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Alle Rezensionen zu Paavoharju
(Genre »Avantgarde«, Land »Finnland«)

 

Laulu Laakson Kukista
(2008, Fonal Records FR-55)

Klänge, die man kurz vorm Aufwachen aus verworrenen Träumen hört. Klänge, die kurz vorm Ertrinken vorbeiziehen könnten, wenn man bereits aufgegeben hat und nur noch letzte Erinnerungsfetzen durchs Bewusstsein huschen. Ein tastender Versuch der Annäherung an Paavoharju, dem Projekt um die Gebrüder Ainala, die flüchtigen Waldgeistern gleich sofort hinter Bäumen verschwinden, wen man sich ihnen zu nähern wagt. Das Beunruhigende und Großartige an Paavoharju ist es, dass sie sich auf ihrer zweiten Veröffentlichung »LAULU LAAKSON KUKISTA« (Lied über die Blumen des Tales) weiterhin eigensinnig und selbstbewusst jeder Einordnung in gängige Genres entziehen.

Es ist Musik, die man so noch nicht gehört hat. Taumelnde Walzer, nostalgische Shanties, kreischende Raben, ferne Choräle, russischer Weltschmerz, Bollywood-Melodramen, beunruhigende Radio-Störgeräusche, mystische Beschwörungsformeln, auf Abwege geratene Seventies-Discobeats, Kirmesklänge, fernes Flüstern, Electronics, die sich im Dunkeln verirrt haben. Um nur einen kleinen Pfad in das Dickicht der Paavoharju-Parallelwelt zu bahnen. In dem man jederzeit verlorengehen könnte. Anspruchsvoll: Ja! Aber erstaunlicherweise innerhalb dieser verstörenden Welt auf eine eigentümliche Weise glücklich. Sehr glücklich. (emv)



Siehe auch:
Sami Kukka
Joose Keskitalo
Karhumauri

 Paavoharju: Laulu Laakson Kukista

Offizielle Website

Die CD »Laulu Laakson Kukista« war »CD des Monats« im Monat 7 / 2008.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Musik aus der Abseitsfalle. So krude, verspult und speziell wie fast alle Fonal-Veröffentlichungen. Ein schlafloser Wald mit sämtlichen Gimmicks: nebliger Morgendämmerung, entrücktem Koboldtanz und unheimlichen Geräuschen. Es sei noch betont: Dies alles ist viel liebenswerter und auch eingängiger, als es sich hier liest.
Markus Wiludda

Eh klar, Eva-Maria, dass mir sowas gefällt! Und mehr als das: man kann jedesmal Neues entdecken, ein Wunderwerk an kleinen Details und Links wohin auch immer. Dass daraus keine Suppe der Beliebigkeit wurde, muss man Paavoharju hoch anrechnen. Schräg, intelligent, auch witzig, überraschend - noch mal!
Tim Jonathan Kleinecke

Jahrzehhntelang erfahrene Musikjorunalisten jammern gern, dass sie schon alles gehört hätten und keine Überraschungen mehr erleben. Hah! Jenen bedauernswerten Geschöpfen unter uns seien die finnischen Bilderstürmer ans Herz gelegt, die - fernab von intellektueller Verkopftheit und »L’art pour l’art«-Bemühungen – unsere zwölf westlichen Halbtöne ungeahnt neu zusammensetzen.
Peter Bickel

Als würde man durch einen Riss in Raum und Zeit drei nostalgische Radiosender gleichzeitig hören: So klingt das. Verstaubte Volksmusik, Techno in Kinderschuhen, Anrührendes und stark Verkratztes. Stimmt, ziemlich seltsam ist das schon. Macht aber auch so melancholisch wie der Anblick einer verrosteten Spieluhr oder einer zerbrochenen Schellack-Platte. Obwohl's doch aus dem Rechner kommt. Toll.
Sebastian Pantel

Offizielle Website      www.paavoharju.com

   

Yhä Hämärää
(2005, Fonal Records FR-37)

Es soll Leute geben, die sich allein im Wald fürchten. All diesen ist von »YHÄ HÄMÄRÄÄ« (immer noch dunkel!) dringend abzuraten. Das erste Album der schwer zu greifenden Band um die Gebrüder Lauri und Olli Ainola (neu bekehrte mystisch angehauchte Christen?) aus dem Hinterland von Savonlinna hart an der russischen Grenze legt für den Ängstlichen Fallstricke aus. Führt ins Unbekannte, üppig Grüne, wo alle Gewissheiten schwinden und die Waldgeister garstig und erbarmungslos sind. Auch die Musik entzieht sich mit entschiedenem Eigensinn jeglicher Definition. Kinderklavier und ferne Choräle, statische Geräusche, Naturlaute, elektronisch blubbernde, esoterisch angehauchte Samples. Von herzzrereißend grausamer Schönheit.

Die Stimme von Jenni Koivistunen klingt nach Geisha-Seifenoper und schwenkt im Sekundentakt zu slawisch-karelischer Seelchen-Innigkeit über. Der einzig auszumachende gemeinsame Nenner dieser Songs ist der Hang zum Melodram, zum emotionalen Overkill. Wir schwanken. Wir suchen. Wir sind. Anders. Sehr anders. »YHÄ HÄMÄRÄÄ« ist ein großartig irritierendes Album, das nach dem 16. Hören endlich süchtig macht. (emv)



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