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Alle Rezensionen zu Annbjørg Lien
(Genre »Folk«, Land »Norwegen«)

 

Drifting Like A Bird
(2015, Heilo/Grappa HCD 7292)

Das Meer war immer ein wichtiger Ort für die Menschheit, um fortzukommen, um anzukommen, um darin unterzugehen – ein Sehnsuchtsort, der Heil und Unheil zugleich versprach und einlöste. Auch Annbjørg Lien hat sich des Meeres angenommen, anläßlich einer Auftragskomposition für das North Sea Festival im norwegischen Farsund in 2012, »DRIFTING …« ist der daraus resultierende Tonträger.

Beteiligt waren – wie immer – Roger Tallroth (g, bouzouki, ukulele), Bjørn Ole Rasch (harmonium, kalimba, Mellotron und Hammond-Orgel) und Rune Arnesen an diversen Schlagwerken. Dazu kommen Anders Løfberg (cello, b) und zwei Sängerinnen mit Einfluss: Cathy Jordan spielt zudem Bodhrán, Tori Wrånes Akkordeon.

»Sailor’s Waltz« gibt die Richtung vor, der Seemannswalzer passt hervorragend zu Lien und dem gesamten Sound der Band – der Brückenschlag gelingt ausnehmend gut! Der Titelsong, gesungen von Cathy Jordan, hat einen Refrain mit Mitsingqualität. Annbjørg Lien singt auf dieser CD mehr als früher, in Norwegisch und Englisch, mit richtig guter Stimme. Dafür hat sie Harding Fele und Nyckelharpa weniger Raum gelassen. Den Songs kommt das durchaus zugute – wie eine frische Meeresbrise weht der Sound aus den Boxen. Ehemann und Produzent Rasch hat sich hier erfreulich zurückgehalten und kein bißchen überproduziert.

Ganz exquisit in seiner Schlichtheit ist »Betty Mouat«, benannt nach und gewidmet einer Strickerin von den Shetland Inseln, die zeitlebens gestrickt hat und eines Tages ihre Arbeiten verkaufen wollte. Dazu fuhr sie mit einem kleinen Segler: Nach kurzer Zeit gingen im Sturm der Skipper und der Matrose über Bord, und Betty driftete acht Tage orientierungslos allein übers Meer, bis sie schließlich auf einer abgelegenen Insel strandete.

Derlei Unbill sollte Annbjørg Lien mit »DRIFTING …« nicht passieren – die CD ist ausgesprochen gelungen! (tjk)

Annbjørg Lien: Drifting Like A Bird

Offizielle Website

Offizielle Website      home.online.no/~brasch/alien

   

Khoom Loy
(2012, Heilo/Galileo HCD 7250)

»Ein Album voller farbenfroher Klanglaternen«, warnt verspricht das Presseinfo: nach Thailand orientiert sich Annbjørg Lien auf ihrem achten Album, mit Gastmusikern an Tabla, Sarod und Flöten. In ihrer eigenen Band ist selbstverständlich wieder Bjørn Ole Rasch als Fachkraft für Synthetisches und Produzent zugange. Er ließ sich nicht lumpen und bei ein paar Stücken Streichquartett und/oder Männerchor auffahren – mehr ist weniger.

Gar nicht stimmig ist nämlich »KHOOM LOY«, zu beliebig und uninspiriert stehen nordeuropäische und südasiatische Elemente (besser: Klischees) nebeneinander. Beim Titelsong – ja, Annbjørg Lien singt hier auch, mit Pat Broaders im Duo, englisch – kommen dem Hörer weder Norwegen oder Thailand in den Sinn, sondern eher Lizzy Miller, die einen vergammelten Pogues-Song trällert. Danach präsentiert »Natten« Versatzstücke aus beiden Kulturen mit mannigfaltigem Geklimper. »Gode Gut« drückt kräftig auf die Tränendrüsen, aber bei »Den Største Daarlighed« wird es endlich indisch, mit allem Drum und Dran. Wie sagt’s das Info: »From Norway With Love«. (tjk)



Siehe auch:
Bukkene Bruse

   

Come Home
(2010, Heilo/Galileo HCD7244)

Annbjørg Lien als »Andre Rieu der Hardangerfiddel« zu bezeichnen, wäre zu frech. Dennoch: Die norwegische Geigerin, früher aktiv in der Folkgruppe Bukkene Bruse, dürfte wohl die international populärste Vertreterin dieser Spielart sein, und diesen Erfolg erreicht man natürlich nicht ohne Anbiederung an den Massengeschmack und ein properes Äußeres. Während bei ihr bislang oft ein unheilvoller New Age-Unterton oder wirre Synthesizer-Modernismen den Gesamteindruck trübten, hat sie sich mit »COME HOME« ganz auf die alten Traditionen besonnen.

Nur Lien und ihr Langzeitbegleiter und Ehemann Bjørn Ole Rasch, der statt Synthesizer lediglich ein konventionelles Harmonium benutzt, spielten die CD schön gemütlich im heimischen Studio bei Kristiansand ein. Durch diese traditionelle Erdung gewinnt Annbjørg Liens »Fiedelei« an Sympathie, und singen kann die Lady auch, wie sie im Titeltrack beweist. Willkommen daheim! (peb)



Siehe auch:
Sondre Bratland & Annbjørg Lien

   

Waltz With Me
(2008, Gogo Records/Galileo)

Folkmusiker aller Länder, vereinigt Euch! Annbjørg Lien, die norwegische Königin der Hardangerfiddel, hat sich für das Auftragswerk »WALTZ WITH ME« mit hochkarätigen internationalen Gastmusikern zusammengetan: Dem US-Folk-Ass Bruce Molsky an Violine und Vocals, der Kanadierin Christine Hanson am Cello und dem schwedischen Fiddler Mikael Mari, den man bereits als Mitglied des Trios Väsen kennt. Die Kompositionen, die bereits auf dem norwegischen Telemark-Festival und dem schottischen Celtic-Connections-Festival zur Aufführung kamen, liegen hier erstmals in Albumform vor. Obwohl sich die Musiker zuvor nur flüchtig kannten: Hier grooven sie auf hoch anregende Art zusammen, als hätten sie nie etwas anderes getan!

Der Albumtitel ist vielleicht etwas irreführend, denn klassische Walzertöne gibt es hier nicht zu hören. Sondern gefühligen, souveränen norwegischen Folk, der perfekt die Balance zwischen Tradition und einem frischen modernen Ansatz hält. Das sind hoch heimelige Klänge zum Träumen, zum Nachdenken, zum Tanzen, zum Jauchzen. Und ein Beweis dafür, dass Konzepte von »irgendein Land zuerst« absoluter Blödsinn sind! (emv)



Siehe auch:
Väsen

Video-Link

   

Aliens Alive
(2002, Grappa GRCD4178)

Mit dieser Live-CD hat Annbjørg Lien den kreativen Tiefpunkt ihrer Karriere erreicht. Spielen kann sie ja, und ihre Band (u.a. Roger Tallroth – g, Rune Arnesen – dr, perc) auch. Das Ergebnis allerdings spottet jeder Beschreibung. Sinnfrei röhrt (etwas wie) ein Didgeridoo; pappig-süße bis bombastische Keyboards (Bjørn Ole Rasch) kleistern alles zu wie Betonkäse die Tiefkühl-Pizza.

Weiter schmiegen sich Hardanger-Fiedel und keltisches Pfeiferl aneinander zu einem unheilvollen Gefiepe, während die zweifellos vorhandene Virtuosität ebenso zur Applaus-Sammelbüchse verkommt wie der 20-Sekunden-»Blues« des Gitarristen. Dazu billige Scherze aus der Mottenkiste: zehn Sekunden »Peer Gynt« mit ein paar »Ahs« statt Noten – das Publikum tobt, der CD-Spieler wird grün vor Scham. Karl Moik, öffne Deinen Musikantenstadl und lass Annbjørg Lien nie wieder heraus! (tjk)

   

Prisme
(1996, Grappa/Koch 033662041138)

»PRISME« ist durchaus als Höhepunkt in Annbjørg Liens Schaffen zu betrachten – das beweisen auch die Verkaufszahlen. Ihre instrumentellen Fähigkeiten stehen außer Frage; sie ist zweifelsohne die Meisterin der Hardanger-Fiddle der jüngeren Generation. Auch kompositorisch hat sie's drauf: feine Melodien, angelehnt an traditionelle Folklore, aber durchaus eigenständig. Und weil sie ihr Zelt (Folklore) recht nah am Strom (Pop) errichtet hat, erreicht sie auch viele Hörer – es sei ihr gegönnt.

Zudem kann sie in ihrer Band feine Musiker begrüßen: den Gitarristen Roger Tallroth und den Schlagwerker Rune Arnesen zuvorderst, dazu Mikael Marin (viola) und Hans Fredrik Jacobsen (fl, kantele, bagpipes). Bleibt die Frage, warum sich trotzdem ein unangenehmes Gefühl beim Hören einschleicht wie ein Monster aus dem Nebel in einem Ed Wood-Film: Es sind die Keyboard-Klänge von Bjørn Ole Rasch, der zudem viele Stücke mitkomponiert hat und auch die Arrangements besorgt. Und dadurch gerät der Klang manchmal gefährlich nahe an eine Europe-Ästhetik. Da stochern dann Violine und Gitarre durch den Synthi-Nebel, und man wünscht sich, Annbjørg Lien hätte ihr Zelt doch etwas oberhalb vom Strom aufgeschlagen. (tjk)



Siehe auch:
Lynni Treekrem
Väsen
Kari Iveland
Tom Russell



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