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Alle Rezensionen zu Lindha Kallerdahl, Karl Seglem, Andreas Ulvo, Jonas Howden Sjövaag, Sigurd Hole Skoddeheim
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Skoddeheimen
(2010, Norcd NORCD0988)

Wieviele Bands haben nicht schon »Musik gegen das Vergessen gemacht«. Karl Seglem und seine Projektband nun machen Musik über das Vergessen. Hintergrund: Gedichte von Ola Hunderi und die Bilder von dessen alzheimerkranker Frau Inger Anne. Texte, Bilder und das Buch werden als zusammengehörende künstlerische Einheit veröffentlicht.

Seglem ist beim Komponieren zum Glück nicht in die üblichen Fallen getappt, die entlang schwerer, existenzieller Themen wie diesem lauern: Gefühligen Kitsch zu produzieren oder sklavisch an der Wortvorlage entlang Töne zu setzen. Vielmehr tut er, was er als eine der ganz zentralen Figuren des norwegischen Jazz immer tut: Er verbindet die erdigen Klänge seines Bockshorns mit Klangbastelei und klassischen Jazzelementen, und erreicht so Erdigkeit und Ehrlichkeit, die aber immer wieder mal ins Sphärische abdriftet.

»Nebelheim« könnte man den Titel der CD übersetzen, die den Weg eines Menschen ins Vergessen nachzeichnet. Das klingt mal zärtlich und wunderschön – getragen von Liebe. Und dann wieder, vor allem von Lindha Kallerdahl ihre typische, stählerne Schärfe in die Stimme legt, fast unerträglich schmerzhaft. Zwischen diesen Extremen pendeln auch die Titel: Hell und Dunkel. Schrei. Walzer. Wolken. Nebel. Roter Abend.

Mit diesem Projekt, weil es so ernsthaft, so einfach und so wahr ist, so tieftraurig und doch bejahend, wird aus einer Musik über das Vergessen – eine Musik gegen das Vergessen. (sep)



Siehe auch:
Karl Seglem
Lindha Kallerdahl
Eple Trio

Lindha Kallerdahl: Skoddeheimen

Die CD »Skoddeheimen« war »CD des Monats« im Monat 4 / 2010.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Seh ich auch so! Eine richtige, eine wichtige CD ist das, eine, die man (sorry!) nicht so schnell vergessen wird. Seglem selbst kommt mit dem Eple Trio dem Jazz immer näher, Lindha Kallerdahl ist so sperrig wie gewohnt. Diese Kombination ist obendrein eine Überraschung, und gelungen ist sie auch, bei allen Brüchen.
Tim Jonathan Kleinecke

Worüber sollte ich nochmal schreiben? Tschuldigung - dieses Thema reizt zum Witzeln, obwohl es ein sehr tragisches ist. Seglem – er hat im Wesentlichen die Stücke geschrieben – und Co. gelingt es, was er selbst für kaum möglich hält: eine noch lange nachwirkende Beschäftigung mit der Alzheimer-Krankheit.
Leif Haugjord

Als ich diese Aufnahme zur CD des Monats vorschlug, wusste ich nichts von der Thematik, denn ich hatte mich noch nicht in das Booklet vertieft. Doch packend, berührend und hoch emotional empfand ich sie trotzdem. Es scheint einfach tief in der Musik drinzustecken, diese Ambivalenz von Ernst und Heiterkeit, von Trauer und Sonne.
Peter Bickel

Von schmerzhafter, aber behutsamer Intensität. Ja, Sebastian, das ist tieftraurig und trotzdem bejahend. Bringt zum Nachdenken, aber enfaltet dennoch eine schwebende Leichtigkeit. Jazz-Fremdler, springt über Eure Schatten! Lasst Euch ein auf diese sperrigen und trotzdem zugänglichen Nachsinnereien über ein grundlegendes Thema!
Eva-Maria Vochazer



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