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Alle Rezensionen zu Spunk
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

Das Wohltemperierte Spunk
(6 CDs, 2013, Rune Grammofon RCD 2140)

Ein Album, das eigentlich eine Karriere abschließen könnte. Aber »Das Wohltemperierte SPUNK« ist überhaupt mehr als nur ein Album. Die 6-CD-Box verbindet Welten und Genres, transzendiert die Idee von Musik als Kunst auf eine umfassendere Ebene, mehr noch als norwegische Musiker das sonst ohnehin tun: High Art (beginnend mit dem Jahrhunderte alten »B-A-C-H«, wie der Titel des Großprojekts unmissverstädnlich klarstellt) und obskure Improvisation, Performance Art und Konzeptkunst, ja, sogar ein Porträt des täglichen Lebens und der Stadt Oslo wurde hier in Musik/Kunst gegossen.

Ein Konzert über einer Note zu schreiben oder zu spielen, ist Herausforderung genug. Die vor fast zwanzig Jahren aus dem akademischen Kontext der Musikhochschule in Trondheim geborenen Spunk beziehen sich hier auf die Tradition des 20. Jahrhunderts von Scelsi und Stockhausen. Aber gleich zwölf Konzerte über jeweils einem Ton (genau: die Zwölfton-Musik) zu improvisieren, selbst das war dem Quartett nicht genug. Jeder dieser Performances gaben sie nur eine einzige Chance, zu einem ganz spezifischen Zeitpunkt — und das dann an zwölf komplett verschiedenen Orten in und um Oslo. Das erste Konzert am 20.01.2001 um 20:01, das zweite am 20.02.2002 um 20:02 und so weiter, bis natürlich im Dezember 2012 der Zyklus beendet wurde, jeweils an einem eigens dafür gewählten Ort, sei es das Dach des architektonisch signifikanten Opernhauses, ein geschäftiges Einkaufszentrum, dessen Laufkundschaft absichtlich nicht auf die experimentelle Musik vorbereitet wurde, oder zwei verschieden klingende Kirchen: Jeder Ort bestimmt das Klangbild der jeweiligen Performance inszenatorisch mit, sorgt für entsprechende Farben, Räume, Nebengeräusche, Offenheit oder Intimität.

Die Musik selbst, mit der rein akustischen Besetzung von Cello, Trompete, Horn und Stimme erzeugt im angeregten Dialog oft einen minimalistisch-meditativen Sog, erinnert teils an das gegenwärtige Drone-Genre, ist aber, Spunk-üblich, natürlich vollkommen improvisiert. Der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht die Kunst. Und zwischen dem komponierten Eindruck und dem meisterhaften Impro-Niveau, das die vier über die vergangenen zwei Jahrzehnte erreicht haben — alle sind auch in unterschiedlichsten Band und Kontexten unterwegs, komponieren für andere — entstand so ein ebenso radikales wie einzigartiges Großwerk der norwegischen Musikgeschichte, das einerseits das 20. Jahrhundert verabschiedet, andererseits aber auch ein Monolith für die Zukunft. (ijb)



Siehe auch:
Maja Solveig Kjelstrup Ratkje
Albratrosh with Lene Grenager & Hild Sofie Tafjord
Hild Sofie Tafjord

 Spunk: Das Wohltemperierte Spunk

   

Light
(DVD, 2010, Rune Grammofon RDV 2112)

Aufgenommen im August 2008 als Auftragswerk zum 40. Geburtstag des Henie Onstad Kunstsenter bei Oslo, soll diese Performance eine Art Kombination aus Klang- und Video-Installation sein, ist de facto aber eher ein Konzert mit vier im Quadrat angeordneten Musikerinnen, zu dem ein paar Videobilder an die Wände projiziert werden. Womöglich erschließt sich der genaue Zusammenhang auf dieser DVD nur nicht so recht. Die Videoprojektionen scheinen weder allzu kraft- noch fantasievoll. Insofern war es womöglich eine sinnvolle Entscheidung, dass der Fokus auf die Dokumentation des Konzertauftritts gelegt wurde. Besitzern von CD-DVD-Kombinationsgeräten empfiehlt sich nach dem ersten Durchlauf das künftige Abspielen auf die reine Tonwiedergabe zu beschränken.

Auf dem Papier handelt es sich bei »LIGHT« um Spunks erstes Livealbum. Da ihre bisherigen vier CDs jedoch ohnehin live (im Studio) aufgenommen werden, besteht der Unterschied vorrangig darin, dass der 40-minütige Auftritt als ein unterbrechungsfreier Track präsentiert wird, was dem üblichen Konzertverlauf von Spunk entspricht. Die vorwiegend stille Musik mäandert und entfaltet sich in kontinuierlichem Fluss, wobei besonders die fragileren Passagen durch feine Details gefangen nehmen. Nur punktuell gibt es rasante, kurze, sich jagende Töne und Geräusche, wenn etwa Lene Grenagers Cello eher nach Drum Machine als nach einem Streichinstrument klingt. Eindringlich. Für denjenigen, der das Quartet bisher nicht im Konzert gesehen hat, wird »LIGHT« höchst spannend sein, da man hier einen sehr guten Einblick bekommt, wie die vier Damen miteinander arbeiten und jedes Stück aus dem Moment heraus entstehen lassen. Jüngste Teilnehmerin des Ensembles ist nebenbei bemerkt Maja Ratkjes jüngere Tochter, die bei dieser Performance noch versteckt im Mutterbauch sichtbar ist. (ijb)



Siehe auch:
mehr Musik vom Henie Onstad Kunstsenter
Slugfield

   

Kantarell
(2009, Rune Grammofon/Cargo RCD 2085)

Puh, was für ein Album. Dafür muss man schon aufgelegt sein. Klar, es sollte einem klar sein, dass jetzt nicht Rondo Veneziano kommt, wenn Maja Ratkje bei den Ausführenden aufgeführt ist. Aber »KANTARELL« hat es selbst für gehobene Maßstäbe in sich.

Bläser, Cello, eine Akrobatikstimme, Elektronik und noch so allerlei – das Damenquartett macht eine Musik, die nach höllisch komplizierten Partituren Neuer Musik klingt, aber trotzdem reine Kollektivimprovisation ist – wenn man so will die musikalische Königsgattung der Klangerzeugung. Die vier verstehen sich auf ihrem vierten Album ohrenscheinlich bestens – und haben ein Level der Kommunikation erreicht, auf dem sie das Bedürfnis haben, leiser zu werden. Krach machen ist einfach. Das Zerstäuben und Zerfasern von Klang, ohne dass das in Beliebigkeit oder Langeweile umschlägt, das ist die Kunst.

Und so kann man sich mit viel Konzentration, möglichst geschlossenen Augen und in einem außer den Lautsprechern klangdichten Raum doch wunderbar in die fremdartige und so seltsam störrische Musik der Norwegerinnen hineinhören. Was sich – wie immer – lohnt. Was aber selten so anstrengend ist. (sep)



Siehe auch:
Fe-Mail

   

Filtered Through Friends
(2002, Rune Grammofon RCD2022)

Spunk luden Freunde ein, ihr Material weiterzuführen, z.B. Jaga Jazzist, Jazzkammer, Kim Hiorthoy oder Aka Isak Anderssen. Eine Platte für jene, die »Noise« eher mit Geräusch als mit Lärm übersetzen würden. (peb)



Siehe auch:
Jagga Jazzist
Phonophani
Lasse Marhaug
Svalsatog

   

Det Eneste Jeg Vet Er At Det Ikke Er En Støvsuger
(1999, Rune Grammofon/Universal RCD2010)

»Das einzige was ich weiß, dies ist kein Staubsauger!« Ein Pippi-Langstrumpf-Zitat. Und man ahnt, dass die vierköpfige Frauencombo Schräges im Schilde führt: Vokalistin Maja Ratkje beruft sich auf Sofia Gubaidulina und Kaija Saariaho. Trompeterin Kristin Andersen ist im experimentellen Jazz beheimatet. Die Cellistin Lene Grenager frönt der Avantgarde und der freien Musik. Und Waldhornspielerin Hild Sofie Tafjord ist Teil des Trondheimer Kunstorchesters.

Entsprechend darf man keine wohlfeilen Melodien, keine eingängigen Liedzeilen erwarten. Vielmehr arbeitet Spunk energisch und hingebungsvoll mit Clustern und dreht uns immer dann eine Nase, wenn wir glauben, nun hätten wir ihre Musik im Griff. (frk)



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