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Alle Rezensionen zu Moddi
(Genre »Pop«, Land »Norwegen«)

 

Unsongs - 12 Banned Songs From 12 Countries
(2016, Propeller Recordings PRR 219 / PRR 220)

Er hat was von Donovan, wie er da mit seinem Lockenkopf, im Wollpulli und mit einer Gitarre über die Schulter in ein gemaltes Fantasieland blickt. Doch was Moddi erblickt, ist eine nur vordergründig heile, im Grunde aber apokalyptische Welt. Hinter der Ziege und dem Hahn brennen Häuser, rollen Panzer auf, am Baum ist ein Mensch aufgeknüpft. Schon bevor der 29jährige Pål Moddi Knutsen 2010 sein Debüt "Floriography" veröffentlichte und damit ein geschätzter Singer/Songwriter wurde, war er Aktivist. Obwohl - oder gerade weil – in der nordnorwegischen Küsten-Idylle aufgewachsen, beobachtete Moddi die politischen Entwicklungen immer sehr genau. Und als er 2014 ein Konzert in Tel Aviv aus Protest gegen die Besetzung Palästinas absagte, war der norwegische Botschafter alles andere als "amused".

Und so eckt er weiter an, mit diesem Album mehr denn je: Zensierte Songs sollten es sein, denen Moddi gewohnt leidenschaftlich und mit seiner tief berührenden Stimme neues Leben einhaucht. Aus über 400 Songs suchte sich der fröhliche Blondschopf zwölf Stück aus zwölf verschiedenen Ländern aus, die ihren Komponisten mehr oder weniger Ärger eingebracht haben. Pussy Riots "Punk Prayer" etwa inszeniert er als stillen Psalm im Stil von "Ave Maria". Das Musikvideo dazu durfte er nicht wie geplant in Norwegens nördlichster Kirche, 500 Meter entfernt von der russischen Grenze, drehen – dieser Song trifft wohl noch immer einen wunden Punkt. Während die russische Girls-Band "nur" zwei Jahre ins Gefängnis musste, wurden andere hier interpretierte Musiker getötet, so etwa der Algerier Lounés Matoub oder der Chilene Victor Jara. Mitunter findet sich sogar ein Song, wo Moddi die Aussage nicht befürwortet, diese aber so geschickt in Worte verpackt wird, dass nur Insider wissen, was gemeint ist: "Parrot, Goat And Rooster" beschreibt das Leben eines mexikanischen Drogendealers – der Hahn ist das Marihuana, die Ziege ein Sturmgewehr. Womit wir wieder beim Cover wären. (peb)


Zu den aktuellen Tourterminen von Moddi

 Moddi: Unsongs - 12 Banned Songs From 12 Countries

Offizielle Website

Die CD »Unsongs - 12 Banned Songs From 12 Countries« war »CD des Monats« im Monat 10 / 2016.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Interessante Idee mit den Songs, die den originalen Autoren oder Interpreten Ärger einbrachten. Trotzdem: Moddi bleibt Moddi, und seine CDs ziemlich weit von meinem Player entfernt in der anderen Ecke. Meine Wahl war das nicht.
Tim Jonathan Kleinecke

Ich muss gestehen, dass sich bei mir eine gewisse Singer-Songwriter-Müdigkeit breit macht. Aber nicht bei Moddi! Weil der Mann kein harmloser Klampfer ist, sondern Kreativität und Köpfchen hat und sich weiterentwickelt. Sein Auftritt in Darmstadt letztens mit den "Unsongs" war eines der emotional berührendsten Konzerte des Jahres. Meine zwölf Punkte hat der Norweger bekommen!
Eva-Maria Vochazer

Hm, ja, ich muss gestehen, dass ich zwar die positive Meinung prinzipiell nachvollziehen kann - und vielleicht müsste ich den jungen Mann auch einmal auf der Bühne erleben... Bislang geht es mir mit Moddi allerdings eher wie dem Kollegen Tim. Da lege ich doch eher John Southworth oder Marcel Dettmann auf...
Ingo J. Biermann

Ich kenne die Kirche an der russischen Grenze, und mir lässt die Intensität von Moddis Video das Blut in den Adern gefrieren. Auch sonst hat der Nordnorweger alles, was ein Singer-Songwriter braucht. Mut, Leidenschaft, eine tolle Stimme und leidenschaftliche Performance.
Leif Haugjord

Offizielle Website      www.moddi.no

   

Kæm va du?
(2013, Propeller Recordings PRR76)

So langsam könnte man von einer Neuen Norwegischen Welle sprechen: Odd Nordstoga, Stein Torleif Bjella und Kråkesølv bringen Dialekte in die Hitparaden. Ane Brun schreibt ein norwegischsprachiges Lied. Erlend Ropstad sattelt komplett um. Und nun kommt auch noch Moddi mit »KÆM VA DU?« um die Ecke. Bei genauerem Hinsehen ist das allerdings keine große Überraschung, denn der Blondschopf hat schon immer mit seiner Muttersprache geflirtet. Für sein Debüt vertonte er »Krokstav-emne« von Helge Stangnes, für ein Benefizalbum übertrug er Vashti Bunyans »Train Song« ins Norwegische, und »SET THE HOUSE ON FIRE« eröffnete er mit dem selbstverfassten »Heim«.

Das neue Album ist ein Herzensprojekt. Allen neun Liedern gemein ist ihr Bezug zu Moddis Heimatinsel Senja. Es gibt folglich ein Wiedersehen mit »Togsang« und »Krokstav-emne«. Außerdem hat Moddi zwei weitere Werke von Stangnes mit Musik unterlegt, auf die Vertonungen zweier Gedichte von Arvid Hanssen zurückgegriffen und Ola Bremnes' »Mannen i Ausa« aufgestöbert. Entstanden ist ein buntes Potpourri, das in seiner Gesamtheit überzeugt. Höhepunkte sind die Eigenkompositionen »Noens ark« und »En sang om fly«, was zeigt, welch hohes Niveau Moddi als Songwriter inzwischen erreicht hat. Man darf also gespannt sein auf die nächste reguläre Veröffentlichung. (mau)



Siehe auch:
Odd Nordstoga
Stein Torleif Bjella
Ola Bremnes

   

Set The House On Fire
(2013, Propeller Recordings PRR67)

Beethoven? »Für Elise«. George Gershwin? »Summertime«. Paul McCartney? »Yesterday«. Selbst außergewöhnlich talentierte Komponisten schütteln nicht jeden Tag einen unsterblichen Klassiker aus dem Ärmel, aber man wird ihnen natürlich nicht gerecht, wenn man ihr Schaffen auf ein einziges Lied reduziert.

Ähnlich verhält es sich mit »SET THE HOUSE ON FIRE«, das für Moddi einen großen Sprung nach vorn darstellt. Beim ersten Hören ragt zunächst »House By The Sea« aus der Menge hervor. Die Single-Auskopplung hat durchaus das Zeug zu einem Evergreen, denn die eingängige Melodie, das zeitlose Arrangement und der nachdenkliche Text grenzen an Perfektion. Doch selbst im Zeitalter der Playlists und Downloads lohnt es sich, dem Rest des Albums eine Chance zu geben.

Mit Ausnahme des nach meinem Dafürhalten zu monotonen »The Architect« sind nämlich auch die übrigen Lieder keine grauen Mäuse, sondern kleine Kunstwerke. »Heim« ist eine kurze Skizze, die zu Herzen geht. »Let The Spider Run Alive« besticht durch seine dunkle Atmosphäre. »Run To The Water« verfügt über eine originelle Struktur. »One Minute More« nimmt den Hörer mit auf eine Reise. In der Gesamtheit ergeben diese und die anderen Stücke ein bezauberndes Konglomerat. (mau)

   

Rubbles
(2010, Propeller Recordings IMR017)

Warum so zögerlich? Die EP »RUBBLES« ist erst der Vorgeschmack auf das Album-Debüt, das im nächsten Jahr hierzulande veröffentlicht, in seiner norwegischen Heimat jedoch schon Aufmerksamkeit erregte. Der 23jährige Pål Moddi Knutsen – so sein voller Name – stammt von der Halbinsel Senja hoch oben im norwegischen Norden, noch nördlich der Lofoten. Mit Akkordeon, Mandoline und Gitarre – allesamt etwas ramponiert – reiste er nach Reykjavik, um dort mit dem renommierten Produzenten Valgeir Sigurdsson an der Musik zu arbeiten, die wir eben hier hören können.

Vier Songs sind es nur, aber sie verlangen nach mehr. Nach so viel mehr, dass sie eine Besprechung rechtfertigen, obwohl wir doch eigentlich CDs vorstellen. In Moddis Musik spiegeln sich – kein Wunder – norwegische und isländische Charaktereigenschaften: Melancholie und Schrulligkeit, Mut zu elegischen Melodien ebenso wie zu eigenwilliger Instrumentierung und zwischendurch auch Krach-Eruptionen: Die junge Björk trifft Midnight Choir. Nur noch ängstlicher, schüchterner und weniger visionär. Aber das kann noch kommen. Die kommende CD »FLORIOGRAPHY« erwarten wir jedenfalls sehnlich. (peb)



Siehe auch:
Valgeir Sigurdsson



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