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Alle Rezensionen zu Mari Boine
(Genre »Folk«, Land »Norwegen«)

 

Cuovgga Airras (Sterna Paradisea)
(2009, Emarcy/Universal 06025 2714543)

Mari Boine als die bekannteste samische Sängerin ist Kult. Sie hat schon so viele CDs veröffentlicht, dass es ihr schwer fällt, den Hörer noch zu überraschen; vermutlich will sie das auch überhaupt nicht. Doch ihr Album »STERNA PARADISEA« – zu deutsch »Küstenseeschwalbe« – hält gleich mehrere Überraschungen: Zum einen ist es Ole Jørn Myklebust, der – Nils Petter Molvær nicht unähnlich – der Musik mit nebelverhangenen Trompeten-Sounds einen neuen Drall gibt. Myklebust beteiligte sich sogar an der Produktion, die er gemeinsam mit dem langjährig bewährten Bassisten Svein Schultz übernahm. Zum anderen – und diese Wendung ist für die Nordnorwegerin noch ungewöhnlicher – setzt sie bei zwei Songs auf die Kraft afrikanischer Gesänge und Township Jive-Rhythmen. Zusammen mit der südafrikanischen Sängerin Lathozi Mpahleni Manquin Madosini oder dem zwölfköpfigen A-cappella-Chor Abaqondisi Brothers ist die Samin ihrer eigentlichen geographischen Heimat so fern wie noch nie zuvor.

Doch der Spagat gelingt ihr, das Resultat klingt kein bisschen verkrampft oder nicht zusammen gehörig. Bei der Nummer »Skealbma« weitet sich der Fremdgang sogar noch in Richtung Dub und peitschendem TripHop à la Massive Attack aus. Geerdet bleibt die fast 53jährige Sängerin jedoch stets in der nordischen Natur: »Die Natur ist mein Gott, mein Leitstern, mein Korrektiv. Ohne Verbindung zur Natur wäre ich verloren«. Das bleibt wie ein roter Faden hörbar, den teils zahlreichen elektronischen Verfremdungen und stilistischen Fremdgängen zum Trotz. (peb)



Siehe auch:
Verschiedene: Make Me A Channel Of your Peace
Verschiedene: Norway Nights
Jan Garbarek
Intrigue


Zum Artikel über Mari Boine

Mari Boine: Cuovgga Airras (Sterna Paradisea)

   

It Ain't Necessarily Evil
(2008, Emarcy/Universal 0602517623934)

Nein, es muss nicht zwangsläufig böse sein, was Remixer mit den Songs der bekanntesten samischen Sängerin anstellen – obwohl sie elektronischen Bearbeitungen ihrer Lieder stets skeptisch gegenüber stand. Im Detail: »Elle« aus dem Soundtrack von Nils Gaups Film »The Kautokeino Rebellion« – am Schluss der CD zusätzlich im Original zu hören – wurde entspannt vom DJ-Projekt Mungolian Jetset bearbeitet, und die Avantgarde-Rocker 120 Days aus Kristiansund packen »Boaðan Nuppi Bealde« in ein Pink Floyd- Klangbild.

Mental Overdrive alias Per Martinsen lässt wie einst Giorgio Moroder die Seventies-Disco-Beats bei »Suoivva« hoppeln, doch am spannendsten ist stets eine Interpretation des gleichen Songs von zwei verschiedenen Remixern: »Where Did All Our Colors Go« bleibt beim Tromsøer Syntax Erik mystisch und nebelverhangen, während das schwedische Duo The Knife eine zirpende House-Variante zaubert. (peb)



Siehe auch:
The Mungolian Jet Set
120 Days
The Knife

   

Gula Gula – Hear The Voices Of The Foremothers
(EP, 2007, Emarcy/Universal 0044001778124)

Warum das erste »richtige« Mari Boine-Album in einer Neuauflage? Vielleicht deshalb, weil es nie ganz die verdiente Aufmerksamkeit bekam, noch bei einer anderen Plattenfirma erschien und eines der besten dieser wohl einflussreichsten samischen Sängerin ist. Die in Norwegen 2005, in Deutschland jedoch erst 2007 erschienene Wiederveröffentlichung kann zusätzlich mit drei Bonus-Tracks aufwarten, die jedoch nichts ausgraben, was nicht schon anderweitig veröffentlicht wurde.

So gibt's »Cuovgi Liekkas« bereits auf »LEAHKASTIN«, und der »Chilluminati Mix« von »Gula Gula« findet sich auf dem »REMIXED«-Album. Lediglich »Oarbbis Leat« scheint ein neuer Beitrag (im altbekannten Stil) zu sein. Kurz: nix Neues ... und trotzdem gut. (peb)

   

Idjagieðas – Ine The Hand Of The Night
(2006, Emarcy/Universal 06024 9855486)

Die Zutaten haben sich nicht verändert. Die »Tribal Beats« der bekanntesten samischen Sängerin schöpfen weiterhin aus dem Reservoir von Folk, Jazz und Rock, wobei Mari Boine zugegebenermaßen eine wirklich völlig eigene Formensprache gefunden hat. Prägend wirken nach wie vor die samischen Texte, die die Nordnorwegerin mal flüstert oder beschwörend intoniert, dann wieder aus vollem Hals joikt und wie sehnsüchtige Klagen über die weiten Berge ihrer Heimat schickt.

Mit fast komplett neuer Mannschaft – man kennt lediglich Juan Carlos Zumata Quispe (Flöte, Charango) sowie Bassist Svein Schultz, der sich auch als Produzent profiliert – benutzte sie statt eigener Lyrics die zweier samischer Dichterinnen und bleibt dabei gesellschaftskritisch. Die gelegentlichen Klangfarben von Terje Rypdals schreiender Gitarre passen dazu perfekt, doch die eindringlichen Songs von »EIGHT SEASONS« oder »LEAHKASTIN« bleiben unerreicht. (peb)

   

Remixed
(2002, Jazzland/Universal 014.760-2)

Samischer Joik-Pop scheint zunächst kaum geeignet für Remix-Experimente. Oder gerade doch, wegen seiner schamanistischen Trance-Qualität. Wie auch immer: Mari Boines »REMIXED«-Album, auf dem die bekanntesten Remix-Spezialisten wie Jah Wobble, Bill Laswell oder Nils Petter Molvær ihre Lieder vorsichtig, doch bestimmt durch die elektronische Mangel drehten, wirkt durch die Eindringlichkeit der Originale nachhaltig. Auch weitere beteiligte Namen wie Jan Bang oder Per Ludvigsen sind den Liebhabern norwegischer Elektronika gewiss unbekannt.

Alt und neu verträgt sich jedenfalls überraschend gut; Mari Boines urwüchsiger Joik-Folk verbrüdert sich beinahe selbstverständlich mit Trance-Beats und Ambient-Sounds. Gleichwohl: An die Wirkung der folkloristischen Originale kommen die Remixe nicht heran, und so sagte denn auch Boine später über dieses Album: »Manches mag, manches nicht«.
(peb)



Siehe auch:
Nils Petter Molvær
Jan Bang

   

Eight Seasons
(2002, Jazzland/Universal 017.019-2)

Mari Boine öffnet sich der Moderne: Das mit Hilfe von Jan Garbarek (als Gast-Saxofonist) und Bugge Wesseltoft (als Produzent und Klangbastler) entstandene Album »EIGHT SEASONS« verbindet erstaunlich harmonisch Tradition und Hi-Tech, Samples und akustische Instrumente, englische Texte und samische Joiks. Die berückenden Beats, schlüssigen Kompositionen und geschmackvollen Arrangements beweisen, dass die Sängerin zur Weiterentwicklung fähig ist.

Dies ist umso erstaunlicher, als sich Mari Boine bislang eher skeptisch zu modernen Grooves äußerte. Doch das kurz zuvor von Bugge Wesseltoft initiierte Remix-Album muss sie überzeugt haben. Wer weiß: Vielleicht gerät dieses Album zur Kurskorrektur ihres bisherigen – eher strengen – Tradtionsbewusstseins. Ein rundum gelungener Brückenschlag der Generationen, betörend und stilsicher bis hin zum in Silber und Magenta gedruckten Cover. (peb)



Siehe auch:
Jan Garbarek
Bugge Wesseltoft

   

Bálvvoslatjna
(1998, Verve/Universal 559.023.2)

Spätestens mit diesem Album war die nordnorwegische Sängerin kein Geheimtipp mehr; hat sie doch mit ihren poppig aufgemotzten Joik-Gesängen auch in Deutschland viele Anhänger gefunden. »Ich verstehe mich nicht als Traditionalistin«, gesteht sie selbst. Wohl wahr: Sie benutzt zwar Sami-Traditionen, entwickelt sie jedoch mit einer traumhaft aufeinander eingespielten Band weiter, die meisterhaft zwischen Rock, Folk, Jazz und Klangmalerei tänzelt: So ist es auch mit modernsten Mitteln möglich, schamanistische Atmosphären herbeizukitzeln, nach denen unsere aufgeklärte Gesellschaft anscheinend so sehr dürstet.

»ROOM OF WORSHIP« – so die englische Übersetzung – thematisiert die Spiritualität; Boines Musik gibt der Götterverehrung ihren verlorenen Raum wieder zurück. Sie covert Nils-Aslak Valkeapää und Buffy Sainte-Marie: als Indianerin eine sozusagen eine Geistesverwandte von der anderen Erdhalbkugel. Und obwohl die Songs nicht ganz so gut gelangen wie schon manches Mal zuvor, kann man sich in ihnen verlieren und wiederfinden wegen ihrer Freiheitsliebe, ihrer Gesellschaftskritik, ihrer rauen Nordland-Urwüchsigkeit und – vor allem – ihrer völlig selbstverständlichen Naturverbundenheit. (peb)

   

Eallin
(1996, Antilles/Universal 533.799-2)

»Das Publikum in Deutschland sei immer besonders begeisterungsfähig«, erzählte mir Mari Boine im Interview. Wohl deswegen stammen drei Songs ihres Live-Albums »EALLIN« vom Kassel-Konzert am 20. 7. 96, die restlichen fünf jedoch vom Auftritt am 4. 8. in Trondheim. Die Boine-Band mit Ludvigsen, Silseth, Norbakken, Rimestad und Quispe war zu dieser Zeit auf ihrem künstlerischen Zenith und hatte drei brillante Alben, aus denen sie sich hier frei bedient – plus zwei unveröffentlichte, wie meditative Zwischenspiele wirkende Beiträge.

Manche Interpreationen unterscheiden sich deutlich von den Originalen (zum Beispiel das ursprünglich sehr spartanische »Gula Gula«), haben jedoch in dieser Neudeutung durchaus gewonnen. Wenn auch Klang und Interpretation hie und da bei den Studiofassungen unerreicht bleiben, so gelang mit »EALLIN« doch ein berauschendes Live-Dokument, getrübt jedoch durch Boins nachlassende Kondition bei den Schluss-Nummern. (peb)

   

Leahkastin
(1994, Verve/Universal 523.889-2)

Mari Boines Band ist hörbar zusammengewachsen; besonders Geigerin Hege Rimstad hat sich freigeschwommen: Sie darf solistisch am häufigsten in den Vordergrund treten in grell zirpenden Ausbrüchen. Mit »Tribal Drums« und beschwörenden Gesängen nähert sich Mari Boine nach dem musikalisch moderneren Vorgänger-Album wieder mehr den Traditionen an: Sie erinnert im kraftvollen »Cuovgi Liekkas« an beschützende Gottheiten oder fordert im aufpeitschenden »Vuolgge Mu Mielde Bassivárrái« auf: »Kommt mit mir zu den heiligen Bergen!«

Trotzdem überwiegt die Melancholie: Die Widmung an ihren Vater »Áhccai« mündet beim Folge-Song in die fast verzweifelte Lebensfrage mit einer regelrecht weinenden Gitarre: »Ich bin voraus und zurück gewandert – was willst Du von mir, Leben?« Nicht unerwähnt bleiben darf auch das treue Stamm-Mitglied Carlos Z. Quispe, der mit Bass-Flöten, Charango und Flüsterstimme jede Menge Magie addiert. (peb)

   

Goaskinvella
(1993, Verve/Universal 521.388-2)

Mari Boine experimentiert auf »GOASKINVELLA« (zu deutsch: »Adler Bruder«) zwischen Jazz, Rock und Joik. Neben Gitarrist Roger Ludvigsen, der wie Boine aus Sapmi (dem Land der Samen) stammt, fallen besonders der junge Perkussionist Helge Andreas Norbakken und der Basist Gjermund Silset positiv auffallen – beide Jazz-Absolventen des Trondheimer Konservatoriums und Lieferanten groovender Klanngfarben.

»Modjás Kátrin«, ein traditioneller Joik aus der russischen Sami-Region, wird sehr kraftvoll und vorwärts treibend interpretiert, und Nils-Aslak Valkeapääs »Sami Eatnan Duoddarat« gerät zur hypnotischen Ode an die Heimat. »Dás Áiggun Cuozzut« kommt als bedrohlicher Slideblues mit mächtig grummelnden Bässen daher, und der Titeltrack – ein auch live noch immer gern vorgetragener Rock-Aufschrei – thematisiert metaphorisch die Knechtung des samischen Volkes. Der Sound? Auch brillant dank Jan Erik Kongshaug. (peb)



Siehe auch:
Nils Aslak Valkeapää
Boine/Zhelannaya/Starostin

   

Gula Gula
(1990, Realworld/Virgin DCR W13)

Eigentlich gab es dieses Album schon früher als LP; kaufen konnte man es aber meist nur auf irgendwelchen Sami-Märkten in Nordnorwegen. Dann kam das CD-Projekt »ONE VOICE, ONE WORLD« – quasi eine moderne und stark sozialkritisch gefärbte Version von »Ein Lied geht um die Welt«, bei dem Musiker aus aller Welt sich ein Lied weiter reichen. Mari Boine beteiligte sich auch; ihr Schamanen-Folk begeisterte erstmalig die internationale Musikwelt, und Peter Gabriels Realworld-Label veröffentlichte daraufhin mit »GULA GULA« ihr internationales Debüt.

Es war ein Einstand wie ein Paukenschlag, der noch immer zu Boines besten CDs zählt: Berückende Meldoien und eindringliche Texte verbünden sich mit dramatischeb Joikgesängen und feinsinnigster Begleitung. Schon damals mit dabei: alte Bekannte wie Eivind Aarset an der Gitarre, Ale Möller an Bouzouki und Dulcimer, Roger Ludvigson von Orbina an Gitarre und Saz. (peb)



Siehe auch:
Eivind Aarset
Ale Möller
Orbina

   

Jaskatvuoða Manná – Etter Stillheten
(LP, 1985, IDUT/BMG ILP860)

Jede/r muss mal klein anfangen – warum sollte es Mari Boine, die damals noch »Person« im Namen trug, anders ergehen? Die 1985 erschienene, nie auf CD wieder veröffentlichte Debüt-LP war damals fast nur auf samischen Märkten in Nordnorwegen erhältlich. Boine war noch weit davon entfernt, ihren eigenen Stil zu finden und bot überwiegend amerikanisch gefärbten Mainstream-Rock Marke Toto und Saga.

Aber sie sang ausschließlich samisch, und selbst die Liner Notes auf dem Cover sind nur auf samisch und norwegisch gehalten. Welch Riesenschritt die heute bekannteste Sami-Musikerin bis zum internationalen Erstling »GULA GULA« 1990 vollzog, wird erst angesichts dieser frühen Rock-Plattitüden deutlich, die – außer Sammlern – heute keinen mehr interessieren. (peb)



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