten Lied noch ihre Stimmen erheben und verweben und im dritten Song all dies mit einen heiseren Rhythmusteppich unterlegen, zeigt sich, dass eben Experimentierfreudigkeit weit mehr zählt als das Abliefern einer marktkompatiblen CD. (frk)

   

AminaminA
(EP, 2005, The Workers Institute/Baked Goods TWI 1)

Amina, die sich neuerdings Amiina nennen, stützen das sphärische Wesen von Sigur Rós wesentlich. Sie nutzen die dunklen Töne, die entstehen, wenn man etwas an den Stromkreislauf anschließt, ebenso wie vergleichsweise klassische Instrumente wie die Geige, die Viola und allerlei Schlagwerk, das hell und eindringlich klingelt und klongelt. Geradezu göttlich tönt der Song »Hemipode«, getragen von einem überirdischen Cello.

Nicht minder jenseitig »Fjarskanistan«, wo einzelne Tonfolgen vor sich hin perlen, während sich im Hintergrund ganz sachte eine eindringlich orchestrale Kulisse aufbaut, die zuweilen an die Kompositionen Arvo Pärts erinnert. Ja, es sind nur vier Songs. Aber mehr wird kommen. Fasse dich in Geduld. Es bleibt dir auch gar nichts anderes übrig. (frk)



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