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Alle Rezensionen zu Bjørn »Stringmachine« Berge
(Genre »Rock«, Land »Norwegen«)

 

Blackwood
(2011, Dixiefrog/Harmonia Mundi DFGCD 8710)

Hardrock oder Blues? Das weiß man bei Bjørn Berge nie so genau. Sicher: Mit seinem muskelbepackten Tatoo-Outfit und der heiseren Stimme würde er auch als Frontmann einer Metal-Kapelle eine gute Figur abgeben. Und die Energie seiner Darbietung, die gern mit einer Dampflok verglichen wird, kann mit Metallica – deren Songs er ebenso gern covert wie z.B. die von Black Sabbath, Motörhead oder Read Hot Chili Peppers – locker mithalten. Seine Wurzeln liegen aber defintiv im Blues, und als Begleitung nutzt er lediglich eine zwölfsaitige akustische Gitarre sowie das obligatorische Slide-Röllchen am Finger.

Bjørn Berges Problem war jedoch bislang, dass - besonders live – alle Songs wenig abwechslungsreich klangen und zu wenige ruhige Nummern das Highspeed-Repetoire auflockerten. Vor allem deswegen ist »BLACKWOOD« als sein bisheriger Schaffens-Höhepunkt zu werten: Zwischen mächtigen Mississippi-Dampfwalzen wie »In & Out« oder »Accused« mischen sich stimmungsvolle Slow-Blues-Titel wie »Once & Again« oder »Blues For One«. Sicher: Man hört Bjørn Berge, der früher auf einer Ölplattform gearbeitet hatte, noch immer an, dass er eher ein Mann fürs Grobe ist. Doch es werden nun mehr Facetten seines Charakters sichtbar, und das macht ihn deutlich interessanter. Die größte Überraschung: Joni Mitchells »Woodstock«, das der Blueser mit fast mystischer Ausstrahlung zu Gehör bringt. (peb)

Bjørn »Stringmachine« Berge: Blackwood

Offizielle Website

Offizielle Website      www.stringmachine.net

   

Fretwork
(2009, Grappa/Galileo GRCD4321)

Das Rauhbein hat seine feinfühlige Seite: Auf »FRETWORK« arbeitet der nur scheinbar knorrige Bluesgitarrist Bjørn Berge erstmals mit einem klassischen Musiker zusammen. Und, Überraschung! Oyvind Staveland an Cello und Violine passt bestens zur erdigen Gitarre von Berge! Es sind dunkle, countryeske Balladen, schwerblütige Delta-Sounds und rockige Ausflüge, die Berge auf seinem mittlerweile zehnten Album zelebriert. Unterstützt vom norwegischen Sänger Vidar Johnsen erschafft die »Stringmachine« hier erstaunlich intime, zu großen Teilen selbstgeschriebene Tracks, die bestens zur Mitternachtsstunde passen. Wenn man ganz auf sich selbst zurückgeworfen ist sich an der unverwechsellbar tiefdunklen Stimme von Berge festhalten kann. »FRETWORK« heißt übrigens übersetzt Bundarbeit! Meister Berge, untertreiben sie mal nicht: Das ist hier keinesfalls nur solides Handwerk, das geht mitten ins Herz! (emv)

   

Live In Europe
(2008, Skycap/Rough Trade CAP053)

Er ist ein ebenso bulliger wie knurriger Blues-Brummbär mit trockenem Humor, dessen Stimm- und Spielgewalt auf der Bühne am besten rüberkommt. »LIVE IN EUROPE« ist daher ein längst überfälliges Album, das Björn Berges Stärken eindrucksvoll demonstriert: Das am 22.2.2007 im Brüsseler »Ancienne Belgique« mitgeschnittene Konzert präsentiert raubeinigen Blues in der Tradition von energischen Solo-Performern wie Chris Whitley, die einen Club nur mit Stimme, akustischer Gitarre und Fußstampfen aufmischen, aufgelockert durch amüsante Ansagen und Geschichten.

Obwohl man auch auf ruhigere Songs wie »Louise« oder »Someday« trifft, herrschen die rasanten Knaller vor, wo Björn Berge mit rasendem Fingerpicking und seinem über die Bünde seiner zwölfsaitigen Gitarre flitzenden Bottleneck-Röllchen harsche Blues-Rufe bellt. Trotz der einen schier überrollenden Energie wünscht man sich jedoch mehr verschmitzte Rags wie »13 Question Method« oder feine Balladen wie »Angel Band«. (peb)

   

I'm The Antipop
(2006, Skycap/Rough Trade 301.2137.2)

Den Beinamen »Stringmachine« trägt er nicht zu unrecht. Seine präzisen, dynamischen Bluestechniken hat er sich autodidaktisch beigebracht und über die Jahrzehnte perfektioniert. Das musikalische Gerüst ist auf das Wesentliche reduziert: Gitarre und Schlagwerk. Die Wirkung ist zweischneidig. Einerseits wirken die unverzerrten Gitarrenparts gestählt kraftvoll, kantig und ehrlich, andererseits trägt das Konzept nicht über die volle Distanz.

Kann »Testify« als Interpretation des Rage Against The Machine-Klassikers noch die volle Punktzahl einheimsen, bleibt spätestens ab »Louise« von Bonnie Raitt nur noch die atemberaubende Gitarrenarbeit in Erinnerung, während die eigentlichen Songs (ausnahmslos Coverversionen) etwas an Brillanz verlieren. Zweifellos ist er ein Virtuose mit modisch autarken Sounds und einer bärigen Stimme, aber als Solokünstler eben auch limitiert in seinen Möglichkeiten, was seinem inzwischen achten Album zu viel Spröde aufbürdet. (maw)

   

Illustrated Man
(2003, Farmen/PIAS CFCD 106)

Obwohl ungefähr fünf Jahre jünger, so klingt Bjørn Berges Stimme doch ungefähr 50mal kaputter ist die des Autors dieser Zeilen. Der von der südwestnorwegischen Küste stammende Gitarrist und Sänger muss seine Stimmbänder jahrzehntelang mit Kies, Glasscherben und Bourbon gegurgelt und sich von Zigaretten ernährt haben, denn wie sonst könnte sein Gesang als heiser-knurrige Mischung aus Captain Beefheart, Tom Waits und Brad Roberts von den Crash Test Dummies daherkommen?

Dazu rotzt er so böse-dreckige Blueslicks aus den Saiten, dass man unwillkürlich in Deckung geht. Das Ergebnis klingt funky wie Red Hot Chili Peppers (»Give It Away«), rotzig wie Aerosmith (»Funky Face«) oder mit elektronischen Drums angefettet (Jethro Tulls »Locomotive Breath«), immer jedoch nach Berge selbst: roh, ruppig und erbarmungslos. (peb)



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