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Alle Rezensionen zu Delay Trees
(Genre »Pop«, Land »Finnland«)

 

Delay Trees
(2010, Johanna Kustannus Oy RAMCD3183)

Verlier deinen Glauben nicht. Nicht jetzt. Nicht jetzt. Nicht jetzt. Genau darum geht es Delay Trees auf ihrem selbst betitelten Debütalbum: Innehalten und Zwischenbilanz ziehen. Wir sind keine 20 mehr, vielleicht rückt die böse Drei in Sichtweite. Wir haben Enttäuschungen erlebt. Alte Freundschaften funktionieren nicht mehr. Der eigene Bruder schlägt einen völlig anderen Weg ein. Ernste Themen, die das Quartett aus Helsinki aufgreift. Aber wie sie das tun! Mit großer Zartheit. Mit verhaltener Euphorie. Mit ernsthafter Hingabe. Niemals wehleidig, sondern mit selbstbewussten Beharren darauf, dass ihr eigener Weg der Richtige ist: Der Weg des schwärmerischen, sanft-traurigen, traumverlorenen Indiepops. Wenn wir emotional taumeln, dann bitte in den wundervollsten, bittersüßesten Farben.

Sänger Rami Vierula kommt auf Katzenpfoten daher und verliert sich in Klangwelten von ruhiger Schönheit. Die Songs gleichen Preziosen in Miniaturform. Sind Momentaufnahmen einer kalten Erwachsenenwelt, die wir nur mit unseren lebendigen Herzen erwärmen können. Delay Trees haben heiße Herzen. Manchmal halten wir hier fast den Atem an. Manchmal steigen uns fast die Tränen in die Augen. Fühlen wir uns durch zarte Gitarren- und Pianotupfer merkwürdig bestärkt. Vielleicht umarmen wir auch jemanden. Jetzt gleich. Jetzt gleich. Jetzt gleich. (emv)

 Delay Trees: Delay Trees

Offizielle Website

Offizielle Website      www.delaytrees.com

   

Let Go
(2017, Soliti Soliti061)

»Don´t use your beliefs. Not now. Not now. Not now«: Diese eindringliche Beschwörung war vor zehn Jahren das Leitmotiv, das sich durch das Debütalbum der finnischen Pop-Traumtänzer Delay Trees zog. Eine Dekade später hat diese Beschwörung nichts an Aktualität eingebüßt: Auf dem vierten Album »LET GO« sind die Vier um Sänger Sami Vierula immer noch nicht bereit, sich klaglos mit den Dingen abzufinden, wie sie sind. Und sie trotzen den Tiefschlägen des Lebens: Mit einem schier unerschöpflichen Reservoir an Feingefühl und Zärtlichkeit. Delay Trees halten mit dem Mitteln des sanften, melancholischen Indiepops unentimental Rückschau auf die zischenden Jahre. Und sie tun dies in superfeinen Songs wie »Sounds Of Darkness« mit überwältigender Bittersüße. Für die Band selbst geht es hier vor allem um Eines: Die Erinnerungen loslossen und sich neuen Dingen öffnen.

Nachdenklichkeit kann mit Delay Trees eine sinnliche Wärme entfalten. Songs wie »Black Ice« bringen mit ihren perlenden Popgitarren selbst Schneeberge zum Schmelzen. Und feiern gleichzeitig das emotionale Überleben! Wer nun glaubt, dass Delay Trees nur blasse Stubenhocker sind, liegt ziemlich daneben. In »Blame It On The Snow« überzeugen mit fuzzigen Sounds. So hört sich Aufbruch an! Aber dass sie ihr Markenzeichen, eine verhaltene, schüchterne Ironie beibehalten, nimmt unbedingt für diese wunderbaren Finnen ein! (emv)

   

Readymade
(2014, Soliti SOL019)

Gelassenheit als Grundhaltung in der Popmusik: Geht das, ohne zu langweilen? Unbedingt, wenn wir »READYMADE« lauschen, dem dritten Album von Delay Trees. Die finnischen Popmelancholiker erzählen unaufgeregte Geschichten und entdecken dabei die Schönheit in der kleinen Form. Man muss nicht immer die Klappe weit aufreißen, das haben die wesensverwandten Musiker von Death Cab For Cutie auch nie nötig gehabt. Delay Trees schwelgen in unauffällig einprägsamen Melodien und benötigen geringe Mittel, um viel zu erschaffen: Sparsame Gitarre, gelassener Bass, kluges Schlagzeug. Und darüber liegt die zurückgenommene Stimme von Sami Vierala, die uns in »Fireworks«, einem der Glanzstückchen des Albums daran erinnert, das wir uns in unserem Leben keinesfalls mit den Dingen abfinden sollen. »No, it´s not enough«.

»READYMADE« ist Album, zu dem man seine Gedanken schweifen lassen kann. Ein Album vom Suchen und vielleicht Finden. Laute Gitarren gibt es hier nur selten, einen emotionalen Ausbruch erlauben sich die Vier in »Perfect Heartache«, wo sie das Kriterium »Indierock« noch am ehesten erfüllen. Müsste man eine gefühlte Temperatur für diese Tracks benennen, dann wäre es die Stunde nach Spätsommer-Sonnenuntergang: Wenn die Wärme noch spürbar ist, die Kühle aber bereits heranpirscht. Und dann hüllen wir uns in fein schwebende Songs wie das verhalten hymnische »The Big Sleep« wie in einen wärmenden Schal. (emv)

   

Doze
(2012, Soliti)

Das gleiche Lied noch einmal spielen? Auf Nummer Sicher gehen? Das wäre verlockend einfach. Aber genau hier verläuft eine Grenzlinie. Über die Delay Trees auf ihrem Zweitling»DOZE« beherzt springen. In die Ecke der sanftäugigen, gefühligen Popsters wollen sie partout nicht bis ans Ende aller Zeiten gestellt werden, auch wenn der Erstling sehr wohlwollend aufgenommen wurde. Mit neuem Label und und einer steifen Brise Abenteuerlust im Rücken segeln die Vier aus Helsinki auf zu neuen Ufern. Trauen sich was. Denn sind Veränderungszustände nicht viel Spannender als der Normalbetrieb? Und psychedelische Wunderwelten nicht vielschichtiger als Blümchen-Harmonien?

Und lassen sich alle Zeit der Welt, um im postrockigen Achtminüter »Pause« eine fein austarierte Dynamik entstehen zu lassen, bis der Song mit müheloser Leichtigkeit seine Flügel ausbreitet und abhebt. Adieu, du samtpfötige Popwelt, wir machen uns woanders auf die Suche nach der blauen Blume. Schlagen härtere Töne an und lassen die Gitarren mitunter richtig laut werden. Aber verlieren nichts von unserer feinnervigen Empfindsamkeit! Ein Album des Übergangs, das soll der »schwierige« zweite Tonträger sein. Fein! Jungs, hört bloß mit dem Suchen nicht auf, denn genau deshalb schlägt das Herz schlägt hier höher! (emv)



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