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Alle Rezensionen zu Chrome Hill
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

Earthlings
(2008, Bolage BLGCD007)

Hallo! Erdlinge? Erstaunlich, was da immer mal wieder aus dem norwegischen Jazz-Universum angebraust kommt ... Nach Jahren mit verträumtem, ja manchmal auch esoterischem Elektro-Jazz mögen es die jungen Jungs wieder härter. Laptop-Spielereien waren gestern. Das Quartett Chrome Hill, vormals Damp, mit Wurzeln beim Impro-Kollektiv Jaga Jazzist, beim feinnervigen Klaviertrio In The Country, bei Shining und Elephant9, findet hier einen eigenen, dreckigen »Auf-die-Fresse-und-ins-Hirn-Sound«. Da hört man ein bisschen Ennio Morricones Westernsoundtracks (ein Song heißt denn auch »A Fistful Of Dollars«), ein bisschen Klezmer, vor allem aber Krachrock und Heftigjazz.

Schlingernde Gitarre, Bass, Schlagzeug, ein röhrendes Saxophon sind die Zutaten für eine Musikmischung, die einem mal mit Penetranz und Härte den Kopf freipustet. Genauso so oft breiten die vier Musiker aber epische Melodien aus, üppig orchestriert und mit augenzwinkerndem Pathos aufgeladen, das sich in egoistischen Improvisations-Orgien wie im Song Maelstrom kreischend und rumpelnd wieder auflöst. Die Kompositionen von Asbjørn Lerheim sind dabei ebenso eingängig wie vertrackt. Für Musiker wie Hörer scheint also der Titel des ersten Songs eine Gebrauchsanweisung zu sein: Zanshin! Zanshin! Das Wort stammt aus der japanischen Kampfkunst und bezeichnet einen geistigen Zustand erhöhter Wachsamkeit ... (sep)



Siehe auch:
In The Country
Shining

 Chrome Hill: Earthlings

Offizielle Website

Die CD »Earthlings« war »CD des Monats« im Monat 1 / 2009.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Ich liebe Musik, die fast körperlich anstrengt! Dumpfe Schläge gegen Hirnwände, Lärm als Geisteszustand und verfreakter Jazz als Möglichkeitsform. Toll! Denn wenn Musik als Abbild der Welt einen Kunstanspruch erhebt, dann sind diese Reflektionen ein Zeichen für zerbrochene Strukturen, Wandel und permanente Unsicherheit.
Markus Wiludda

Konsens in unser doch oft so streithaften Runde! Die Truppe um Asbjørn Lerheim, den Burschen mit der Bariton-Gitarre und Komponisten aller neun Songs, macht es uns jedoch allzu leicht: Sie verschweißt Jazz-Intellekt mit Americana und Noise-Rock. Und zwar so, wie das auch John Zorn täte: radikal, alle Fesseln sprengend und äußerst humorvoll!
Peter Bickel

Lasst es raus, Jungs! Denn euer anarchischer Lärm ist ungeheuer kraftvoll und kreativ. Ist wütend und widerborstig, findet sich nicht ab, lässt den Spieltrieb hochleben, jongliert mit allerlei Versatzstücken. Und ist gleichzeitig virtuos. Tut vor allem da weh, wo es wehtun soll. Und streichelt die Seele zwischendurch dort, wo sie besonders gerne gestreichelt werden will. Anstrengend, das. Aber lohnend.
Eva-Maria Vochazer

Ach, ich mag diese Musik, mochte sie schon immer. Dieses beharrliche Anschlagen der Gitarren, das sich so sorgsam Zeit lassende Nachklappern; das dunkle Verhallen, nach und nach. Und dann die Bläser, die nicht auftrumpfen, weil ihnen irgendwas im Hals stecken geblieben ist: Ja, sind wir hier auf einem Trauermarsch? Sind wir - und so passt diese Platte einfach zum Wetter, zur aktuellen Nachrichtenlage.
Frank Keil

Offizielle Website      www.chromehill.no

   

Country of Lost Borders
(2013, Bolage BLGCD020/BLGLP020)

Schnell runtergerockt, etwas stringenter, doch keineswegs mit weniger Elan und Hingabe als auf dem gelobten Vorgänger, schlagen die Junge von Chrome Hill wieder zu. Fünf Jahre sind seit »Earthlings« vergangen, die Band ist sozusagen für alle zum Nebenprojekt geworden. Ein Nebenprojekt allerdings, das bei den vielbeschäftigten Jungs starke Energien freisetzt, und andere Schwerpunkte provoziert als in ihren sonstigen Gruppen (Elephant9, Ballrogg usw.).

Chrome Hill bezeichnen ihr neues Album als »Desert Rock«, und ja, das kann man so stehenlassen. Der Albumtitel deutet das schon an. Eine härtere Gangart als das vage verwandte Projekt Ballrogg, andererseits auch weitaus spannender und mitreißender als Bassist Roger Arntzen zuletzt mit In The Country, zudem reizvoller und melodischer als Drummer Torstein Lofthus und Saxofon-Wizard Jørgen Munkeby mit Shining bzw. Elephant9. Der Wahnsinn von »Earthlings« ist passé, Chrome Hill sind reifer, aber auch ein wenig gemütlicher geworden. (ijb)



Siehe auch:
Jørn Øien Trio
Ballrogg
Håvard Stubø Quartet
Elephant9



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