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Alle Rezensionen zu Johanna Juhola
(Genre »Folk«, Land »Finnland«)

 

Fantasiatango 2
(2012, Eigenverlag JJCD 002)

Johanna Juhola ist der Pumuckl der finnischen Folk-Szene: Wie der bayerische Kobold wuselt sie durch Tango und benachbarte Musikstile, ohne sich um Konventionen und Grenzen zu scheren. Ihre Finger flitzen über die Akkordeonknöpfe, als gäbe es kein Morgen. Bei ihrem unerschöpflichen Ideenreichtum und Erfindungsgeist muss für sie eine eigene Überholspur gebaut werden. Dabei begnügt sie sich nicht mit einer Besetzung: Fünf Stücke spielt sie mit ihrem »Reaktori«, also Milla Viljamaa (p), Sara Puljula (b) und Elektroniker Tuomas Norvio. Der ist auch im Trio zugange, dazu noch Gitarrist Roope Aarnio. Bei drei Stücken im Duo mit Norvio erweitert sie ihr Instrumentarium um Claviola, Spielzeugklavier und diverse andere Klangerzeuger.

Das einer Autobahnfahrt gewidmete »Valtatie 1« mit seinen flinkfingrigen Akkordeonlinien ist schon zu Beginn ein absoluter Aufwecker, zwischendrin jagt sie ihre Stimme durch den Vocoder. Toll die Melodien und Synkopierungen in »Huulet Kylmä Kuin Jää«, im »Bipolär Tango« rappt Gast Promoe. Gerade die Sounds von Norvio modernisieren Juholas Musik enorm, sie schafft einen seltenen Spagat zwischen Tango, Folk, elektronischen Klängen und allerlei Skurrilitäten – mal exorbitant virtuos, mal klimperkomisch, mal melancholisch. Aber so ist das halt, wenn man als finnischer Pumuckl durch die Küche der Klänge spukt. Was wohl Meister Eder dazu sagen würde? (tjk)



Siehe auch:
Duo Milla Viljamaa & Johanna Juhola
Troka
Ruuti

Johanna Juhola: Fantasiatango 2

Offizielle Website

Die CD »Fantasiatango 2« war »CD des Monats« im Monat 12 / 2012.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Also lieber Tim, wenn ich Meister Eder wäre, ich täte zu diesen Klängen durch die Werkstatt steppen, bis die Holzspäne nur so stieben. Wunderbar anarchischer Spaß, das!
Eva-Maria Vochazer

Ja, schön geschrieben, Tim, wieder einmal. Anfangs wusste ich nicht, was ich von dieser CD halten soll, aber wenn die Pumucklanarchie übernimmt, bin ich voll von Johanna Juhola eingenommen.
Ingo J. Biermann

Jau, das fetzt und rockt und swingt. Headbang und Tangotanz wahlweise möglich. So lieben wir das!
Sebastian Pantel

Ha, Pumuckl, pah! Als wir damals mit dem Kanu durch Nordnorwegen, und die Bären unsere Hosen geklaut und die Biber die Paddel gefressen hatten, mussten wir mit unseren E-Gitarren paddeln, da hätte man kein Akkordeon brauchen können. Das ist Schlumpfmusik für Trolle!
Leif Haugjord

Offizielle Website      www.johannajuhola.net

   

Diivan Jäljet
(2018, Westpark 87371)

Das Akkordeon von Johanna Juhola ist sofort erkennbar, oder sind es eher ihre Kompositionen? Egal, JJ hat einen ganz eigenen Klang, eine ganz eigene Sprache gefunden. Schon in »Road Assistance« wird das deutlich, wo sie einen glimpflich abgelaufenen Unfall des Bandbus im verschneiten Norwegen mit verschlungenen Melodien vertont. Toll auch, wie im von traditioneller Pelimanni-Musik inspirierten »Tillsammans« die Stimme von Gastsängerin Emma Salokoski die Melodie vom Gastviolinisten Tero Hyväluoma zu Juholas Akkordeon trägt.

Neben den erwähnten Gästen hat sie ihre beiden Bands, das Trio und Reaktori, hier zusammengeführt: Milja Viljamaa brilliert wie üblich am Piano, Sara Puljula am Bass und Roope Arnio an Gitarre und Mandoline tragen ebenso zum groovigen und doch fluffigen Sound bei wie die Elektroniker Tuomas Norvio und Hannu Oskala. Gleich zwei Vokalisten beehren das Titelstück: Tommy Lindgren ist eher auf Rap-Pfaden, richtig umwerfend ist Yona mit herrlichen Melodie- bögen. »Friends Online« ist eine typische Juhola-Komposition mit einer Melodie, die fröhlich zwischen Trab und Galopp changiert und einige Überraschungen bereithält – das macht sie wirklich einzigartig.

Gegen Ende schlägt Johanna Juhola etwas ernstere Töne an, mit komplexeren Strukturen – der finnische Akkordeon-Kobold ist erwachsen geworden, nicht mehr ganz so verspielt wie früher. Aber auch das steht ihr sehr gut! (tjk)



Siehe auch:
Emma Salokoski
Yona
Tero Hyväluoma

   

Fantasiatango
(2010, Texicalli Records TEXCD 106)

Sie bleibt sich treu: Verspielt und ernsthaft geht Johanna Juhola an ihre zweite Solo-CD, knüpft nahtlos an den Vorgänger »MIETTE« an. Auch hier ist der Schauplatz der Rummelplatz (oder Kirmes), und statt Geisterbahn gibt’s Tango – nicht ausschließlich, versteht sich.

Sie spielt entweder mit ihrer Band Reaktori (Sara Puljula – b, Pekka Kuusisto – vi, Tuomas Norvio – electronics und Milla Viljamaa – p), ihrem Trio (Norvio und Roope Aarnio – g) oder mit Norvio allein, wobei sie dann neben Akkordeon noch alles mögliche andere klingen und klimpern lässt. Das hat Phantasie, Witz und Klasse, und obwohl sie sich sehr mit Details beschäftigt, lässt sie nie das große Ganze aus den Augen. Und ihr Akkordeon auch nicht, das beherrscht sie schließlich meisterhaft. (tjk)



Siehe auch:
Trio Töykeät

   

Miette
(2009, Texicalli Records TEXCD 070)

Ein Flusspferd in Finnland? In einem Paasilinna-Roman kann man sich das lebhaft vorstellen, aber auch wenn man den Opener von Johanna Juholas erster Solo-CD hört: »Hippo« beginnt mit einer tapsigen Tuba, umtänzelt von Juholas Akkordeon. Ähnlich phantasievoll geraten ihre übrigen Stücke, auch deren Titel sind treffend. »Painajainen Leikkikentällä« vertont einen Albtraum auf dem Spielplatz, wunderschön hingegen die Melodien von »Hyvät Aikeet« und »Pajamäki«.

Sehr fleißig ist Johanna Juhola, studierte an der Sibelius-Akademie und spielt in vielen Formationen mit. Sehr virtuos am Akkordeon, als Komponistin ist sie ähnlich hoch zu schätzen. Ein wenig Tradition und viele Einflüsse von überall verschmelzen in ihren Stücken zu moderner akustischer Musik voller Gefühl, Kraft und Leidenschaft – ihr Herz schlägt hörbar für den Tango. Die detailverliebten Arrangements werden u.a. gespielt von Milla Viljamaa, Pekka Kuusisto und Topi Korhonen. Besonders hervorzuheben ist Verneri Lumi an diversen Elektronics, womit Johanna Juhola sich ganz noch vorne katapultiert. (tjk)



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