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Alle Rezensionen zu Iiro Rantala
(Genre »Jazz«, Land »Finnland«)

 

My Working Class Hero
(2015, AD Inexplorata/Contraire 9597-2)

Die Projekte Iiro Rantalas wurden von uns schon öfters eindringlich gelobt, und auch wenn der Finne mit »MY WORKING CLASS HERO« nicht sein stärkstes Album vorgelegt hat, ist es doch einmal Zeit für die Würdigung als »CD des Monats«. Nach den Jazz- und Klassikhommagen »LOST HEROES« und »MY HISTORY OF JAZZ« stürzt sich der dritte Teil von Rantalas Heldenverehrung nun voll und ganz auf den Pop. Dafür wählte er, Titel und Covermotiv machen kein Geheimnis draus, ein Dutzend Stücke des großen John Lennon: 35 Jahre tot ist er bereits, und doch lebt sein Geist munter weiter, oft schlimm nachgejammert (»Imagine« kann sicherlich als jener Popsong mit der Rekordzahl grausigster Nachspielversuche verbucht werden), manchmal traurig missverstanden, selten mit wunderbarer Verbeugung dargeboten.

Rantala gelingt streckenweise das Kunststück, Lennon-Gassenhauern klug neue Nuancen abzugewinnen, und so gelingen dem Pianovirtuosen eine ganze Reihe wundersam faszinierender Jazzpop-Nummern auf der Basis von allseits verinnerlichter Songwriting-DNA. Einiges hier ist eher ruhig und ein wenig impressionistisch, dem Frühwerk »Norwegian Wood» etwa bleibt Rantala eng auf melodischen Pfaden treu. »Working Class Hero« hingegen, nicht einfach aus der Kargheit seiner Akustikgitarren-Version aufs Piano zu übertragen, wird ein gänzlich ungewohntes Erlebnis, kraftvoll und kontrastreich. »Just Like Starting Over« bringt Rantala, als wäre er Elton John (jener selbst ein Lennon-Jünger) — ach würde doch der britische Pop-Pianist endlich einmal so ein schlüssiges Solo-Pianoalbum einspielen (er könnte es, wenn er nur wollte!). Nicht alle 12 Stücke gelingen ebenso leichtfertig und elegant, — »Watching The Wheels« fehlt ein wenig die Raffinesse, »Happy X-Mas, War Is Over« kommt gar zu lieblos daher — doch »Imagine» wiederum bleibt ebenso bedacht fragil und schattenreich wie »Woman« jarrett-mäßig tänzelnd und unumwunden emotional.

Die CD wird ein schönes Geschenk für meinen 65-jährigen Vater, für den die Beatles alles sind, der sich aber nie eine Jazzplatte kaufen würde. (ijb)



Siehe auch:
Jazz at Berlin Philharmonic V: Lost Hero - Tears for Esbjörn
Jazz at Berlin Philharmonic I: Rantala Wollny Możdż

Iiro Rantala: My Working Class Hero

Offizielle Website

Die CD »My Working Class Hero« war »CD des Monats« im Monat 8 / 2015.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Dein Papa kann sich wirklich auf ein besonderes Hörerlebnis freuen, Ingo! Ich finde es im Übrigen auch ganz wunderbar, die Klassiker wie "Help" in völlig neuer und überraschender Interpretation zu hören!
Eva-Maria Vochazer

Lennon-Songs wurden meines Wissens noch nicht oft von Jazz-Pianisten gecovert; schon allein die Idee empfinde ich daher als sympathisch. Und ich möchte wetten: Die Idee zu diesem Album entstand in der Sauna ...
Leif Haugjord

So ganz kann ich die Begeisterung nicht teilen, beim ersten Hören hatte ich sogar gelegentlich das böse Wort "belangloses Geklimper" im Ohr. Aber bei mehrmaligem Hören wird klar: Iiro Rantala hat ein sehr stimmiges Album gemacht, hält sich teilweise etwas brav am Original, findet aber öfters auch neue Ideen und Wendungen für Songs, die jeder kennt, die schon für sich Klassiker sind. Und auf pianistische Wunder-Virtuosität verzichtet Rantala ja schon länger. Auf jeden Fall hat er schon einige bessere CDs gemacht.
Tim Jonathan Kleinecke

Ich kann Tims Argumente verstehen, stehe diesem Projekt aber aufgeschlossener gegenüber. Sicher, Rantala ist kein Jarrett, aber ich empfinde die Lennon-Songs als durchaus unkonventionell und erfrischend anders dargeboten. Es macht Spaß, bei jedem Stück erneut zu lauschen, bis man schließlich das melodische Motiv und damit das Original wieder erkennt. Iro Rantala ist die Neuauflage gelungen; es gibt nur wenig, was man da noch verbessern könnte.
Peter Bickel

Offizielle Website      www.iirorantala.com

   

My History of Jazz
(2012, ACT/Contraire 9531-2)

Nach seiner sensationellen »LOST HEROES« schiebt Iiro Rantala ein noch größeres Projekt hinterher: die ganze Jazzgeschichte aus seiner Sicht, dazu gesellt er als klassisch ausgebildeter Pianist Stücke von Bach bzw. über Bach. Rantala ist mit unendlicher Musikalität und Virtuosität gesegnet, dazu hat er einen ebenso unendlichen musikalischen Horizont.

Diese große Stärke von Rantala führt leider zur großen Schwäche dieser CD: es ist einfach zuviel. Wie ein Schaufelbagger schaufelt Rantala fast alle Stile der gesamten Musik- bzw. Jazzgeschichte auf und verteilt sie über weiße und schwarze Tasten. Bachs Arias, solo gespielt, stehen neben Gershwins »Lisa« mit Lars Danielsson (b) und Morten Lund (dr) oder »Caravan«, eher an Ragtime erinnernd mit Adam Bałdych (vi). Darauf ein erstaunlich braves »Eronel« von Monk. Improvisationen über die Goldberg-Variationen wechseln sich mit lyrischen Eigenkompositionen ab, die für sich allein wunderschön sind (»Americans in Paris«) oder schlicht Modern Jazz auf hohem Niveau (»Bob Hardy«, mit seltsam in den Hintergrund gemischtem Bass). Nichts wird ausgelassen, auch nicht Weill und Gullin. Aber insgesamt ein unendlicher Gemischtwarenladen, ein heilloses Durcheinander. (tjk)



Siehe auch:
Lars Danielsson

   

Lost Heroes
(2011, ACT/Contraire 9504-2)

Wo ist sie hin, die Power? Fragt man sich verblüfft nach den ersten Stücken, erinnert sich des Trio Töykeät, das Iiro Rantala 17 Jahre lang leitete: eines der wichtigsten Klaviertrios des europäischen Jazz, das immer wieder mit frappierender Virtuosität und manchmal skurrilen Ideen überraschte.
Und nun sitzt Iiro Rantala allein vor seinem Flügel und sinniert über Musiker, die ihm ganz persönlich viel bedeuten und allesamt in den ewigen Konzerthallen weilen. Pekka Pohjola ist so einer: der große finnische E-Bassist und Komponist wird mit einem Stück gewürdigt, das auch aus seiner Feder stammen könnte.

Generell trifft Rantala die Stimmung der Gewidmeten, sei es in »Can’t Get Up« für Jaco Pastorius, das er in tieferen Registern spielt, oder dem wunderschönen »Jean And Aino« für Sibelius und dessen Frau. Ganz fein auch »Tears For Esbjörn« (Svensson), mit dem ihn eine lockere Freundschaft verband – beide sind nahezu gleich alt, ihre Karrieren stiegen ähnlich steil. Nach Svenssons Tod fiel Rantala in eine längere Krise, aus der er mit »LOST HEROES« grandios entrinnt. Statt pianistischem Dauerfeuer regiert Sensibilität und Lyrik, Rantala gelingt eine große, eine wichtige, eine wunderschöne CD. (tjk)



Siehe auch:
Trio Töykeät
e.s.t
Pekka Pohjola
Perko & Rantala



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