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Alle Rezensionen zu Olafur Arnalds
(Genre »Pop«, Land »Island«)

 

Eulogy For Evolution
(2007, Progess(ion))

Es endet meist unschön. Der Tinnitus fräst sich ins Ohr, lässt die Hirnrinden explodieren, den Kopf nimmer stillstehen. Stört, raubt Nerv und Lebensdrang. Das Leben als Drummer in den zwei Hardcorebands Fighting Shit und Celestine bedeutet für Olafur Arnalds neben ungebrochenem Aggressionsabbau vor allem Lärm und Stress. Mit voller Wucht klatscht die Doublebass als wulstiger Stoß durch den Raum, während die Becken ihr Vibrato in den Moshpit impfen.

Dieses lautstarke Leben lässt der blutjunge Isländer bisweilen hinter sich, legt die Sticks dann und wann beiseite und öffnet den Koffer mit der Geige oder versucht sich an sacht geschlagenen Pianoläufen. Sein Kontrastprogramm heißt: Intimität. Dicht verwoben sind die Atmosphären, die sich in den Wortlosigkeiten seines Debüts auftürmen. Meist fragil und in ihrer Unendlichkeit beeindruckend, dann mit überbordendem Pomp und fulminanten Crescendi zu ergreifenden Erstschlägen ausholen. Klassisch instrumentiert und doch mit dem Charakter bekannter Indie-Ästhetik. Und diese Spannungsbögen halten, was sie versprechen. Die Melodien scheinen direkt vom Zuckerbäcker zu stammen, und alles ersprießt letztlich in schauerlich-schönem, melancholischem Wohlklang. Einnehmend und bezaubernd. Und vor allem: leise. (maw)


Zum Artikel über Olafur Arnalds

Olafur Arnalds: Eulogy For Evolution

Offizielle Website

Die CD »Eulogy For Evolution« war »CD des Monats« im Monat 10 / 2007.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Der anfängliche Aha-Effekt ob der für Pop-Musik ungewöhnlichen Instrumentierung und der Dreistigkeit, mit der sich Arnalds bei allem Möglichen bedient und hemmungslos sacht das Piano schlägt - Verzeihung: dem Kitsch frönt -, weicht bald der Erkenntnis, dass die Stücke doch substanziell eher naiv wirken. Vor allem hätte man die Streicher interessanter arrangieren können. Aber dann wäre es ja nicht so kitschig geworden. Ach, was soll's: Es endet eh meist unschön.
Tim Jonathan Kleinecke

Diese Album muss geradewegs vom Himmel gefallen sein, so schön ist es. Von einer Schönheit, die einem sofort in eine enge Umarmung zieht, so dass der Protestschrei "Aber das ist doch kitschig!" nicht über die Lippen kommt. Von einer altmodischen, innigen Schönheit, die das Herz ganz weich und weit werden lässt. Von einer Schönheit, die bestärkt, die traurig macht und gleichzeitíg glücklich. Und das schaffen nur ganz wenige Künstler. Olafur Arnalds is einer von ihnen.
Eva-Maria Vochazer

Hunderte Alben kommen derzeit wöchentlich auf den Markt, und Olafur Arnalds wird gewiss nicht die Aufmerksamkeit erfahren, die er verdient hat. Schade eigentlich, denn sein Debüt ist ebenso kitschig wie unterhaltend. Ein rundum gelungenes Album von einem Künstler, der seine Herkunft erst im letzten Song preisgibt: Wenn hektisch und stotternd die einzige E-Gitarre das Lied zerlegt und doch nicht die Überhand gewinnen kann.
Leif Haugjord

Meine Gedanken die ersten 60 Sekunden: »Wo hat denn der sonst so kitschresistente Kollege Markus diesen Bilits-Abklatsch ausgegraben?« Nach drei Minuten: »Das hat was ... das wächst.« Nach dem zweiten Song: »Trotz der Süße beachtliche Tiefe.« Und nach der Schlussnummer, überrascht über die die Piano-Wölckchen überdeckende Noise-Schicht: »Wow. Ein trügerisches Album, das man nicht alle Tage erlebt.«
Peter Bickel

Offizielle Website      www.olafurarnalds.com

   

For Now I Am Winter
(2013, Mercury/Universal)

Im musikalischen Umfeld, in dem sich Ólafur Arnalds bewegt, ist der Grat zwischen anspruchsvoller Hochkultur und seichter Plätschermusik ein schmaler. Der junge Isländer, dessen Kompositionen inzwischen in Hollywood-Blockbustern wie »The Hunger Games« und hochglänzenden Calvin-Klein-Werbespots eingesetzt werden, ist auf seinem dritten Longplayer »FOR NOW I AM WINTER« weiter in romantischen Klangwelten beheimatet: zwischen Filmmusik, Minimalismus, neo-klassischen Klavierwelten, samtpfötigen Elektronika und orchestralen Wunderwelten. Letztere übrigens arrangiert von Meister Nico Muhly himself! Schon der zweite Track »Brim« ist eine meditative Tour de Force durch fragile Gefühlszustände, die auch auf dem Debütalbum nicht fehl am Platze wirken würde. Zum zart vor sich hin mäandernden Piano-Cello-Track »Only The Winds« kann man bestens seinen Gedanken nachhängen.

Aber halt, es gibt hier auch Veränderungen: Erstmals hat sich Arnalds mit Arnór Dan Arnarson, dem Sänger von Agent Fresco, eine menschliche Stimme mit an Bord geholt. Und der sonst so manisch-hippelige Interpret schmiegt sich hier auf vier Tracks merklich zurückgenommen in die fragilen Klanggebilde seines Landsmannes ein. Verstärkt sogar noch die leuchtende Flüchtigkeit dieser hingetupften Impressionen. In »Reclaim« fühlt man sich mit der nervösen Violine und den feinnervigen Vocals von Arn an die eigenwilligen Pop-Klassik-Grenzgängereien des Kanadiers Owen Pallett erinnert.

Alles weiterhin erhaben in Ólafur-Land also. Nur manchmal denkt man: Junge, schwelge bitte niemals zu süßlich in deinen bedeutungsschwangeren, geheimnisvollen Gegenwelten. Denn Empfindsamkeit ist ein fragiler Zustand: Trägt man zu dick auf, kippt der Gesamteindruck ins Süßliche, Überzuckerte. Und das hört sich dann schlimmstenfalls so an wie Fahrstuhlmusik im Designer-Kaufhaus. (emv)

   

And They Escaped The Weight Of Darkness
(2010, Erased Tape Records/Indigo)

Mag sein, dass Ólafur Arnalds einer der letzten wahren Kammermusik-Romantiker auf Erden ist. Der Isländer macht sich mit einem empfindsamen Piano und beseelten Streichern auf den Weg, um vielleicht irgendwann dort anzukommen, wo das Licht hinter dem Wald aufblitzt. Dosiert eingesetzte Electronics und vereinzeltes Schlagwerk sind unerwartete Begleiter. Aber: Durch Arnalds abendblaues Universum irrlichterten diese Ingredenzien schon zuvor.

Der Musiker erfindet sich nicht neu. Streut verhalten Zitate ein, von Sigur-Rós'schen Tanzschritten bis zu Jóhann Jóhannsons Filmmusik-Experimenten. Vielleicht hat Co-Produzent Barði Jóhannsson alias Bang Gang, der Melodramatiker der isländischen Elektropop-Szene, dazu beigetragen. Abheben kann Ólafur Arnalds ganz alleine. Im siebten Song »Hægt, Kemur Ljósið« entdeckt er mit souveräner Leichtigkeit plötzlich das Glück. Das Lächeln will danach nicht mehr aus diesen sachte dahin geworfenen Tönen weichen. Und war eigentlich die ganze Zeit schon im Hintergrund da, wenn man genau zugehört hat. (emv)



Siehe auch:
Bang Gang
Sigur Rós
Jóhann Jóhannsson

   

Found Songs
(2009, Erased Tape Records)

Wir wissen es längst: Ólafur Arnalds ist eigentlich Drummer in einer Hardcore-Band, doch erst mit »EULOGY FOR EVOLUTION« – einer nebelverhangenen Träumerei zwischen Neoklassik und ambitioniertem New Age – spielte er sich in die Herzen seiner Zuhörer. Mit den »FOUND SONGS« – sieben an der Zahl – hält sich der Isländer warm bis zum kommenden Studio-Album: Diese Miniaturen, innerhalb von sieben Tagen aus übrig gebliebenen Skizzen komponiert, veröffentlichte Ólafur Arnalds via Twitter im Internet und forderte seine Fans auf, zu jedem Song ein persönliches Artwork zu kreieren.

Die stellte er dann auf der Flickr-Website online, und für die Sammler gibt's nun wahlweise eine Limited Edition CD, eine 10" Vinyl-Ausgabe oder qualitativ hochwertige Downloads. Zum Wegträumen, Eintauchen und trotz aller Süßlichkeit überraschend kitschfreien Feierabendgenuss. Und Reinhören kann man auch, unter foundsongs.erasedtapes.com (peb)

   

Dyad 1909
(2009, Erased Tape Records/Indigo eratp19cd)

Karge Landschaften. Verhuschte Nebelschwaden. Piano, Streicher und Electronics, zurückgenommen in Szene gesetzt. Filmmusik, die an James Newton Howard erinnert. Ólafur Arnalds gelingt in »DYAD 1909« eine Fingerübung sanft-experimentellen Erkundens. Auf Wunsch des britischen Choreographen Wayne McGregor hat das isländische Wunderkind den Soundtrack für ein Tanzstück geschrieben, in dem es um die Expedition des britischen Abenteurers Shackleton zum Südpol geht. Es ist kalkuliert kalt und poetisch hier, und sehr klug. Wie im Palast von Andersens Schneekönigin. Man kann sich wärmen an kreativer Intelligenz. So kalt und so konstruiert sie daherkommen mag. Man spürt es totzdem, das pochende, lebendige Herz.

Ergänzt wird das Tanzstück-Opus durch Remixes aus den ersten Arnalds-Alben. Nicht zum Vorteil der Stücke, die eher durch tastende Neugier leben, denn durch durchkalkulierte Neuinterpretatation. Ólafur Arnalds denkt viel, sehr viel. Manchmal ist viel Fühlen besser. (emv)

   

Variations Of Static
(2008, Erased Tape Records/Progressio ERTP8CD)

Die Welt kommt fast zum Stillstand. Eine tastende Vorwärtsbewegung. Auf der Suche nach etwas, das noch zu definieren wäre. Ólafur Arnalds entwirft auf seiner zweiten Veröffentlichung »VARIATIONS OF STATIC« fragile Klangstrukturen. Ausufernde Streichereinsätze, ein irrlichterndes, aber erstaunlich kraftvolles Piano. Scheue elektronische Morsezeichen, zart fragende, computergenerierte Vocals. Ein Soundtrack für ausgiebige Traumwandlereien.

Es ist dem 21-jährigen isländischen Wunderkind hoch anzurechnen, dass er nicht aufhört, zu experimentieren. Einen Schritt weg von den klassisch imspirierten Pianokompositionen, einen Schritt hin zu elektronischen Klangexperimenten. Ganz klein am Horizont kann man Dinge sehen, Dinge, die wir nicht verstehen. Ólafur Arnalds ist auf dem Weg dorthin. (emv)



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