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Alle Rezensionen zu Arve Henriksen
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

Cartography
(2008, ECM/Universal 178.0116)

Weshalb wird seit einigen Jahren Arve Henriksen als wichtigster Bläser Norwegens gehandelt und nicht etwa Jan Garbarek oder Nils Petter Molvær? Nun – während jene weitgehend im Status Quo verharren – was sie auch dürfen angesichts ihres Einflusses –, erfindet sich der Trompeter stetig neu. Nicht nur als ein Viertel des nordischen Avantgarde-Quartetts Supersilent, sondern auch als Begleiter aller halbwegs wichtigen Jazzer Norwegens. Solo hört man die Einflüsse japanischer Zen-Musik am deutlichsten, die seiner Musik immer etwas Erhabenes, Entrücktes, auch Mehrdeutiges verleiht.

Mit der Hilfe Norwegens bester Freigeister – Live-Sampler Jan Bang, Drummer Audun Kleive, Gitarrist Eivind Aarset, das Trio Mediaeval, der schwedische Bassist Lars Danielsson oder Sound-Ästhet David Sylvian – kartographiert diese CD im wahrsten Sinne des Albumtitels Henriksens musikalisches Bewegungsfeld: intensive Soundscapes, verschiedene Ebene komponierter Musik und elektronischer Neugierde, Live-Mitschnitte, und über allem diese heiseren, zärtlichen, oftmals elektronisch verfremdeten Trompetentöne Henriksens. Noch bevor man »CARTOGRAPHY« zu Ende gehört hat, weiß man, dass dieses Album Spuren hinterlassen wird. (peb)



Siehe auch:
Jan Bang
Terje Isungset & Arve Henriksen
Tigran Hamasyan, Arve Henriksen, Eivind Aarset, Jan Bang
Food


Zum Artikel über Arve Henriksen

Arve Henriksen: Cartography

Die CD »Cartography« war »CD des Monats« im Monat 12 / 2008.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

So sakral war Henriksen bisher nicht. So kontemplativ und doch so aufrauend. So meditativ und dabei kein bisschen zuckrig oder besserwisserisch. Und dann sind da plötzlich diese sinfonischen Einschübe wie in einem ewig gültigen John Ford Western. Ich reite augenblicklich mit: dem Sonnenuntergang entgegen.
Frank Keil

Ja, »CARTOGRAPHY« ist richtig grandios! Karge Klanglandschaften, mäandernden Melodien, spannende Sounds - und dieser Trompetenton! Arve Henriksen macht aus wenig unglaublich viel, »CARTOGRAPHY« wird sicher ähnlich bedeutend werden wie vor 12 Jahren »KHMER« von Molvaer.
Tim Jonathan Kleinecke

Seine Kreativität ist unbestritten und dieses zerfließende Werk ist wirklich eine schöne, eine poetische und magisch-langsame Reise. Ein bisschen fahrig vielleicht, ein bisschen zu bedächtig nach der ultimativen Balance schielend und deswegen nicht immer gänzlich zwingend. Dennoch wurde es Zeit, dass dieser Musiker an dieser exponierten Stelle seine Würdigung erfährt
Markus Wiludda

Einfache musikalische Kost ist es nicht. Man muss bewusst zuhören. Sich Zeit nehmen, in diese unbekannten Landschaften zu folgen. Wo die Gewissheiten schwinden und wo der Boden unter unseren Füßen zu schwanken beginnt. »CARTOGRAPHY« gäbe einen wunderbaren Soundtrack für einen Tarkowski-Film - wie STALKER ab - was kein geringes Kompliment ist!
Eva-Maria Vochazer

   

Chron | Cosmic Creation
(2 CDs, 2014, Rune Grammofon/Cargo RCD2152)

Erfreulicherweise bekommen hiermit auch diejenigen, deren Budget den Erwerb der Deluxe-7-LP/2-DVD-Box »Solidification« verhindert, die Chance, Henriksens bislang nur dort erhältliches Soloalbum »CHRON« zu erwerben. Und dann auch noch direkt mit einer weiteren neuen Platte, »COSMIC CREATION«, auf einer zweiten CD. Für Fans also ein echtes Fest. Wer Henriksens Laufbahn mit Interesse verfolgt hat, wird sich besonders darüber freuen, dass der Trompeter und Klangkünstler nach den vielen Kollaborationswerken (endlich) wieder mal ein (Doppel-)Album komplett alleine eingespielt hat.

Und die beiden CDs ergänzen sich ganz wunderbar: »CHRON« wurde aus recht heterogenen, streckenweise erfrischend freien Klangentwürfen, an »Unorten« auf Tourneen zwischen Norwegen und Italien aufgenommen, von Deathprod angemessen roh produziert - wobei die Trompete eine eher marginale Rolle einnimmt. »COSMIC CREATION« dagegen entstand fokussiert, aber viel atmosphärischer an nur einem Ort, in Schweden, wo Henriksen derzeit mit seiner zweiten Frau und vor wenigen Jahren geborenen Zwillingen lebt. Zwei Platten wie Yin und Yang, Erde und Kosmos. (ijb)



Siehe auch:
Arve Henriksen & Teun Verbruggen

   

The Nature of Connections
(2014, Rune Grammofon RCD2161 / RLP2161)

Mittlerweile ist man bei Arve Henriksen ja auf alles gefasst. Sogar darauf, dass sein unablässiges Innovativsein zur langweiligen Masche geraten könnte. Und jetzt das! Nein, also das war nun wirklich nicht vorauszusehen: Weniger als ein Jahr nach seinem Jan-Bang-Album »Places of Worship« und kaum ein halbes nach der radikal experimentellen Doppel-CD »Chron | Cosmic Creation« überrascht der Meister mit einer scheinbar geradlinigen CD norwegischer Folk-Musik, eingespielt im rein akustischen Sextett »großer« Namen der Jazz- und Folkszene seines Heimatlandes: Nils Økland, Svante Henryson, Gjermund Larsen, Mats Eilertsen und Audun Kleive.

So unverblümt schön wie ungewohnt konventionell diese CD sich in Henriksens Diskografie auch ausnimmt, sein ureigener, fragil-melodischer Ton zieht sich durch alle neun Lieder — obgleich er doch nur eines davon tatsächlich selbst komponiert hat. Bei aller Melancholie, etwa in Henrysons »Seclusive Song« oder Ståle Storløkkens »Hymn«, findet die Band unter Henriksens Führung in jedem Moment einen frischen, tief bewegenden Ton und verleiht diesen neu geschriebenen, leise jazzigen Songs (darunter einer freien Impro) schon jetzt die Aura von Klassikern. Ganz groß. (ijb)



Siehe auch:
Nils Økland
Svante Henryson
Gjermund Larsen
Mats Eilertsen

   

Places of Worship
(2013, Rune Grammofon/Cargo RCD2147/RLP3147(W))

Viel Lob wurde bereits über Henriksens angeblich erstes Album seit fünf Jahren, seit dem Ausflug zu ECM 2008, ausgeschüttet. Da fällt es schwer, einen verhalteneren Kommentar dagegen zu setzen, zumal gern unterschlagen wird, dass Henriksen in der Zwischenzeit mindestens drei CDs auf obskuren Labels veröffentlicht hat (s.u.) sowie mit »Chron« ein Soloalbum, das nur zahlungskräftigen Über-Fans in der »Solidification«-Box zugänglich gemacht wurde.

»PLACES OF WORSHIP« schreibt nahezu fließend die lyrisch getragene Atmosphäre der ersten drei Rune-CDs fort, doch im Detail liegen maßgebliche Unterschiede: Jan Bangs Produktion rückt die Platte in unmittelbare Nähe zu dessen »Narratives from the Subtropics« wie auch seiner ruhigen Duo-CD mit Eivind Aarset, »Dream Logic«. Dabei soll die Inspiration von »Tone Poems« über religiösen Gebäuden und Ruinen ausgegangen sein. Die Vielzahl von Mitmusikern und gesampelten norwegischen Musikgrößen muss man schon mit der Lupe suchen. Bang und Henriksen verweben noch die unerwartetsten Klangquellen zu einem dichten Teppich zwischen nordischer Naturstimmung, orientalisch anmutendem Trip und spiritueller Einkehr, der viel Ruhe und Aufmerksamkeit erfordert, um nicht im Alltagslärm unterzugehen. (lha)



Siehe auch:
Jan Gunnar Hoff
Henriksen, Di Domenico, Yamamoto
Eivind Aarset & Jan Bang
Jan Bang / Erik Honoré / Arve Henriksen

   

Strjon
(2007, Rune Grammofon/Cargo RCD 2061)

Es ist Arve Henriksens dritte CD bei Rune Grammofon – und, man muss es leider sagen, seine bisher schwächste. Zwar schafft es der Trompeter, Experimentator und Supersilent-Visionär auch auf »STRJON«, benannt nach und wohl verbunden mit seiner Heimatstadt, Klänge zu erschaffen, die man so noch nicht gehört hat: harsch verzerrte Solotrompeten, Grobheiten und spröde Schönheiten von Orgel, Klavier, Synthesizer seiner Kollegen Ståle Storløkken und Helge Sten. Aber der magische Zusammenhang der Vorgängeralben fehlt.

Atonales steht zu allein, seltsam billige Keyboard-Klänge wollen nicht zu den anderen Collagen passen, die technisch kalten Loops nehmen Henriksens Kreativität den Schwung. Nur dann und wann, bei »Wind And Bow«, »Glacier Descent« und »Alpine Pyramid«, das wie ein Renaissance-Konsort klingt, ist diese unverstellte, überirdische Schönheit wieder da. Suche ist wichtig in der Musik. Man darf sich nur nicht verirren. (sep)



Siehe auch:
Trio Mediæval & Arve Henriksen

   

Chiaroscuro
(2004, Rune Grammofon/Universal RCD2037)

In der norwegischen Jazzszene ist Supersilent-Mitglied Arve Henriksen kein Unbekannter. Er arbeitete mit Ketil Bjørnstad und Jon Christensen, dem Magnetic North Orchestra, Trgyve Seim, Silje Nergaard, Terje Isungset und vielen vielen anderen. Nach seinem Solo-Alleingang »SAKUTEIKI« wählte der Trompeter nun neben dem mit berückenden Live-Samples operierenden Deluxe-Elektroniker Jan Bang noch als Begleiter Audun Kleive, der mit klappernder und zischelnder Percussion den stotternden Motor am Laufen hält.

Vordergründig präsent sind aber vor allem Henriksens Fernost-Einflüsse, wenn er mit gehauchtem, oftmals zärtlich umkippendem Trompetenton und überirdischem Falsettgesang wie zum Morgengebet ruft. Japanische Melodien, balinesische Harmoniesprünge und mongolische Oberton-Entrücktheit paaren sich mit nordischer Transparenz. Und manchmal klingt das sogar wie eine extrem reduzierte Ausgabe von Sigur Rós. Den Mix übernahm übrigens Supersilent-Kollege Helge Sten, das Design Kim Hiorthøy. (peb)

   

Sakuteiki
(2001, Rune Grammofon/Universal RCD2021)

Milde und konzentriert zugleich erheben sich die Töne auf auf dem nerste Solo-Album des vielbeschäftigten Trompeters, nur minimal begleitet. Viel Raum nehmen sie sich; viel Raum brauchen sie auch. Man hört und spürt, das Henriksen eine eigene Heimat fand, als ihm Nils Petter Molvær vor mehr als zehn Jahren eine Cassette mit japanischer Zen-Musik lieh.

So gibt uns Henriksen Klänge für die frühen Morgenstunden, wenn wir nicht wissen, ob wir wachen oder schlafen. Oder für abends, wenn die Eindrücke des Tages durcheinander wirbeln und sich doch eine ganz eigene Ruhe einstellt. (frk)



Siehe auch:
Silje Nergaard
Ketil Bjørnstad
Supersilent
Audun Kleive



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