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Alle Rezensionen zu Fever Ray
(Genre »Beats«, Land »Schweden«)

 

Fever Ray
(2009, Rabid Records/Universal RABID03-9)

Im Schattenreich der Karin Dreijer werden die Lichter ausgeblasen. Es regiert gespenstische Düsternis, die sich beklemmend mit ihren eiskalten Fingern um den Hals schlingt. Nur ein sturer Puls zeugt von Leben. Dann erklingt die Stimme der The Knife-Frontfrau – wie gewohnt so verzerrt und verlangsamt, dass die Vermännlichung einer Entmenschlichung gleichkommt. Und diese entstellte Fratze ist das Einzige, was hier grinst.

Geisterhaft und bedrohlich ist die Grundstimmung, selbst die Texte sind in triefendes Schwarz getüncht: »If I Had A Heart I Could Love You« heißt es im gefühlsdehydrierten Opener. Postnatale Stimmungen verarbeitet Frau Dreijer auf ihrem Solodebüt und nicht nur das: Ihre Vorliebe für die Filmemacher Jarmusch und Lynch ist es, die im Referenzrahmen dieser ungemein eigenen Ästhetik nur allzu schlüssig erscheint. Zwischen all den Effekten und Loops werden so die Abgründe der Seelen zu Tage gebracht. Das geschieht auf eine ebenso simple wie ungemein effektvolle Art: Die Beats pluckern in stoischem Fluss, die Details sind metallisch und schillern aus der Tiefe hervor. Hier und da setzt entrücktes Karibik-Flair eine Duftmarke, bevor das bizarre Experiment wieder in jene ungreifbaren Sphären abtaucht, die jeden Song als düstere Ahnung durchwabern.

Zunächst mag die Wiederholung der stilistischen Mittel und das Fehlen von melodischen Höhepunkten etwas befremden, aber die Eigenart der Songs und deren spezielle Aura sind spannend genug, um späterhin über die volle Distanz zu fesseln. Denn was Fever Ray ausmacht, ist im Baukasten des Gegenwartspop so bisher nicht zu finden. (maw)



Siehe auch:
The Knife

 Fever Ray: Fever Ray

Offizielle Website

Die CD »Fever Ray« war »CD des Monats« im Monat 3 / 2009.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Richtig gute Songs sollten immer beunruhigen. Frau Dreijers Debüt ist auf eine so untergründige Weise verstörend, dass der Boden unter unseren Füßen langsam, aber immer stärker zu schwanken beginnt. Gewissheiten lösen sich auf. Das ist großartig und könnte in seiner intensiven elektronischen Blässe vielleicht sogar Angst machen - wären diese Songs nicht von einer erstaunlich schrecklichen Schhönheit.
Eva-Maria Vochazer

Rational betrachtet ist das sehr gut; die gesamte CD wird nie langweilig, weil auf überraschende Melodien verzichtet wird. Ich will mich darauf aber nicht wirklich emotional einlassen; dafür ist mir diese metallisch-kristalline Schönheit zu kalt. Ähnlich faszinierend wie ein paar Solowerke von Nico. Oder auch geeignet als Soundtrack zu Knut Faldbakkens Endzeit-Roman »Unjahre«, wenn der mal verfilmt wird.
Tim Jonathan Kleinecke

Stimmt, Markus - was für ein tolles, was für ein fieses Album! Es sammelt bedächtig und zielgenau Trostlos-Bausteine von Aphex Twin über Portihead und Radiohead bis Björk - und klingt doch total eigen. Macht auf diese komisch euphorische Art traurig. Und süchtig. Es lebe die »Repeat-All«-Taste!
Sebastian Pantel

Die Videos nicht allein anschauen, warnte Markus. Stimmt, denn danach meint man, ein paar Geisterwesen hätten den Raum betreten. Apokalyptische Musik, bei der man brennende Kadaver, ewig neblig-graue Dämmerung und den Zivilisations-Kollaps vor Augen hat. Ja, zugegeben: Ich steh' auf sowas.
Peter Bickel

Offizielle Website      feverray.com



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