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Alle Rezensionen zu Tingvall Trio
(Genre »Jazz«, Land »Grenzgänger«)

 

Cirklar
(2017, Skip Records/Soulfood SKP/SKL 9157-2)

Drei Jahre liegt die letzte CD des Tingvall Trio bereits zurück; »BEAT« war nach dem Livealbum und dem soliden »VÄGEN« quasi Konsolidierung auf hohem Niveau. Und da bietet auch »CIRKLAR« keine großen Überraschungen: So konsistent wie die Plattencover ist die Musik. Dass die Drei einmal Elektronik, Gesang oder Kammermusik in ihre Aufnahmen einflechten, dürfte wohl nicht mehr zu erwarten sein. Für solche Anwandlungen muss man etwa zum etwas jüngeren, ebenfalls bei Skip beheimateten Emil Brandqvist Trio schauen. TT-Platten bieten verschiedene Schattierungen von melodischem Jazz im Trio als Fast-Popband, wie Gemälde von Mark Rothko: Geschmackvoll abgestimmt, farbintensiv, unspektakulär, geradezu makellos.

Jeder Song – ja, TT bieten mehr Songs als Stücke – erzählt auf seine individuelle Weise. Das sind letztlich viele schöne Kurzgeschichten. Das Piano ist die Gesangsstimme, hin und wieder auch mal der Bass, wie im dynamischen Titelstück oder im melancholischen »Bland Molnen«. Die zwölf Nummern sind abwechslungsreich, und häufig punktet »CIRKLAR« mit der starken Liveenergie des Trios, etwa wenn »Skånsk Blues« geradezu als Rock'n'Roll-Nummer daher- kommt. Das ganze Album besticht ohnehin mit einer zupackenden Spielfreude.

Zu beachten ist indes, dass Käufer der klangvollen Vinylausgabe, obgleich sie gegenüber der CD einen doch deutlich höheren Preis zahlen, auf zwei der schön(st)en lebhaften Stücke verzichten müssen. Sie wurden einfach weg gelassen. Allerdings entschied man sich bei der LP zudem für eine sehr andere Trackreihenfolge. Daher könnte man, wohlmeinend, die beiden Ausgaben letztlich als zwei unterschiedliche Lesarten betrachten. (ijb)



Siehe auch:
Emil Brandtqvist Trio
Martin Tingvall

 Tingvall Trio: Cirklar

Offizielle Website

Offizielle Website      www.tingvall-trio.de

   

Beat
(2014, Skip Records SKP 9137)

Das Tingvall Trio ist mittlerweile zu einem europäischen Top-Act gewachsen, die CDs werden von den meisten Kritikern gelobt und verkaufen sich sehr gut – auch normalerweise Jazz-fernere Hörer lassen sich vom Tingvall-Fieber infizieren. Das Rezept ist auch clever, gut und schön. Wie einst sein Landsmann Esbjörn Svensson entstaubt Tingvall das Piano-Trio durch fast mitsingbare Melodien, die von nordeuropäischen Volksliedern ebenso inspiriert sind wie von Pop. Häufig setzen sie gerade Rhythmen ein – geswingt wird beim TT nicht allzu oft. Fast hat man den Eindruck, Tingvall möchte Geschichten erzählen mit seinen Kompositionen – die beiden ersten Stücke »Den Gamla Eken« (dt.: Die alte Eiche) und »Hamnen« (der Hafen) sind Beispiele dafür.

In seinem Trio steht weiterhin Omar Rodriguez Calvo am Kontrabass und Jürgen Spiegel aus Bremen sitzt hinter den Trommeln. Spiegel ist viel mehr als ein Taktgeber, er umspielt die Rhythmen mit Finesse und Leichtigkeit. Calvo hält nicht nur alles zusammen, sondern spielt eine ganze Reihe feiner Soli. Tingvall lässt das Piano perlen, kann aber auch richtig kraftvoll zupacken. Allzu weit entfernt er sich generell nicht von den Kompositionen, dafür ist er ein Meister der Dynamik: In »Spöksteg« lässt er Klavierkaskaden anschwellen und überführt sie in ein feuriges Solo. Sicherlich kann man kaum widersprechen, wenn Tingvall ein gewisser Mangel an Tiefgang attestiert wird, andererseits fungiert der Schwede für viele Hörer als Einstieg in den Jazz – warum also das kritisieren? Und der Erfolg gibt ihm ohnehin Recht. (tjk)

   

In Concert
(2013, Skip Records/Soulfood SKP 9127-2)

Das erste Livealbum des Tingvall Trios lässt zum Glück die unterdurchschnittliche Soloplatte ihres Pianisten Martin schnell vergessen. Besser ist. Das Publikum liebt diese Band; das ist bekannt. So haben sie 2012 beim »Echo« in der Jazzkategorie den Publikumspreis »Live-Act des Jahres«, aber auch —zum wiederholten Mal— den Kritikerpreis »Bestes Ensemble, national« erhalten. Glückwunsch nochmal. Aber halt, »Ensemble, national«? — welcher Nation denn eigentlich? Schlagzeuger Jürgen Spiegel ist hier offenkundig Ausschlag gebend. Als nächstes gibt's dann auch mal dann selbige Preise in Kuba und Schweden...

Entscheidend allerdings: »IN CONCERT« ist gegenüber den Studioalben der Band klar der Vortritt zu lassen. Wer sich von der Energie der Band überzeugen lassen möchte, möge hier einsteigen. Bei Gefallen kann man sich die eher poppigen Scheiben der drei Herren anschließend auch noch zulegen, Hier aber sind die Tingvall, Calvo und Spiegel ganz bei sich, und der Klang ist auch topp! So kann's weitergehen! (lha)

   

Vägen
(2011, Skip Records SKP9107-2)

Wirklich was Neues gibt's nicht bei Tingvall. Das ist sicher kein Grund zur Klage: Konstant hohes Niveau, gewohnt selbstbewusster Fokus auf das klassische akustische Trio aus Piano, Kontrabass und Schlagzeug - und die eine oder andere Komposition geht so flott ins Ohr, dass man glaubt, man höre Standards. Wenn der Eindruck entsteht, die Musik klinge so »skandinavisch«, dann liege das wohl daran, sagt Martin Tingvall, dass er die Lieder komponiert. Doch die gemeinsame Arbeit sowie das Reisen als Band sind Einfluss und Thema der vierten Trio-Platte »VÄGEN« (»Der Weg«), und das scheint am deutlichsten durch bei den mitreißenden, schnellen Stücken wie »Sevilla« (mit Flamenco-Einschlag) oder »Tuc-Tuc Man«.

Der schwedische Pianist pflegt dabei die Eingängigkeit prägnanter, pop- oder rockverwandter Melodien, und wahrscheinlich trägt er sie eine ganze Zeitlang mit sich herum, probiert sie immer wieder alleine und mit seinen kraftvollen Mitmusikern aus, bevor es gemeinsam ins Studio geht. Mit Esbjörn Svensson und seinem E.S.T. wird das Tingvall Trio auch diesmal keiner verwechseln. Das läuft von ganz alleine so weiter. (ijb)

   

Norr
(2008, Skip Records/Contraire SKP 9077-2)

Der Norden bleibt bleibt anscheinend Inspirationsquelle für das schwedisch/deutsch/kubanische Trio mit Sitz in Hamburg. Der Titeltrack ist eine episch ausufernde Landschaftsbeschreibung; Songs wie das ausgelassene »Trolldans« oder das schwerelose »Utsikt« zeigen, wo Pianist und Komponist Martin Tingvall mit dem Herzen zuhause ist.

Wie schon auf dem Debüt gelingt dem Trio eine perfekte Mischung aus melodiösen Jazz-Balladen und furiosen Improvisationen, die einmal mehr an Tingvalls Landsmann Esbjörn Svensson erinnern. An dessen technische Brillanz und Ideenreichtum reicht Martin Tingvall noch immer nicht heran, doch kompositorisch ist er ihm wenigstens ebenbürtig. Auch seine Begleiter agieren mindestens so ausgefuchst wie die Kollegen bei Svensson; das Zusammenspiel im Trio wirkt sicher und ausgereift. Und live hat das Ganze Zunder, wie ihr Auftritt bei der »Skip Labelnight« 2008 bewies. (peb)

   

Skagerrak
(2006, Skip Records/Soulfood SKP 9057-2)

Eine bunte Truppe hat sich da gefunden: Der schwedische Pianist Martin Tingvall lernte sein Handwerk von Bobo Stenson und nennt Miles Davis wie AC/DC als Vorbilder; Jürgen Spiegel saß als Rockdrummer bereits auf Festivalbühnen wie »Rock am Ring« oder »Hurricane Festival«. Zusammen mit Bassist Omar Rodriguez Calvo, der u.a. mit Ramon Valle und Roy Hargrove musizierte, fabrizieren sie einen melodischen, fast popmusikalisch leichten Trio-Sound, der durch seine Reduktion und Leichtigkeit des öfteren an Esbjörn Svensson Trio erinnert – ohne ganz an deren Finesse heranzureichen.

Dennoch gelingt dem Tingvall Trio dank der vollmundigen Melodien das Kunststück, gleichzeitig verwöhnte Jazz-Gourmets zu bedienen und Jazz-Hasser nicht zu verschrecken. »Skandinavischer Jazz mit kubanischen Anklängen und einer leichten Rock'n'Roll Attitüde«, so beschreibt der Chef die eingängige Mischung selbst. Akzeptiert. Und das Ganze auch noch fein und differenziert aufgenommen vom isländischen Engineer Hrolfur Vagnsson. (peb)



Siehe auch:
e.s.t. (Esbjörn Svensson Trio)
Bobo Stenson Trio
Emil Brandqvist Trio
Aino Löwenmark



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