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Alle Rezensionen zu Trentemøller
(Genre »Pop«, Land »Dänemark«)

 

Into The Great Wide Yonder
(2010, In-D Records IMR02CD)

Seele kommt, Kühle geht – auf diesen Nenner lässt sich der Zweitling des Kopenhagener Produzenten Anders Trentemøller bringe, der gänzlich andere Wege beschreitet als zuletzt und eigentlich mit erhobenem Zeigefinger verbietet, dass hier überhaupt etwas auf nur einen Nenner heruntergekürzt wird. Denn »INTO THE GREAT WIDE YONDER« quillt über vor Ambitionen und Stilen, die sich nur mühsam auf dem Tonträger halten können. War das technoide Debüt noch ein atmosphärischer Hauch mit feingliedrigen Minimalbeats, wimmelt es hier von romantisierenden Poesieklängen, bauchigen Elektropoppern und fliehenden Morricone-Soundtracks.

»... Even Though You're With Another Girl« ist beispielsweise eine dieser Ohrmassagen, nicht zufällig genau in der Mitte des Albums platziert; sie sorgt für schmeichlerische Harmonie, die leider oftmals an der Oberfläche verharrt und subtilere, düstere Untertöne vermissen lässt. Gleich daran anschließend wabert »Häxan« mit allerlei analogem Instrumentarium und Beats auf Zehenspitzen durch weißgetünchte Räume, die später mit »Metamorphosis« als ambiente Klang-Installation sogar selbst zum Thema gemacht werden. Der Rest der Songs lehnt sich entweder mit dem Rücken an die technoide Vergangenheit oder wildert mit breitem Grinsen in »Kill Bill«-Revieren. Bisweilen fehlen etwas die wirklich ergreifenden Melodien, die der Mehrgewinn an Pathos und Gefühligkeit nicht wettmachen kann. Und auch die produktionstechnische Raffinesse verklingt zu oft im Wolkigen - doch genau da sitzen sowohl Sehnsucht als auch Charme, die Trentemøllers Schaffen neue Perspektiven hinzufügen. (maw)



Siehe auch:
Marie Fisker
Darkness Falls

 Trentemøller: Into The Great Wide Yonder

Offizielle Website

Die CD »Into The Great Wide Yonder« war »CD des Monats« im Monat 6 / 2010.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Zeit zum Atemholen bleibt hier nicht. In Herrn Trentemøllers musikalisches Universum einzutauchen heißt, ein blubernd-lebendiges Laboratorium von Stilen zuzulasssen. Immer flirrend, sich vorschnellen Definitionen entziehend. Und am Ergreifenden mangelt es mir nicht, Markus, aber das mag daran liegen, dass Männer und Frauen unterschiedlich anfällig für Herz-Schmerz-Melodramen sind. Seufz.
Eva-Maria Vochazer

Ich bekenne mich dazu, Traditionalist zu sein. Und mir fehlt hier irgendwie der rote Faden. Sicher, da zeigt uns einer, dass er (fast) alles kann und hält mühelos mindestens 14 Bälle in der Luft. Aber das glitzert und blubbert ein bisschen zu sehr. Ist bei ganz intensivem Zuhören sogar schon einen Tick bewusst zu dick aufgetragen. Aber einen leuchtenden Spaß bereitet uns Herr Trentemøller gleichwohl, keine Frage.
Leif Haugjord

Kühle Seele, verklingst Du, ach, im wohligen Pathos? Nein? Dann ist ja gut. Denn Trentemøller hat's richtig drauf, webt feine akustische Klänge in sein elektronisches Universum, macht sein neues Werk dadurch fit zum aufmerksam zuhören - trotz meist eher chilliger Moods. Gut - und schön!
Tim Jonathan Kleinecke

Wer sich als Hasser des Genres sieht und bei Trentemøllers Musik meint, sie müsse per se langweilig sein, sieht sich hier eines Besseren belehrt. Jeder Song reißt das Ruder wieder in eine andere Richtung; der Hörer wird wie ein kleines Kind durch einen märchenhaften Parcour von Sounds und Beats geschickt.
Peter Bickel

Offizielle Website      www.myspace.com/trentemoeller

   

Fixion
(2016, In My Room Kat.-Nr. unbekannt)

»Die neue Trentemøller« (wie man bei einem Popstar dieses Größe mehr als geneigt ist zu sagen) flattert ohne jegliche Infos als superbillig in einer Klarsichthülle steckende CD in den Briefkasten – keine Infos zu Komposition, Mitmusikern, Aufnahmedetails, nicht mal den diversen Gastsängerinnen, die ja bei Trentemøller seit jeher dazu gehören. Na gut, vielleicht ist es als Statement gemeint: Die Musik allein soll überzeugen. Wäre auch schön, doch leider tut sie das nicht. Nach dem stilbildenden Debüt, dem durchwachsenen, aber größtenteils hinreißenden Nachfolger und dem zahlreichen Mix-Alben folgenden, passablen »LOST« (Pun intended?) hätte man nach drei Jahren Pause eine Rückkehr zur Form und zum Hit erwartet – oder wenigstens erhofft.

Unter den 12 Nummern über 57 Minuten des mit ebenso albernem Titel wie uninspiriertem Cover ausgestatteten »FIXION« lassen sich nur mühsam Höhepunkte ausmachen, etwa die umwerfende Savages-Sängerin Jehnny Beth (Trentemøller hatte als Mixer zuletzt aus dem zweiten Album der herausragenden Band etwas den Punch herausgefiltert), die zwei okaye Songs veredelt. Die übrigen Gäste sind entweder [zumindest dem Rezensenten] unbekannt oder aus anderen Gründen nicht markant. Obwohl »FIXION« sich um Vielseitigkeit bemüht, klingt alles irgendwie gleich – und vor allem, was wirklich traurig ist: gleich uninspiriert. Es fehlt der Schwung, es fehlen eigene Ideen, es fehlt alles, was über solides Handwerk und Zitate von Peter Hook, Jean-Michel Jarre, Krautrock, Depeche Mode, Daft Punk, Dream-Pop, frühe Eighties und Indie hinausgeht. Malen nach Zahlen. Die immergleichen Rhythmen und die altbackenen Sounds nerven jedenfalls schnell. Enttäuschend. (ijb)

   

Lost
(2013, In My Room)

Na klar, keine Überraschung (leider) - Trentemøllers drittes reguläres Album haut voll in die Kerbe, die seine DJ-Set-CDs und Remixes vormarkiert haben: Weiter in Richtung (Elektro-)Rockmusik, diesmal mit noch mehr sensiblen Gastsängerinnen, so dass »LOST« schon fast den Eindruck eines weiteren Mixalbums erweckt. Marie Fisker ist wieder dabei (und »Candy Tongue« könnte ebenso gut ein Outtake von »Great Wide Yonder« sein), Sune von den Raveonettes, Kazu von Blonde Redhead und Jana von den Lower Dens dürfen jeweils einen Song lang vernebelt hauchen oder flüstern, und so verkommen die wenigen Solostücke fast zu Zwischenspielen, wobei auch diese halb Variationen früherer Tracks sind, halb aber auch die kühnsten und besten des Albums (»Trails«, »Hazed«).

Die angepriesene »Ich lasse mich doch nicht auf ein Genre festlegen«-Mentalität verkommt bald zum Selbstzweck. »Never stop running« mit Gastsänger Jonny Pierce (The Drums) wirkt trotz der schönen, aber im Mix vermanschten Clubsounds à jour wie ein Relikt aus den (Un-)Tiefen der 1980er. Kaum besser ergeht es »River of Life (feat. Ghost Society)« mit Emo-Shoegaze-Röhren und fetten Rhythmusgitarren. Trentemøller macht auf dicke Hose; die Feingeistigkeit und der wunderbare Fokus früherer Alben sind begraben unter Schichten von Stilmitteln und ungezügelten Einflüssen. Lieber noch eine Gitarrenspur obendrauf, einen flashigen Soundeffekt dazu, noch flotter der Rhythmus... weiter, höher, besser. Perlen auf »LOST« sind da, man muss man sie nur suchen. Der kann was, der Mann, das wussten wir ja schon. Doch er könnte sich auch etwas mehr fokussieren. (ijb)



Siehe auch:
The Raveonettes

   

Reworked / Remixed
(2 CDs, 2011, In My Room IMR07CD)

Trentemøller war seit Jahren so aktiv, dass er nach kurzer Zeit schon wieder ein Doppelalbum voll Alternativversionen und Remixes veröffentlicht. Zudem gab es zu seinen zwei regulären Alben unlängst zwei Mix-CDs und das von ihm produzierte Debüt von Darkness Falls. Dass die Qualität der Tracks da ein wenig variiert, versteht sich quasi von selbst, ist aber auch nicht weiter tragisch.

Auffallend ist vielmehr, dass Trentemøller bei vielen Bearbeitungen sehr ähnliche Ideen, Stimmungen, Mittel und Sounds nutzt. Und dann – ob Marie Fisker oder I Blame Coco einen Trentemøller-Song neu aufnehmen oder er selbst Remixes von UNKLE, The Dø und anderen anfertigt oder wiederum die Tracks seines letzten Albums von Efterklang oder Modeselektor bearbeitet werden: Es klingt fast alles gleich, zumal die Zusammenstellung auch noch durch Instrumentalversionen angereichert wurde, weshalb Stücke teils gleich drei Mal pro CD vertreten sind, ohne dass dem Original irgendwas hinzugefügt würde. Das führt über die Dauer einer CD bald zu Langeweile, spätestens aber über 22 Tracks und mehr als zwei Stunden zu Ermüdung. Die wenigen auffälligen Momente gibt es, wenn plötzlich eine bekannte Stimme aus einem anderen Kontext auftaucht, Alex Kapranos (Franz Ferdinand) oder Thom Yorke. Zum Glück gibt es auch ein paar Überraschungen; die beste, Giana Factory in einem wunderbaren Shoegazer-Drone-Remix, kommt erst ganz um Schluss.

Damit kein Missverständnis aufkommt: Nichts hier ist schlecht, variiert nur eben »Into the Great Wide Yonder«, »Harbour Boat Trips« und »Late Night Tales« immer weiter. Fans werden sich über diese Zusammenstellung in jedem Fall freuen. Hier dürfte alles versammelt sein, was sich seit den »Chronicles« angehäuft hat. Für die nächsten Schritte erhoffen wir uns allerdings mal wieder ein paar neue Ideen. (ijb)



Siehe auch:
Efterklang
Kasper Bjørke
The Dø
Mew

   

Late Night Tales
(2011, Late Night Tales/EMI ALNCD25)

Dieser Mix bestätigt, was wir schon lange vermutet hatten: Trentemøller hat mit Techno eigentlich gar nichts (mehr) am Hut. Sein zweites Album »Into the Great Wide Yonder« erweist sich hiermit noch weniger als Fortschreibung des Debüts, sondern rückt den Dänen vielmehr in die Tradition düsteren Independent Rocks und Pops im Stil der 1980er und ’90er – This Mortal Coil, Mazzy Star sowie deren Epigonen in jüngerer Vergangenheit. Bis in die Sechziger reicht die Auswahl zurück, zu den Shangri-La’s, Jacqueline Taïeb und Velvet Underground & Nico (»Venus In Furs«!). Und zum Schluss noch ein Klavierstück und einen Spoken-Word-Track. Von Techno und anderer elektronischer Musik ist hier keine Spur.

Fern jeden Zwangs, am Puls der aktuellen Musikszene sein zu müssen, legen Trentemøller und Marie Fisker gar noch eine aparte Neuauflage von Chris Isaaks Hit »Blue Hotel« als Bonus drauf, und die hört sich exakt so an, als wäre sie von einer der Vorbild-Bands in den Achtzigern eingespielt worden. Trentemøller legt seine Einflüsse offen - und geht sogar so weit, dass er eigene Songs nachträglich als Coverversionen enttarnt, etwa von »Lights Out« der US-Band We Fell To Earth. Viele unbekannte Namen gibt es hier zu entdecken. Wenn man wagt, sein nächstes Album vorauszuahnen, darf man sich auf was gefasst machen. Gemütlich wie ein Winterabend ohne Heizung. (ijb)

   

Harbour Boat Trips 01 - Copenhagen
(2009, hfn music/Rough Trade hfn01cd)

»Wenn Sie sich gefragt haben, was das musikalische Superhirn Anders Trentemøller inspiriert - hier bekommen Sie eine Idee,« verspricht die Info auf der Coverrückseite. Nach »The Last Resort« werden noch einige von diesen Antworten überrascht gewesen sein, doch im Kontext der folgenden Alben und Kompilationen passt diese Mix-CD wie die Faust aufs Auge. Trentemøllers erster DJ-Mix präsentiert erst einmal eine längere Folge träumerischer bis schläfriger, folkiger IndiePopsongs (Gravenhurst, Emiliana Torrini, Beach House...), bevor ab Track 7 die Raveonettes mit ihrem Semi-Hit »Aly, walk with me« langsam einen Tempo- und Energiewechsel einleiten dürfen (leider im handgebremsten Remix), gefolgt von ein paar älteren, abseitigen Elektrotracks von 1981 und 1996 (Suicide!).

Der folgende Teil läd dann indiepoppig zum Mitwippen, zwischen Muscleheads und Caribou vs. Four Tet, bevor im letzten Drittel sanft abgerockt und mehr Darkwave/Elektro geboten wird (top: A Place To Bury Strangers, nochmal Suicide, nochmal The Raveonettes, mit einem netten Joy-Division-Cover). Trentemøller gelingt es fast ohne Brüche, sehr Unterschiedliches so flüssig ineinander zu mischen, dass man die Disparatheit der Stile glatt vergisst, und er verzichtet, jenseits des abschließenden »Tainted Love« auf Hits. Was hier typisch Kopenhagen ist, sei dahingestellt. Entdeckungen sind hier auch nicht zu machen. (ijb)



Siehe auch:
The Raveonettes
Emiliana Torrini
I Got You On Tape

   

Chronicles
(2007, Automatique 827170154117)

Trentemøller hat Fleißkärtchen gesammelt und sortiert sie in einer Werkschau mit Schulterblick. All seine Clubtracks, fließend ambienten Outputs und die knusprigsten Keks-Songs versammelt er auf CD1 in einem eigens gemischten Set. Abstrakte House-Sounds, futuristischer Techno, Flächen und Untiefen loten neue Neigungswinkel der elektronischen Musik aus und verlieren bei all der Varianz nie ihre Kohärenz.

CD2 zeigt die weiteren Facette seines Schaffens: Als Remixer. Deren elf geben sich die Klinke in die Hand. Als Beschleuniger mischt er Röyksopp auf, gibt The Knife einen neuen Drall und nimmt Robyn gleich in die Mangel und verpasst ihren »Konichiwa Bitches« ein stylischeres Outfit. Alles passt wie angegossen, ist mal romantisch verträumt, meist aber permanent in irgendwelchen Turbulenzen verheddert. Dieser Blick in die Vergangenheit schwört auf die Zukunft ein. (maw)



Siehe auch:
Röyksopp
The Knife
Robyn

   

The Last Resort
(2 CDs, 2006, Pohjola Records/Rough Trade PFRCD18)

Anders Trentemøller lehnt sich in seinem Wellness-Stuhl bequem zurück. Wenn man bereits vor der Veröffentlichung des Debütalbums den Status eines respektierten Künstlers hat, dann schlürft man gemütlich am Schirmchencocktail und wartet ab. Auf die erst hochjubelnden Rezensionen und weitere Remixaufträge für Moby, Röyksopp oder die Pet Shop Boys – die Basis seiner ruhmreichen Vorab-Lorbeeren.

Im vorsichtigen Vermeiden von Pathos, sich im Nachdenken über die Strukturierung nicht zu verheddern – darin ist der Däne ein wahrer Meister. Und hat doch dabei immer mindestens einen Fuß im Rahmen seiner unverkennbaren Soundästhetik. Mal sind es Schwingungen voller Schönheit, instrumentale Wellen der Frischluft, dann wieder beatlastige Zuckungen, die sich zu schnörkellosen Pattern steigern. Ein bisschen klingt es wie die Ursuppe zeitgemäßer Elektronik, auch wenn die esoterischen Flächen mit Morricone-Anleihen ein wenig trocken klingen. Die Bonus-CD mit alternativen Versionen, alten Singles und 10" verdoppelt Spielzeit und Vergnügen. (maw)



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