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Alle Rezensionen zu Trondheim Jazz Orchestra (TJO) & ...
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Øyvind Brække: Migrations
(2011, MNJ Records/Musikklosen AS mnjcd012)

Die jüngste in der langen Reihe von Zusammenarbeiten des Trondheim Jazz Orchestra mit vorwiegend (noch) jungen, aber bereits ziemlich renommierten norwegischen Jazzstars ist wieder mal ein krasser Gegensatz zum Vorgänger »Stems and Cages«. Unterschiedlicher sind Veröffentlichungen eines Ensembles kaum vorstellbar (...warten wir gespannt aufs Ergebnis von Stian Westerhus' Commission 2011...). Doch haben die beiden Ensembles praktisch gar kein Personal gemeinsam; das Label TJO ist vielmehr eine offene, wandelbare Form. Bei Øyvind Brække und seinem Dirigenten Erlend Skomsvoll, der auch Piano und Rhodes spielt, treten unter anderem Hedvig Mollestad Thomassen an der E-Gitarre auf, die Blechbläser Eirik Hegdal, Per Zanussi, Klaus Holm, Tore Brunborg und am Schlagzeug Thomas Strønen, obwohl diesmal ohne Live-Elektronik musizierend, kommt sein typischer, nervös-sprunghafter Stil immer wieder durch.

Eine Big Band hat Brække um sich geschart, die sich sehen (und hören) lassen kann, mit 18 teils sehr gegensätzlichen Mitgliedern. Sperrig, hakenschlagend und hochkomplex - und stilistisch schwer festzunageln ist entsprechend das Ergebnis, mit subtilen Einflüssen aus dem Mittleren Osten. Schließlich erarbeitete Brække, was in der Jazzmusik ja eher selten der Fall ist, ein ambitioniertes Konzeptalbum zu den Menschen hinter dem tausenfach gebrauchten Schlagwort Migration. Doch trotz zweier Sängerinnen (Kirsti Huke und Eldbjørg Raknes) kommt das Politische mehr durch die schwer zu greifende Form als durch textliche Inhalte herein. Und das soll ja auch so sein. (ijb)



Siehe auch:
Øyvind Brække, Trygve Seim, Per Oddvar Johansen
Kirsti Huke, Tore Brunborg
Erlend Skomsvoll & Øystein Baadsvik
Eldbjørg Raknes

 Trondheim Jazz Orchestra (TJO): Øyvind Brække: Migrations

Offizielle Website

Offizielle Website      www.trondheimjazzorchestra.no

 

Kim Myhr: Stems & Cages
(2010, MNJ Records MNJCD008)

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen - Der Gitarrist Kim Myhr hat sie wirklich alle um sich versammelt für seine TJO-Commission im Juli 2009, ein superbes Ensemble sondergleichen: seine Partner aus dem Trio Mural, Jim Denley und Ingar Zach, Vertex' Tor Haugerud, Kari Rønnekleiv, Michael Duch, Christian Wallumrød, Klaus Holm (Ballrogg etc.), Espen Reinertsen, Eivind Lønning und Martin Taxt (Koboku Senjû) und, last but defintely not least: Sidsel Endresen. Doch erwarten sie kein Bigbandspektakel! Krach und Lautstärke kommen hier nur sehr punktuell und gewählt zum Einsatz.

Das traditionell beim Molde International Jazz Festival als Live-Performance erarbeitete und aufgenommene Konzert beeindruckt durch sehr viel Stille und außerordentliche Beschränkung aufs Wesentliche. Kaum einmal erahnt man, dass hier dreizehn Leute auf der Bühne beschäftigt waren. Insofern ist »STEMS AND CAGES« natürlich der angemessene Kulminationspunkt der einzelnen Bands der oben erwähnten Musiker. Man höre nur Wallumrøds sensible ECM-Trio-CDs, den herben Minimalismus von Mural, die abstrakten Endresen-Performances, die flirrende Geräuschwelt von Sofa Music oder Rønnekleivs grenzgängerische Streicheralben. All das findet man hier wieder, doch niemals konfus oder überladen, sondern in höchster Konzentration. Alle Achtung! (ijb)



Siehe auch:
Mural
Vertex
Ingar Zach
Michael Duch

 Trondheim Jazz Orchestra (TJO): Kim Myhr: Stems & Cages

Offizielle Website

Offizielle Website      www.trondheimjazzorchestra.no

 

Kobert: Trondheim Jazz Orchestra & Kobert
(2009, MNJ Records/Musikklosen AS MNJCD007)

Nach dem Achtungserfolg ihres Debüts »GLOWING« (2006) bekamen Kobert 2007 die großzügig unterstützte Chance, ein Werk für das Trondheim Jazz Orchestra zu schreiben, das 2008 im 16-köpfigen Ensemble beim Molde Jazz Festival aufgeführt und von NRK im Radio übertragen wurde. Für die Aufnahme im Studio im Januar 2009 durfte Produzent Kåre Vestrheim die über 80 Minuten lange Konzertversion auf ein kompakteres CD-Format verdichten. Beide Fassungen bleiben unbetitelt und verhalten sich zueinander wie zweieiige Zwillinge.

Faszinierend, wie die zur einen Hälfte von Ingrid Lode, zur anderen von Daniel Formo komponierten Stücke durch die klug ausgewählte und überragend spielende Jazzbesetzung den Kosmos von Koberts Avant-Pop ergänzt und zu einer oft neuartigen Genrekreuzung ausweitet. Elektronik kommt pointiert zum Einsatz - Anita Kaasbøll, Petter Vågan und Øyvind Brandtsegg gestalten reizvolle Übergänge - dazu Bläser ohne Ende (drei Saxofone, zwei Trompeter, Posaune, Klarinette), zwei Cellistinnen, Vibrafon, Gitarre, Keyboards, Schlagzeug und drei Sängerinnen (Sissel Vera Pettersen und Heidi Skjerve unterstützen Ingrid Lode)... Kontraste sind an der Tagesordnung: vom Melodisch-Lyrischen zum exzentrischen Krach-Klimax, von elegischen Liedern mit neuen Adaptionen von Emily-Dickinson-Gedichten zu mitreißendem BigBand-Sound oder frickeligen Elektronikpassagen; Kobert stellen alles nebeneinander, verkreuzen Stile miteinander, loten Dynamik und Volumen aus wie es selten der Fall ist in diesem Genre, das sich Jazz nennt. (ijb)



Siehe auch:
Kobert
Hayden Powell
Erik Johannessen
Tor Haugerud / BOL

 Trondheim Jazz Orchestra (TJO): Kobert: Trondheim Jazz Orchestra & Kobert

Offizielle Website

Offizielle Website      www.trondheimjazzorchestra.no

 

Christian Wallumrød: Untitled Arpeggios and Pulses
(2015, Hubro/Grappa HUBROCD2566)

Eine neue Folge der Auftragswerke des Trondheim Jazz Orchestra, die auf Einladung von etablierten Charakterköpfen des (zumeist norwegischen) Jazz komponiert werden. Bislang fanden sich diese zuverlässig spannenden Alben in steter Regelmäßigkeit auf dem Hauslabel des Midtnorsk Jazzsenter, doch nun treffen wir das TJO bei Hubro, vielleicht weil Christian Wallumrød dort unlängst mit seinem späten Solodebüt, einem experimentellen Pianoalbum, in Erscheinung trat. Nach seiner langen, verdienten Historie auf ECM, zuletzt mit dem brillanten, überraschend, aber zu Recht mit dem Spellemannpreis ausgezeichneten Ensemblewerk »Outstairs«, hätte man eine solche Tentett-CD wohl am ehesten bei Eichers Label erwartet.

Aber alles nicht der Fall. Wer in freudiger Erwartung eines weiteren feingliedrigen Jazzalbums in der Wallumrød-Diskografie zu dieser Hubro-Scheibe greift, wird Augen Ohren machen. Unter dem seltsam generischen Titel »Untitled Arpeggios and Pulses« wird eine knapp 50-minütige, sperrige Anti-Jazz-Suite in vier »Parts« geboten. Dem ersten Teil, der praktisch nur aus zunehmend enervierend repetitiven, minimalistischen Pianofiguren vor Kühlschrankbrummen-Crescendo besteht, folgen ausufernde Geräuschwelten. Allenfalls wohlmeinende Avantgardefreunde werden hier noch Elemente, ach was: Rückstände (wie nach einem Zersetzungsvorgang) von Jazz finden und sich daran erfreuen können. Kim Myhrs TJO-Werk »Stems & Cages« fünf Jahre zuvor nimmt sich dagegen wie reinster Schönklang aus.

Also: Ein gutes Nervenkostüm mitbringen, wenn Wallumrød Freunde und Kollegen dazu verführt, ihre Instrumente zu einer Art Kammersinfonie für »Piano Minimal« und Noise-Musik zu verzwirbeln! Einige von ihnen kennen wir schon lange für derartige Faxen, etwa Gitarrist Ivar Grydeland, Kontrabassist Michael Duch oder die beiden Streifenjunko-Jungs Reinertsen und Lønning. In dieser Kombination überraschen jedoch alle noch einmal mit drastischer Atonalität, in deren Zentrum (fast) allein die beiden Klaviere (Wallumrød und Anja Lauvdal) für gemütliche Töne sorgen dürfen. Im Anschluss genießt man die Ruhe einer schönen Jazzballaden-Platte von John Coltrane umso mehr. (ijb)



Siehe auch:
Christian Wallumrød Ensemble
Christian Wallumrød Trio
Christian Wallrumrød solo
Ivar Grydeland

 Trondheim Jazz Orchestra (TJO): Christian Wallumrød: Untitled Arpeggios and Pulses

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Offizielle Website      www.trondheimjazzorchestra.no

 

Kim Myhr & Jenny Hval: In The End His Voice Will Be The Sound Of Paper
(2016, Hubro/Grappa HUBROCD2569 / CD/2LP)

Schon bald nach seiner vorzüglichen CD mit dem Trondheim Jazz Orchester, »Stems & Cages«, die 2010 auf dem quasi hauseigenen Label Midtnorsk Jazz Records veröffentlicht wurde, bekam Kim Myhr das Angebot einer zweiten Zusammenarbeit, zur Premiere im September 2012 beim Ultima Festival für zeitgenössische Musik. Da er schon länger mit Jenny Hval zusammenarbeiten wollte, ergriff Myhr die Chance, das Nachfolgewerk mit ihr gemeinsam auszuarbeiten. 2015 wurde schließlich diese CD-Version aufgenommen, die dann, wie Christian Wallumrøds Auftragsarbeit für das TJO, bei Hubro erschien.

Im Prinzip kann man festhalten, dass »In The End His Voice Will Be The Sound Of Paper« nicht mehr oder weniger sperrig und hermetisch ausgefallen ist als »Stems & Cages« (und der etwas unpassende, von Bob Dylan inspirierte Titel); gleich mehrere der hervorragenden Musiker vom Vorgängerprojekt sind wieder mit dabei. Die untrennbare Vermischung von Improvisation und Komposition zeichnet auch diese CD aus, Myhrs noisig-poetische Projekte Mural, Silencers und Microtub spiegeln sich spürbar hier wider. Die impressionistische, skizzenhaft anmutende Art von Texten und Gesang hingegen erinnert an Hvals Duo Nude on Sand mit Partner Håvard Volden. Dass sie und Kim Myhr hier ebenfalls einen spontanen und intuitiven Arbeitsprozess wählten, beeindruckt im Ergebnis zwar, kann jedoch nicht verhindern, dass die acht Stücke allenfalls punktuell die Klasse und Intensität vieler anderer CDs der beiden erreicht. (ijb)



Siehe auch:
Jenny Hval
Nude On Sand
Silencers
Kim Myhr

 Trondheim Jazz Orchestra (TJO): Kim Myhr & Jenny Hval: In The End His Voice Will Be The Sound Of Paper

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Albatrosh: Tree House
(2014, MNJ Records MNJCD 017)

Das international beachtete Duo Albatrosh besteht aus den einzeln nicht minder bekannten Eyolf Dale (Piano) und André Roligheten (Tenorsaxophon), die beide 1985 geboren und in Skien aufgewachsen sind und seit ihrer Kindheit zusammen Musik machen. Als Duo könnte man sie einer geerdeten norwegischen Jazz-Avantgarde zurechnen, will sagen: Bei allem intellektuellen Anspruch haben sie sich eine klare, nordeuropäische Klangsprache bewahrt.

»TREE HOUSE« ist eine Auftragskomposition für das Trondheim Jazz Orchestra, auch dieser 14-köpfige Klangkörper fürchtet sich nicht vor avantgardistischen Klängen und hat bereits mit ganz unterschiedlichen Musikern und Künstlern zusammengearbeitet. Die Kompositionen wurden beim Molde Jazz Festival 2013 aufgeführt, mitgeschnitten und hier veröffentlicht.

Die Musik ist ausgesprochen farbig, Dale und Roligheten verstehen für Big Band zu schreiben und zu arrangieren. Allzu avantgardistisch haben Dale und Rolgheten die Big Band nicht eingesetzt, ein gar sperriges und schräges Klangungeheuer ist »TREE HOUSE« nicht geworden. Das Titelstück packt kräftige Bläser aus, »Crystalline« hat dann doch schöne Dissonanzen und das abschließende »The Coral Foxes« tönt fast balladig. Im TJO spielten hier u.a. die Trompeter Hayden Powell und Eivind Lønning, Ola Kvernberg (Violine), Mats Eilertsen (Kontrabass) und Tor Haugerud am Schlagzeug – eine hochkarätige Besetzung. Allerdings könnte das Booklet (bzw. Cover, mehr als eine Innenseite gibt es nicht) informativer sein – nicht einmal die Solisten werden erwähnt. (tjk)



Siehe auch:
Eyolf Dale
Hayden Powell
Albatrosh
Mats Eilertsen

 Trondheim Jazz Orchestra (TJO): Albatrosh: Tree House

Offizielle Website

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