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Alle Rezensionen zu Nils Petter Molvær
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Switch
(2014, Okeh/Sony Music 888837477420)

Er hatte damals eine fantastische Band, mit der er einige epochale Alben veröffentlichte: Das Solo-Debüt »KHMER« zum Beispiel war so eine CD, die wie ein Paukenschlag scheinbar aus dem Nichts kam, dem Jazz aber völlig neue Impulse gab. Doch so großartig Musiker wie Gitarrist Eivind Aarset oder Bassist Audun Erlien auch agierten – in den letzten Jahren erreichten die Alben des norwegischen Trompeters nicht mehr die einstige Eindringlichkeit, die fiebernde Spannung ließ nach.

Molvær suchte sich neue Begleiter, wobei besonders die Gitarre für ihn ein zentrales Element zu sein schien, ein Gegenpol, an dem sich seine Trompete reiben kann. Nach dem mit zahlreichen elektronischen Gimmicks werkelnden Aarset engagierte er zunächst den Slide-Gitarristen Stian Westernhus als Produzent für »BABOON MOON«, bevor er nun mit Geir Sundstol einen Slide-Fachmann sogar fest in die Band holte. Slide-Gitarre und Cool Jazz à la Miles Davis – passt das zusammen? Exquisit sogar! Zusammen mit Erland Dahlen, früher Drummer bei Madrugada, und dem genialen Keyboarder Morten Qvenild läuft Molvær endlich wieder zu alter Form auf, verbindet rumpelnde Beats, weit tragende Trompetenschreie und lyrische Klangmalereien zu einem stimmigen und gewohnt eigenen Konglomerat. Er erreicht sogar die alte Hochform von »KHMER«, und das will Einiges heißen. (peb)



Siehe auch:
Geir Sundstøl
Morten Qvenild
Nils Petter Molvær & Moritz von Oswald
Madrugada


Zum Artikel über Nils Petter Molvær


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Zur Konzertkritik über Nils Petter Molvær

Nils Petter Molvær: Switch

Offizielle Website

Die CD »Switch« war »CD des Monats« im Monat 5 / 2014.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Ja, Peter, das passt wirklich gut zusammen. Irgendwie aber auch zu gut. Ich hätte mir mehr Wagnis gewünscht, wie bei Molværs letzten beiden Alben. Dennoch gefallen auch mir die drum&bass-igen Stücke, die an »KHMER« erinnern, sehr. Schöne Platte.
Ingo J. Biermann

»KHMER« kann auch ein Molvær nicht toppen, aber nach der schon sehr guten »BABOON MOON« ist auch »SWITCH« noch mal ein Schritt weiter. Besonders Geir Sundstol an der Slide beeindruckt mich. Eine absolut würdige CD des Monats.
Tim Jonathan Kleinecke

Norwegischer Cool Jazz ist nun nicht die Musik, die bei mir auf Dauerrotation läuft - aber in diesem Fall mache ich eine Ausnahme! Weil hier Töne zusammenkommen, die man nicht unbedingt in intimer Nähe zueinander verorten würde. Auf- und anregend, was die Herren hier veranstalten!
Eva-Maria Vochazer

Eine Zeitlang wohnte ich mal in Nils Petters Nachbarschaft. Schon allein aus diesem Grund »muss« ich diese CD mögen. Tue ich aber tatsächlich. Sie enthält viel von dem, was ich an Norwegen nach wie vor schätze: diese sympathisch unverbrauchte Synthese von Tradition und Hightech, von Geitost und Bohrinsel.
Leif Haugjord

Offizielle Website      www.nilspettermolvaer.com

   

Buoyancy
(2016, Okeh/Sony Music 889853080922)

Allen Nörglern und Grantlern zum Trotz: Nils Petter Molvær hat noch keine schlechte Platte veröffentlicht. Gut, manche Remix-CD hätte er sich (oder uns er-)sparen können, und »NP3« war auch nicht gerade das Werk eines Genies, aber sei's drum... Auf die Rocknummer »BABOON MOON« im Trio mit Westerhus und Dahlen folgte das etwas Banane betitelte, aber musikalisch souveräne »SWITCH« mit Neuzugang Geir Sundstøl und Morten Qvenilds Hyperpiano-Sounds. Nun, nachdem statt Qvenild mit Jo Berger Myhre (Splashgirl, Finland) wieder ein Bassist fest in die Band kam, wurde »BUOYANCY« (beim Albumtitel mangelt es Molvær leider schon zum wiederholten Mal an Einfallsreichtum) zu einer Art Synthese aus den zwei Vorgängern: halb sensibler wie eleganter Klangreichtum, halb druckvoller Rockband- Sound. Offenkundig hatte der fantasievolle (ehemalige Rock-) Multi-Schlagwerker Erland Dahlen bei dieser Albumtrilogie maßgeblichen Einfluss auf das Gesamtbild.

Nachdem »SWITCH« in Oslo eingespielt wurde, reiste Molvær mit seiner Band wieder im Winter ins Studio Ocean Sound Recordings an der rauen Atlantikküste, wo bereits »BABOON MOON« (im Januar) wunderbare, an Ecken und Kanten reiche Klangfarben bekam. Viele Stücke wie die Bandkomposition »Jackson Reef« und das epische »Amed« schreiben die sehr norwegische Rock-Jazz-Melange weiter, die zuletzt für Höhepunkte auf Molværs CDs und in seinen Konzerten gesorgt hat - so bleibt er auch hier seiner Vorliebe für komplexe Arrangements mit facettenreichem Instrumentarium treu. Dafür hat er sich eine famose, präzise und vor allem sehr einnehmende Band zusammengestellt sowie den Mitgliedern erlaubt, viel Eigenes beizutragen. (ijb)



Siehe auch:
Splashgirl
Finland

   

Baboon Moon
(2011, Sula/Sony Music 88697959962)

Alles weg. Nichts mehr da. Aus der Asche, aus elektronischem Nebel kämpft sich eine Trompete. Karge kühle Klänge in klaren Strukturen – nur Schlagzeug, Gitarre, Electronics und eben diese Trompete. Reduktion aufs Wesentliche. Aus der Asche entsteht die beste Molvær-CD seit langem.

Erland Dahlen (dr etc.) und Stian Westerhus (g etc.) kommen beide nicht vom Jazz, gerade deswegen hat Nils Petter Molvær sie auserwählt, sie bringen klanglich Stein und Eisen. Vor allem Westerhus zaubert. Mit »Mercury Heart« fängt die CD ruhig und konzentriert an, »Recoil« ist fulminanter Höhepunkt, »Prince Of The Calm« trägt den Titel zurecht. Insgesamt verstörend und beunruhigend, ebenso faszinierend. (tjk)



Siehe auch:
Erland Dahlen
Stian Westerhus
Manu Katché
Puma

   

Hamada
(2009, Sula/Universal 602527020419)

Molvær, der wie kaum ein Zweiter den Cool Jazz mit Elektronik, Live-Sampling und peitschenden Beats auf Touren brachte, kann sich daher bequem zurücklehnen und sich selbst zitieren. Was er denn auch zum Teil tut auf »HAMADA«, das die Erde mit all ihren Phänomenen und Wundern thematisiert. Er groovt jetzt nur noch im Trio, zusammen mit Gitarrist Eivind Aarset und Drummer Audun Kleive, die infolgedessen mehr Raum bekommen. Die allgegenwärtig durch den Klangraum flirrenden Tronics produzieren alle drei, und wie gewohnt schöpft der Trompeter die Spannbreite zwischen sphärisch-kühlen Träumereien und harten Freejazz-House-Ausbrüchen voll aus.

Und ebenfalls wie üblich gibt es einige Längen und improvisatorischen Leerlauf, aber auch Highlights wie den Track »Sabkah«, der zum Besten gehört, was Molvær je fabriziert hat: Aarset lässt die Saiten im Tremolo-Sound vibrieren, Kleive belastet die Tiefton-Lautsprecher mit einer fast subsonisch tiefen Trommel, und Nils Petter selbst muss da nur noch einsteigen und abheben. Ein Track, der das restliche Album-Niveau weit emporhebt. (peb)

   

Re-Vision
(2008, Emarcy/Universal 060251763446)

Die Musik des norwegischen NuJazz-Trompeters war schon immer sehr visuell veranlagt; Filmemacher nutzten sie denn auch stets gern als Soundtracks. »Re-Vision« unterscheidet sich von seinen regulären CDs dadurch, dass hier reine Soundtracks versammelt sind – Musik, die noch atmosphärischer und fließender klingt, da Molvær sie speziell für drei Filme komponiert hat: »Frozen Heart« von Stig Andersen, »EDY« von Stéphan Guérin-Tillié und »Hoppet« von Peter Naess.

Manch ungewohnte Klangfarbe – wie Nizametin Arics Stimme bei »Torn« oder die armenische Duduk bei »Visitation« – passt perfekt ins Sound-Ambiente von Molværs Electronic Jazz; andere Tracks wie »Arctic Dub« oder »Perimeters« zeigen die bewährten Stärken des Jazz-Pioniers: hypnotisierende Loops, eine mystische Drone-Basis und die wie ein eisiger Nordwind fauchenden Cool-Improvisationen à la Miles Davis. (peb)

   

Remakes
(2005, Emarcy/Universal 06024.9870342)

»Remixer sind die Jazzmusiker der Zukunft«, weiß Molvær. Nach »RECOLOURED« von 2001 reicht der Trompeten-Trendsetter nun schon zum zweiten mal seine Songs vertrauensvoll an diverse Remix-Hände – pardon: Ferstplatten – weiter. Aus dem Fundus des »NP3«-Albums bedienten sich diesmal Rmx-Spezis wie Funkstörung, Raymond Pellicer, Bugge Wesseltoft, Bill Laswell oder Rune Arnesen.

Besonders Vergleiche der fast ausnahmslos mehrfach vertretenen Songs wie »Axis Of Ignorance«, »Little Indian« oder »Frozen« demonstrieren den großen Spielraum, mit dem die Knöpfchendreher Molværs archaische Elektronika in die verschwitzten Kellerräume namens Drum'n'Bass, Raggamuffin, Ambient oder Deep Soul mitnehmen. Eine spannende Hörreise – sofern man »NP3« kennt. (peb)



Siehe auch:
Patrick & Raymond
Bugge Wesseltoft
Torbjørn Sunde

   

Er
(2005, Emarcy/Universal 987.4157)

Manche Kritiker, die Molværs Debüt »KHMER« einst euphorisch abgefeiert haben, werden wieder behaupten, sein Digital-Jazz sei nicht mehr zeitgemäß. Diese Kollegen übersehen, dass Molvær eine eigene Sprache jenseits von Miles Davis und Don Cherry gefunden hat. Auch auf »ER« erfindet er sich nicht neu, verfolgt jedoch sein Kontrastspiel aus nervös mäandernden Elektro-Beats und elegischen Trompetenrufen konsequent weiter.

Die Programmierer – DJ Strangefruit, Jan Bang, Knut Sævik – haben noch mehr Raum gewonnen. Raum, den sie mit blubbernden Sequenzen und in der Ambient-Endlosigkeit verhallendem Rhythmik-Flirren füllen. Weiterhin kommt eine forsch agierende Sidsel Endresen und Magne Furuholmen (A-ha) mit einem soft getuptfen Piano zum Zuge. Da muss der Chef selbst nicht mehr viel machen – ein paar heisere Hornstöße, und fertig ist der intellektuelle Jazz-Chillout. (peb)



Siehe auch:
Sidsel Endresen
A-ha

   

Streamer Live
(2004, Sula/Edel NPMCD1P)

Unwirklich wie von einem anderen Planeten klackt und schleift, rattert und rauscht eine mechanische Ur-Maschine. Behutsam und weich begleitet eine Trompete ihren Flug zur Erde. Gemeinsames Eintauchen bis hin zum Meeresgrund, Gleiten durch die surreale Unterwasserwelt, um an einem verlassenen norwegischen Strand an Land gespült zu werden. Kurze Stille. Warm und ruhig pulsiert das Blut, während sich sanft die Trompete zu einem traumgleichen Flug erhebt. »I Wanna Talk To You!«

Nahtlos fügen sich die Mitschnitte zweier Live-Auftritten in Trampere/Finnland und London aneinander, und die kurz auftauchenden Publikumsreaktionen werden nahezu zu einem Teil der Songs. Was für ein Album! (pvs)

   

NP3
(2002, Emarcy/Universal 017.795-2)

Oftmals haben gerade die Jazzer weniger Berührungsängste mit Trendexperimenten als die Rockmusiker. Der von Miles Davis, Don Cherry und Brian Eno inspirierte Molvær zeigte sich bisher besonders mutig bei der Synthese zwischen Ambient Jazz und Club Culture.

Mit seinem dritten und leider etwas konzeptlosen Album »MP3« entwickelt er seine neuartige Jazzbeat-Spielart weiter: Harsche Elektronik-Loops peitschen bei dem auf George W. Bush gemünzten »Axis Of Evil« aus den Boxen, doch schon in »Presence« oder »Nebulizer« friert Molvær diese akustischen Attacken wieder ein und wringt ihre musikalische Essenz mit klagenden, weit ausladenden Trompetentönen aus. (peb)

   

Recoloured – The Remix Album
(2001, ECM/Universal 013.591-2)

Mit »SOLID ETHER« ging Nils-Petter Molvær den Weg von »KHMER« weiter, perfektionierte mit knackigeren Grooves den Dialog von Jazz, Ambient und Breakbeats. Eigentlich logisch, dass er auch die »SOLID ETHER«-Tunes durch einige handverlesene Remixer veredeln ließ.

Die Bearbeitungen gerieten sehr interessant, ebenso spannend ist der Vergleich mit den Originalen – und wie unterschiedlich man mit diesen umgehen kann. Beispiel ist das Titelstück, das bei Joakim Lone nervös-polyrhythmisch über tiefen Bässen pluckert, und bei den Rosenheimern Funkstörung deutlich grooviger kommt. Weitere Höhepunkte Jan Bangs »Dead Indeed«, Deathprods Remix von »Kakonita« und Bill Laswells »Merciful / Ligotage«. Demzufolge fast notwendige Ergänzung zu »SOLID ETHER«. (tjk)

   

Solid Ether
(2000, ECM/Universal 543.365.2)

Mit »SOLID ETHER« setzt Nils-Petter Molvæar fort, was er 1997 auf »KHMER« begonnen hat. Der 1960 auf der Insel Sula geborene Trompeter bildet hier die Schnittmenge aus Jazz in der Nachfolge von Miles Davis und Don Cherry mit Club-Stilistiken wie Drum'n'Bass, Jungle, Breakbeats oder Ambient.

Spacige Sphären-Sounds treffen auf donnernde Dancebeats, fuzzsatte Saitenklänge aus den Händen von Eivind Aarset gehen stimmig mit DJ Dtrangefruits Turntable-Einlagen zusammen; coole Trompeten-Improvisationen verbinden sich organisch mit weitflächigen Keyboard-Layers. In der Summe ergibt das topmodern groovenden E(c)lect(r)ic Jazz. Besonders in Titeln wie »Vilderness 1«, »Kakonita« und »Merciful 1« entwirft Molvær dabei eine kühle Klangästhetik, wie sie in dieser Ausprägung – einerseits sehr rudimentär in ihrer naturbehafteten Archaik, andererseits innovativ und alle Möglichkeiten der Technik ausschöpfend – wirklich nur aus Skandinavien kommen kann. (hake)



Siehe auch:
Frost
Kari Bremnes
Lars Danielsson
Masqualero

   

Khmer – The Remixes
(1998, ECM/Universal 569.493-2)

»KHMER« war nicht nur künstlerisch grandios, sondern auch sensationell erfolgreich, und so entschlossen sich Molvær und ECM, eine Remix-Single zu veröffentlichen – die erste in der langen ECM-Historie.

Nebst »Song Of Sand« als Single-Edit nahmen sich die Elektro-Giganten The Herbalizer (»Platonic Years«), Mental Overdrive (»Tløn«) und Rockers HiFi (»Song Of Sand II«) die Stücke vor und brachten die Originale auf ein anderes Level. Die kargen Molvær-Tunes bekommen einen klaren rhythmischen Unterbau, Trompete und Gitarre werden eingeschleift, und es brizzelt und knistert an allen Ecken und Enden. Löblich, dass die Remixer nicht der Versuchung erliegen, die Stücke bis zur Unkenntlichkeit zu verändern; die Grundstimmungen bleiben erhalten. Sehr spannend, sehr kreativ, ein absolutes Muss als Ergänzung zur Original-Khmer. (tjk)

   

Khmer
(1997, ECM/Universal ECM 1560)

»KHMER« schlug in die Musikwelt ein wie eine Bombe: Selten zuvor gelang eine so traumhafte Kombination aus Jazz und Elektronik, aus Improvisation und Club Grooves. Nils-Petter Molvær lässt seine Trompete karg und kühl über die Beats fließen, rufen und flüstern, dabei erscheint er fast als wiedergeborener Miles Davis.

Allerdings hatte Molvær (der hier auch Bass und Perkussion spielt) auch die entsprechenden Musiker: die Gitarristen Eivind Aarset, Morten Mølster und Roger Ludvigsen verteilen einzelne Töne, kleine Melodiesprengsel und Klänge über die teils spröden, teils unterschwellig brodelnden Beats, die Drummer Rune Arnesen und die beiden Elektronik-Tüftler Ulf W.Ø. Holand und Reidar Skår zusammenbasteln. Seit Miles Davis und Nachfolger Anfang der 70er Jahre gab es kaum eine so spannende, schlüssige Fusion von Jazz mit aktueller Dancefloor-Musik (auch wenn »KHMER« keine solche ist). Ein absoluter Meilenstein, eine der besten und wichtigsten CDs des Jahrzehnts. (tjk)



Siehe auch:
Eivind Aarset
Nils Petter Molvær & Robyn Schulkowsky



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