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Alle Rezensionen zu Mats Eilertsen
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Rubicon
(2016, ECM/Universal ECM 2469 | 477 4315)

Mats Eilertsen, 1975 in Trondheim geboren, ist im Œuvre von ECM seit zwölf Jahren (seit Jacob Youngs »Evening Falls«) und nun ebenso vielen CD-Auftritten eine verlässliche Größe; man kennt ihn aus The Source, Parish und den Bands von Tord Gustavsen, Nils Økland, Mathias Eick und Wolfert Brederode. Als Sideman begeisterte der viel beschäftigte Bassist darüber hinaus zuverlässig in den Trios von Vigleik Storaas, Mark Solborg, Håkon Kornstad oder Alexi Tuomarila. Gemeinsam mit dem ebenfalls ausgestiegenen Arve Henriksen zählte er in den sperrigeren Anfangsjahren (1999 bis 2004) zudem zum Quartett Food.

Dass Eilertsen unter eigenem Namen eine Reihe ebenso bemerkenswerter wie unterschiedlicher Jazzplatten veröffentlicht hat, hat sich hingegen nicht ganz so herumgesprochen. Bereits auf den beiden ersten, »Turanga« (2004) und »Flux« (2006), im Quartett mit Ernst Reijseger und den Parish-Kollegen Thomas Strønen und Fredrik Ljungkvist, präsentierte sich Eilertsen als souveräner Bandleader und prägnanter Jazzautor mit eigener Stimme. Einige eher ruhige, selbst produzierte Alben später, von denen fünf Andreas Meland via Hubro herausbrachte, tritt der Norweger nun erstmals mit einem eigenen Album unter Manfred Eichers stilsicherer Produktion in Erscheinung. Und wie sein langjähriger musikalischer Partner Thomas Strønen zuletzt mit »Time is a blind Guide« (oder auch ähnliche Projekte von Eyolf Dale, Christian Wallumrød und Iro Haarla) wählte Eilertsen für »RUBICON« die Form eines kammermusikalisch gefärbten Ensembles, in dem er einige Musiker zusammenbringt, mit denen er seit (mehr als) 15 Jahren spielt.

Wie bereits frühere Projekte Eilertsens zeigten, schreibt der Bassist weniger für sich selbst als für unterschiedliche Unterbesetzungen im Septett, das neben den Saxofonisten Trygve Seim und Eirik Hegdal (auch Klarinette) und Wahlnorweger Rob Waring an Vibrafon und Marimba (wie zuletzt bei Eyolf Dale) durch seine SkyDive-Partner Thomas T Dahl (Gitarre) und Olavi Louhivuori (Schlagzeug) sowie aus seinem anderen Trio Pianist Harmen Fraanje vervollständigt wird. Die Stücke entstanden ursprünglich im Auftrag des VossaJazz-Festivals im April 2014, wurden im Rainbow Studio in Oslo, freilich unter der Leitung Eichers in diese verdichtete Albumform gebracht. »RUBICON« ist wieder eine Spur rauer und kantiger als zuletzt die sanften Hubro-Alben, doch die introspektive Qualität der persönlichen Kompositionen täuscht etwas über ihre Komplexität und die reizvollen erzählerischen Bögen hinweg. Das Spiel der Musiker ist sehr luftig, geradezu schwebend, wie ein atmender Organismus. Zwar fasziniert, mit welchem Abwechslungsreichtum und welch ungewöhnlichen Einfällen die farbenreichen Arrangements ausgestaltet wurden, doch bleibt ein durchweg klarer Fokus präsent – der auch das warme Klangbild betrifft. (ijb)



Siehe auch:
Trygve Seim
Eirik Hegdal mit Trondheim Sinfonietta
Nils Økland Band
Rob Waring mit Eyolf Dale

Mats Eilertsen: Rubicon

Offizielle Website

Offizielle Website      www.matseilertsen.com

   

Skydive
(2011, Hubro HUBROCD2507)

Auch hier, wie bei »ELEGY«, legt Mats Eilertsen mit vier Kollegen, darunter Pianist Alexi Tuomarila, sehr gepflegten Jazz vor. Wie man das so kennt: Ein eingängiges Thema, virtuos-lässige Improviationen, die zurückgelehnt und wie mit Sonnenbrille gespielt klingen. Nochmal das Thema, nächster Song.

Das Ganze ist perfekt zusammengebaut, Handwerksjazz auf ganz hohem Niveau. Doch den hat man so oder so ähnlich schon derart oft gehört, bei Früh- und Spätschoppen, in Kneipen und Bars, kleinen Jazzclubs und auf publikumsorientierten Festivals, dass man sich schon fragt: Warum die jetzt auch noch? Ist das nicht ein bisschen arg selbstgenügsam? Unter solch wunderweicher Berieselung sehnt man sich dann doch dann und wann nach den Anstrengungen von »RADIO YONDER« (s.u.). (sep)



Siehe auch:
Skydive Trio
Alexi Tuomarila Quartet
The Source
Parish

   

Radio Yonder
(2010, Hubro/Grappa HUBROCD2501)

Nicht gerade was für den ausgeglichenen Sonntag Nachmittag, diese CD. Bassist Eilertsen – bisher u.a. tätig für Solveig Slettahjell, Food, Jacob Young, Tord Gustavsen und vielen vielen mehr – sowie seine Band machen ganz schön Krach auf dieser CD, wohlorganisiert natürlich, aber auch immer mit einer Spur Aggression, die auf Dauer ein bisschen anstrengend ist. Tore Brunborgs Saxophon, massiv aufgeraut, tut sein Übriges. Dabei ist, keine Frage, Eilertsens neues Quartett ein extrem dynamisches, spielwütiges Musiker-Quadrat. Alle vier musizieren gleichberechtigt, keiner lässt sich in den Hintergrund drängen. In den starken Momenten entsteht daraus ein Vierfach-Schub, der dann die lyrischen Momente und Melodien wie auf einer Superwelle nach vorn spült.

Das geht allerdings nicht immer gut. Manchmal verhaken sich die Spielenergieströme auch ineinander, dann entstehen Wirbel und Strudel, aus denen es anstrengend ist wieder herauszufinden. Also: anspruchsvoller Jazz mit Anstrengungspotential. Nicht das Schlechteste, aber zu Wurst und Bier besser passend als zu Kaffee und Kuchen. (sep)



Siehe auch:
Mats Eilertsen Trio
Tord Gustavsen Quartet
Food
Jacob Young

   

Short Stories
(2007, AIMrecords AIMCD120)

Auf den ersten Blick ein Trio mit Frode Haltli am Akkordeon und Torbjørn Dyrud an der Kirchenorgel, erweist sich Mats Eilertsens drittes Album unter eigenem Namen als höchst ungewöhnliche Jazzplatte aus 13 Solos. Zum größten Teil sind dies, naheliegender Weise, Kontrabass-Stücke von und mit Eilertsen. »Kurzgeschichten« wohl auch deshalb (aber nicht nur), da es sich hierbei um relativ kurze (zwischen knapp zwei und vier Minuten lange) poetische Etüden handelt. Auch die beiden Stücke für Akkordeon schrieb Eilertsen, Dyrud wiederum steuerte drei eigene bei. Deren andächtige und feierliche Stimmungen wechseln sich stetig mit den unruhigen, introspektiven, teils fragmentarischen Jazz-Bass-Studien ab.

Besonders und ein wenig überraschend ist auch, dass sich dieses spartanische und von Lars Ellings Cover-Malerei sehr treffend eingerahmte dunkle Album gar nicht so spröde anfühlt, wie man nach obiger Einleitung erwarten würde. Haltlis eröffnendes »Preludium« führt fast zwangsläufig zu Eilertsens Lesart von Hanns Eislers »To The Little Radio«, welches ganz am Ende in einer weiteren Version diese »SHORT STORIES« beschließt, dann im einzigen Trio dieser CD. So zart es sich zur Melodie aufschwingt, so fragmentarisch bleibt es doch. Es endet abrupt - und hinterlässt uns mit dem starken Gefühl, dass wir gerade etwas ganz Außergewöhnliches, Unvergleichliches zu Gehör bekamen. (ijb)



Siehe auch:
Vigleik Storaas Trio
Frode Haltli
Mark Solborg Trio
Alexi Tuomarila Trio

   

"Flux"
(2005, AIMrecords/Musikkoperatørene AIMCD123)

Nach »TURANGA« lockerten Reijseger, Ljungkvist, Strønen und Eilertsen ihren Ansatz und ihre Arbeitsweise in verschiedener Hinsicht für ihr zweites gemeinsames Album. Die an zwei Tagen im September 2006 mit Audun Strype in der Osloer Kampen-Kirche aufgezeichneten Improvisationen wurden zu ähnlichen Anteilen von allen Bandmitgliedern beigesteuert, und so scheint der Leader Eilertsen noch mehr als vormals im Ensemble aufzugehen.

Und was von Anfang an überrascht und begeistert, ist die stilistische Neuerfindung, die »"FLUX"« gegenüber »TURANGA« auszeichnet. Obgleich er, anders als beim Vorgänger, hier nicht mit Percussions, sondern nur mit »drums and bells« verzeichnet ist, prägt Thomas Strønen mit seinem spannend assoziativen Schlagzeugspiel von Anfang an, natürlich mit Eilertsens fintenreichem Bass, die aparten rhythmischen Strukturen dieses Albums. Weniger extrovertiert und von vorwiegend vertrackterer Stimmung als »TURANGA« durchzogen überzeugt der Zweitling dennoch mit der gleichen Spielfreude und optimistischen Energie. Schade, dass das Quartett nur zwei Alben festgehalten wurde. Man hätte doch zu gerne erlebt, wie die vier weiter die Grenzen von Modern-Jazz-Stilmitteln und geografischen Einflüssen erforscht und bereichert hätten... (ijb)



Siehe auch:
Fredrik Ljungkvist mit Anders Jormin
Tone Åse & Thomas Strønen
Hildegunn Øiseth
Maria Kannegaard & Thomas Strønen

   

Turanga
(2004, AIMrecords/Musikkoperatørene AIMCD108)

Bevor Mats Eilertsen ausgerechnet beim vorwiegend auf unangepasste, neue Entwicklungen norwegischer (vom Jazz ausgehender) Stilkreuzungen fokussierten Label Hubro zuvorkommend ausgeübte Platten ganz in der MOR-Tradition des »Modern Jazz« veröffentlichte, überzeugte er mit einer Reihe kantenreicherer und zugleich melodisch raffinierter Alben über AIM records.

Im Quartett mit dem stets faszinierend ungreifbaren Cellisten Ernst Reijseger, dem hier oftmals für östliche, südasiatische Färbungen sorgenden Saxofonisten und Klarinettisten Fredrik Ljungkvist (sonst etwa im wilden Jazzrock-Quintett Atomic aktiv) und dem kurz darauf mit Humcrush ganz neue Gefilde von Jazz und Elektronik erforschenden Schlagwerkkünstlers Thomas Strønen gelangt dem Bassisten eine anspruchsvolle und einiges versprechende Debüt-CD mit 12 unablässig frischen Stücken. Intelligente, fiebrig intuitive und ohne Pause inspirierende, weil freiheitsliebende Jazz-Tunes. (ijb)



Siehe auch:
Atomic
Fredrik Ljungkvist & Yun Kan 5
Humcrush
Thomas Strønen



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