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Alle Rezensionen zu Enrico Pieranunzi, Mads Vinding & Alex Riel
(Genre »Jazz«, Land »Dänemark«)

 

Yesterdays - Mads Vinding Trio live in Copenhagen 1997
(2017, Stunt/Sundance STUCD 17072)

Nachdem »THE KINGDOM WHERE NOBODY DIES« von Mads Vindings (b) Trio mit Enrico Pieranunzi (p) und Alex Riel (dr) 1997 ein großer Erfolg bei Kritik und Publikum war, erstaunt es doch sehr, dass das nicht weniger gelungene, direkt im Anschluss im Kopenhagener Jazzhouse mitgeschnittene Nachfolgealbum zwanzig Jahre lang unter Verschluss gehalten wurde. Zeiten ändern sich, und auch wenn zwanzig Jahre schnell ins Land ziehen, hat sich in diesem Zeitraum die Musik doch sehr verändert. Man denke nur einmal an damals ganz frische jazzverwandte Meilensteine von Nils Petter Molvær (»KHMER«), Roni Size (»NEW FORMS«) oder Bugge Wesseltoft's New Conception of Jazz, und der »Modern Jazz« des Mads Vinding Trios erscheint gleich noch einmal 25 Jahre älter, als er eigentlich ist.

Doppelt passend also, dass diese CD den Titel »YESTERDAYS« (nach Jerome Kerns Song aus dem Jahr 1933) trägt, und umso faszinierender, dass die Kombination der sechs in fernen Zeiten entstandenen Kompositionen trotz allem frisch und spritzig rüberkommt: Standards wie Fats Wallers 1942 geschriebenes »Jitterbug Waltz«, Richard Rodgers' »My Funny Valentine« (1937), »My Foolish Heart« von Victor Young (1949) und »If there is something lovelier than you« von Arthur Schwartz (auf dem Cover wird fälschlicherweise der Kameramann Howard Schwartz als Urheber angegeben, vermutlich weil fürs Musical »Revenge with Music« der Liedtext von Howard Dietz verfasst wurde), dazu Gary Peacocks »Vignette« von seinem 1977 erschienenen ECM-Album »TALES OF ANOTHER«, von ihm selbst erst 2014 für sein spätes Meisterwerk »NOW THIS« im Rainbow Studio in Oslo neu eingespielt - und zu guter letzt eine eigene Nummer von Pieranunzi mit dem passenden Titel »A Nameless Date«. Alle Interpretationen nehmen sich viel Zeit, zwischen 8 und 13 Minuten.

In Dänemark wurde die erste Platte des Mads Vinding Trios 1997 zur »besten Jazzveröffentlichung des Jahres« gekürt und im amerikanischen Jazz Times unter die »Top Five Albums« gewählt, und es wäre nicht verwunderlich, wenn »YESTERDAYS« im Jahr 2017 wieder auf Bestenlisten auftaucht. Erstaunlich ist es dennoch, dass sich ausgerechnet im Jazz, der doch von vielen als vorwärtsdenkend bezeichnet wird, so eine Sehnsucht nach den immer gleichen alten, ja altmodischen, geradezu antiquierten Nummern und Stilen hält. Diese Musik ist sicher zeitlos - und darum von großem Wert - aber man muss auch zugeben, dass sie vor zwanzig Jahren schon altbacken war. Nichtsdestotrotz: Diese 70 Minuten lange Liveaufnahme aus dem Kopenhagen des vergangenen Jahrtausends reißt auch viele Jahre später noch mit, weil die drei Herren einfach voll im Moment sind und jedes noch so alte Stück elegant und virtuos zu ihrem eigenen machen. (lha)



Siehe auch:
Gary Peacock
Mads Vinding & Kjell Harald Langhaug
Alex Riel Trio
Koppel, Gunnarsson, Riel, Andersson

Enrico Pieranunzi, Mads Vinding: Yesterdays - Mads Vinding Trio live in Copenhagen 1997



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