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Alle Rezensionen zu Rolf Lislevand
(Genre »Klassik«, Land »Norwegen«)

 

Diminuito
(2009, ECM/Universal 476 3317)

Der Lautenist Rolf Lislevand und sein Ensemble haben’s, anders als viele knöcherne Alte-Musik-Dogmatiker, verstanden. Und zwar, dass der Jazz viel älter ist, als das im Allgemeinen angenommen wird. Damals, im 16. Jahrhundert hieß er zwar noch nicht so. Aber improvisiert haben sie damals schon, mindestens ebenso lustvoll und fetzig, virtuos, tieftraurig versunken und dreist fröhlich wie vierhundert Jahre später. Und multikulti waren sie damals sowieso.

Lislevand lässt also bei sich und seinen Mitstreitern den Weltmusik-Jazzer raus – und spielt Renaissance-Musik aus dem alten Italien so frisch und aus dem Moment heraus, wie es damals sicher auch üblich war. Verziert (akademisch korrekt übrigens, für alle, die da meckern wollen würden) und umschlingert die Melodien mit Ornamenten, die ungeahnt orientalisch klingen.

Die üppige Besetzung mit vielen tiefen Instrumenten, Rasseln und Klappern, Trommeln, Orgel (aus der auch mal ein lässiger Wanderbass wird) und Stimme macht aus der CD ein sattes Klangbad, in dem man zwar mit alten Wassern gewaschen wird, aber dafür umso frischer draus hervortaucht. Keine Frage nach Technik übrigens – wer die ganz eigenen, hinterhältigen Tücken alter Instrumente kennt weiß, was für eine Kunst es ist, darauf so überlegen und entspannt zu musizieren wie Lislevand und seine – tja – naja – Band. Oder wie man das früher genannt hat. (mku)



Siehe auch:
Elisabeth Holmertz & Fredrik Bock
Anna Maria Friman
Giovanna Pessi & Marco Ambrosini

Rolf Lislevand: Diminuito

Die CD »Diminuito« war »CD des Monats« im Monat 11 / 2009.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Völlig d'accord, Sebastian! Zu dieser Lautenmusik kann man geradezu grooven, steppen, jammen, und äähm, fast schon leicht abrocken! Souverän und superlebendig, virtuos und verspielt kommen Lisveland und sein Ensemble – bestehend vor allem aus Norwegern und Italienern – daher: von alten Zöpfen keine Spur!
Eva-Maria Vochazer

Noch was zu den Personalia: Der Osloer Rolf Lislevand ist Professor für Laute und historische Aufführungspraxis an der Musikhochschule Trossingen. Außerdem mit im Team: Jazz-Bassist Bjørn Kjellmyr (Rypdal, Molvær) sowie die Sopranistinnen Linn Andrea Fuglseth und Anna Maria Frimandas vom Trio Mediaeval. Musste noch gesagt werden.
Leif Haugjord

Eigentlich kann man mich mit Renaissance-Musik in eine Punk-Garage jagen (umgekehrt freilich auch...), aber hier kann ich auch nur sagen: Hut ab! Nicht nur enorm spannend, wie Lislevand das Vorgestern ins Heute transferiert, sondern auch richtig erfrischend, und auch ich tänzele durch die Wohnung.
Tim Jonathan Kleinecke

Keine verstaubten Interpretationen, keine knöcherne Ehrfurcht oder belehrende Renaissance Dogmatik: Dank des inspirierten und virtuosen Zusammenspiels – auch wenn Sebastian meint, die sind nicht immer »ganz zusammen« – passt diese ganz alte »Neue Musik« zu jeder Tageszeit.
Peter Bickel

 

La Mascarade
(2016, ECM/Universal ECM New Series 2288)

»Die Maskerade« nennt er seine neue ECM-CD – ausgerechnet, ist man geneigt zu schmunzeln. Rolf Lislevand erläutert seine Wahl zwar poetisch und schlüssig im ausführlichen Essay (auch »Liner Notes« genannt) im Beiheft, doch eine weniger verschleierte, eine purere Musik haben wir von dem Norweger bislang nicht zu hören bekommen. Mit seinem brillanten ECM-Debüt vor zehn Jahren bekannte er sich noch zur »NUOVE MUSICHE«, nun liegt der Fokus auf zwei wahrlich alten, allenfalls Spezialisten bekannten Komponisten aus dem 17. Jahrhundert vom Hofe des »Sonnenkönigs« Louis XIV.

18 zumeist kurze Stücke, zu gleichen Teilen von Robert de Visée (ca.1655-1733) und Francesco Corbetta (ca.1615-1681) präsentiert Lislevand im steten Wechsel auf der dunkel gestimmten Theorbe (der »Königin der Lauten«) und der helleren, fünfsaitigen Barockgitarre. Treffend beschreibt er die Gegenüberstellung der Instrumente als musikalischen Chiaroscuro-Effekt, als eine akustische Spannung von Helligkeit und Dunkelheit. Wer die Ohren spitzt und genau hinhört – was ein wenig Einfühlungsvermögen erfordert –, kann hier geradezu haptisch erleben, wie »neu« diese Musik damals wohl gewesen sein muss. Lislevand lädt ein zu einer sensiblen Spurensuche in der Musikgeschichte und zeigt so auch, wo seine geistigen Wurzeln liegen. »LA MASCARADE« bildet somit ein hervorragendes Gegenüber zum 2015 veröffentlichten, allerdings zweieinhalb Jahre nach dieser CD aufgenommenen Jazz-BigBand-trifft-Renaissance-Album »TOURDION« mit dem Bjergsted Jazz Ensemble. Diesmal nun bietet Lislevand keinen Jazz, kein Ensemble, nur karge, latent introspektive kammermusikalische Poesie ohne mystische Sentimentalität, aber mit ein wenig Improvisation.

Womöglich gibt es derzeit keinen besseren Musiker für eine solche Zeitreise als den 1961 geborenen Rolf Lislevand. Das Klangbild ist für diese Jahrhunderte übergreifende Dichtung angemessen exzellent und von großer Klarheit, spricht den einzelnen Zuhörer direkt an, physisch nah und sehr intim. (ijb)



Siehe auch:
Rolf Lislevand & Bjergsted Jazz Ensemble

Rolf Lislevand: La Mascarade



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