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Alle Rezensionen zu Sóley
(Genre »Pop«, Land »Island«)

 

We Sink
(2011, Morr Music/Indigo)

Ob Sóley täglich mit Elfen und Waldgeistern kommuniziert? Durchaus möglich. Denn die isländische Chanteuse und Multiinstrumentalistin entwirft auf ihrem Solodebüt »WE SINK« mit Vorliebe schrullige Gegenwelten. In denen die kleinen Dinge sachte aus den Fugen geraten und die Gegenstände dezidiert nicht an den Orten stehen, wo sie eigentlich hingehören. Frau Steffánsdóttirs Gespür für klangliche und inhaltliche Eigentümlichkeiten entfaltet seine tückische Magie fast im Zeitlupentempo. Nur vordergründig klingt die Stimme kleinmädchenhaft. Hinter dieser Sanftheit verbergen sich Krallen. Die ach so harmlosen Samples und Beats, die Sóley unterlegt, haben etwas latent Beunruhigendes. Die Spieluhr ist ganz leicht verstimmt, das Piano irrlichtert diesen einen entscheidenden Halbton vom breiten Wege ab. Vielleicht trifft die Isländerin im Dickicht der Wälder irgendwo die finnischen Cousins von Paavoharju.

Sóleys Musik klingt ein fernes Echo aus Traumsequenzen, an die wir uns gerade nicht mehr erinnern können, von denen wir aber instinktiv spüren, dass sie in unserem Unbewussten herumflattern wie kleine schwarzer Vögel. Zelebriert magischen Unterholzfolkpop von verhuschter Schönheit. Fragilität ist hier nicht mit Schwäche zu verwechseln. Die kruden kleinen Geschichten, die sie in den zwölf Songs erzählt, können garstig und brutal sein wie in »Smashed Birds«, in denen Vögel zugunsten eines schönen Kleides ihr Leben lassen müssen. Oder vom emotionalem Ertrinken beim Anblick der geliebten Person wie in »I´ll Drown« . Vor allem aber: Bei aller vorgeblichem Rückzug in Wälder oder Moore klingt Sóley sehr kraftvoll, sehr präsent, sehr lebendig und sehr aktuell. (emv)



Siehe auch:
Paavoharju


Zu den aktuellen Tourterminen von Sóley

 Sóley: We Sink

   

Endless Summer
(2017, Morr Music Morr154)

Sóley hat sich auch als Erwachsene einen kindlich klaren Blick und einen Sinn für wunderliche Geschichten bewahrt. Auf ihrem dritten Album »ENDLESS SUMMER« entschwebt die isländische Chanteuse zu empfindsam perlenden Pianoklängen in die Gefilde zwischen Tag und Traum. Im Gegensatz zu den garstigen kleinen Schauermärchen, die Sóley auf den Vorgängeralben so gerne erzählte, halten hier eine stille Hoffnung und eine zarte Verspieltheit Einzug. Die Musikerin entwickelt tatsächlich Frühlinsgefühle! »Ich wachte mitten in der Nacht auf und notierte auf einen Zettel: Schreib dieses Mal etwas über Hoffnung!«, erzählt Sóley. Und malte ihr Studio in Reykjavík gelb und violett an und kaufte sich einen Flügel.

Die zerbrechliche Stimme der Sängerin steht zwar immer noch im Mittelpunkt, aber es ist vor allem die samtige Instrumentierung, die hier überzeugt. Vorbei sind die gekonnten Spielereien mit irrlichternden Klangsamples! »Never Cry Moon« etwa, einer der schönsten Songs des Albums, startet ruhig genug mit einem schüchternen Piano, nur um sich dann wie eine kostbare Blüte zu entfalten: Klarinette, Cello und Posaune spielen sich elegant in den Vordergrund. Sollte Sóley etwa erkannt haben, dass manche Märchen auch gut enden? Denn Songs wie »Grow« überzeugen mit gelassener Heiterkeit, ohne sich von der früheren Schrulligkeit zu verabschieden. (emv)

   

Ask The Deep
(2015, Morr Music/Indigo morr 138)

Bloß nicht zu lange in den tiefen Brunnen blicken: Es könnten sich dunkle Gestalten in der Tiefe regen, die unversehens nach uns greifen und uns mit nach unten ziehen! Die isländische Chanteuse Sóley taucht auf ihrem zweiten Longplayer »ASK THE DEEP« in schauerballadige Abgründe ab, die einen eigenwilligen Gegenentwurf zur rosa Disney-Märchenwelt bilden. Sóley ist eine Meisterin in der Kunst, schrullige Gegenwelten zu entwerfen. Hinter ihrer scheinbaren Sanftheit verbergen sich scharfe Krallen. Die kleinen Geschichten, die sie in diesen zehn mkitunter minimalistischen Songs erzählt, können garstig und brutal sein. Mit dem Teufel ist die Isländerin sowieso auf Du und Du.

In die einst puristische Nebelhexenwelt von Sóley, die bislang nur von Samples, Beats und Pianoklängen dominiert wurde, halten hier ganz neue Instrumente Einzug: Im Eingangstrack »Ævintyr« etwa, bei dem sie sich von einem Zeitungsartikel über einen lebendig begrabenen Mann in Brasilien inspirieren ließ, treiben unversehens tribale Schlagwerksounds ihren Schabernack mit luftigen elektronischen Beats. Eine tückische Magie entfaltet sich auf diesem Album fast im Zeitlupentempo. »One Eyed Lady« ist ein minimalistisches Schlaflied, das man selbst zart besaiteten Erwachsenen nicht vorsummen will: Denn diese einäugige Hexe würde für die Liebe auch über Leichen gehn! Im von komplizierten Beats geprägten »Halloween« droht der Traum gar in einen subtilen Alptraum zu kippen. »Tell me how I can wake up again«, lautet der flehentliche Refrain. Abgründig klingt das! Und auf wundervolle Weise verstörend. (emv)

   

Krómantik
(2014, Morr Music Morr 130 CD)

In Otfried Preußlers Kinderbuch-Klassiker »Die Kleine Hexe« wird fein zwischen den verschiedenen Gruppierungen dieser Zauberfrauen unterschieden: Es gibt Kräuterhexen, Moorhexen, Knusperhexen, Windhexen, Wetterhexen, Nebelhexen und Moorhexen. Die isländische Musikerin Sóley ist auf ihrer EP »KRÓMANTIK« eindeutig unter die Moorhexen gegangen und hat ein Piano-Album vorgelegt, auf dem sich der feste Boden unter den Füßen zunehmend als Illusion erweist. Diese acht kleinen Preziosen sind bereits im Jahr 2011 entstanden, als Sóley an der Musikakademie in Reykjavík Kompositionstechnik studierte. Wo sie offenkundig ihre Liebe zum wesensverwandten Franzosen Erik Satie und dessen »Gymnopédies« entdeckte. Und somit die verhuschte Schönheit des Flüchtigen, Vernebelten, des leicht aus der Tonart Gefallenen.

Natürlich ist das Piano das stilbestimmende Instrument der musikalischen Romantik, die sich die Entdeckung eigenwilliger Gegenwelten zum Ziel gesetzt hat. In der feinfühlige Empfindsamkeit das Szepter schwingt. Sóley fügt in Tracks wie dem übermütigen »Kaosmusik« aber noch die humoristische Komponente hinzu. Nur um gleich danach im Titelstück mit Verve in beseelte, aber gleichwohl reduzierte Gefühlswelten abzutauchen. Dass diese filigranen Piano-Fingerübungen mit tappsender Zärtlichkeit daherkommen, ist einer der großen Pluspunkte dieser EP. Die übrigens das Warten auf das reguläre zweite Album nur verkürzt, das Anfang 2015 erscheinen soll. (emv)

   

Theater Island
(2010, Sound Of A Handshake SHAKE008)

In der Welt von Sóley Stefánsdóttir ist es leicht, auf spielerische Weise verlorenzugehen. Graue Nebelschwaden wallen, perlender Nieselregen trübt die Sicht. Die Studentin der Kompositionstechnik und Mitglied der Indiepop-Großgruppe Seabear kann als Enkelin von Erik Satie durchgehen, was die melancholische Pianoverliebtheit angeht, und als isländische Kusine der Coco Rosies, was die eigenwillige Verträumtheit betrifft. Die Debüt-EP »THEATER ISLAND« führt im scheinbar unschuldigen Walzertakt in vertrackte Gegenwelten, wo elektronische Klangspielereien, unheimlich Hinterländisches und elfenhafte Exzentrik gerne kuscheln gehn. Der Pfad könnte leicht rutschig werden, aber Neugier zwingt uns, unbedingt weiterzugehen!

Sóley singt verhuscht. Sammelt unterschiedlichste Fundstückchen entlang des Weges sorgsam auf, betrachtet sie liebevoll und fügt diese dann auf schrullig-wunderliche Weise zusammen, bis wir ebenso wie sie langsam den Boden unter den Füßen verlieren und ins Schweben geraten. Die Blätter an den Bäumen färben sich unmerklich blau. Wir segeln sicher durch diesen Sagenwald, unter dem Zaubermantel der guten Fee. (emv)



Siehe auch:
Seabear



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