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Alle Rezensionen zu Dans les arbres
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Canopée
(2012, ECM/Universal ECM2278)

Erst einmal große Freude, dass wir nach fünf Jahren mit einem zweiten Album von Dans les arbres beglückt werden. Ihr unbetiteltes Debüt war schließlich ein kreativer Höhepunkt im ohnehin umfangreichen Gesamtwerk jedes einzelnen Quartettmitglieds. Und man glaubt es kaum: »CANOPÉE« kommt noch fragmentierter, noch geräuschhafter und - ja, auch das - noch stiller daher.

Unter dem Begriff »Jazz« verstehen die meisten selbstredend etwas anderes, mancher wird wohl den Kopf schütteln über diese grenzwertige Erforschung von Klang, Instrument und Improvisation. Auch im ECM-Katalog gibt es kaum Vergleichbares, am ehesten noch Lytton/Wachsmann oder Evan Parker. Doch anders als bei jenen gibt es bei Dans les arbres nichts Elektronisches. Die Klangpalette schreibt fast nahtlos die des Debüts fort, auch wenn Ivar Grydeland diesmal nicht mehr die akustische, sondern die elektrische Gitarre zur Hand nahm. Zudem hat er sein Banjo, wie Christian Wallumrød sein Piano, präpariert, und punktuell taucht nun ein Harmonium auf.

Grydelands und Zachs Studium der Kammermusik tritt noch etwas deutlicher als beim ersten Album hervor; »CANOPÉE« spielt sich wie eine lange Suite für Quartett. Wann allerdings begeisterte Musik so an der Grenze zur Stille? Und, apropos Quartett: Welche Instrumente zum Einsatz kamen, ist kaum einmal nachvollziehbar. Wahrscheinlich könnten die vier selbst noch mit Besteck und Möbelstücken fantastische Musik produzieren. So dicht und so luftig, so zart und fantasievoll geht es auch bei ECM nur in Ausnahmefällen zu. (ijb)



Siehe auch:
Ingar Zach & Ivar Grydeland
Christian Wallumrød Trio
Mural
LabField

 Dans les arbres: Canopée

Offizielle Website

Die CD »Canopée« war »CD des Monats« im Monat 7 / 2012.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Jazz? Nee. Klangforschung vielleicht. Toll jedenfalls, sich in den tastenden akustischen Erkundungen des Quartetts zu verlieren. Ein Album zum Vielfachhören - auf Anhieb ist es garantiert nicht jedermanns Sache.
Sebastian Pantel

Streckenweise, also für ein paar Minuten, ist das mal ganz interessant. Generell besteht ja Musik aus Klängen, man könnte auch sagen Geräuschen. Umgekehrt ist es jedoch andersrum: nicht alle Klänge und Geräusche ergeben Musik. Aber früher hätte Vati das gut als Geräusche-CD zum Vertonen von selbstgemachten Super-8 Gruselfilmen hernehmen können.
Tim Jonathan Kleinecke

Naja, ein paar schöne Ideen haben die Jungs da ja versammelt - aber so richtig in Schwung kommt das Album irgendwie nicht. Auf die Länge ist es dann doch sehr still und gleichzeitig sperrig. Wer sich da nicht unbedingt einlassen will...
Leif Haugjord

Auch ich kann mich darauf nicht jederzeit einlassen. Um diese Kunst wertschätzen zu können, braucht man schon eine Stunde Ruhe, sonst geht einiges verloren. Für einige spannende Entdeckungen ist dann ohne Frage gesorgt. Und man sollte unbedingt noch das erste Album nachholen!
Peter Bickel

Offizielle Website      danslesarbres.net

   

Dans les arbres
(2007, ECM/Universal 2058)

Aufgenommen wurde Dans les arbres' Debüt bereits 2006, doch die Ursprünge des Projekts liegen sogar noch im vorhergehenden Jahrzehnt, als Gitarrist Ivar Grydeland und Percussionist Ingar Zach als Duo begannen und das Label Sofa Music ins Leben riefen. Angesichts ihrer zahlreichen Platten wäre diese CD alles andere als fehl am Platz in der Sofa-Klangwelt gewesen, zumal die Musiker das Album ohne Manfred Eicher produziert haben. Doch eine Veröffentlichung bei ECM sichert natürlich international eine größere Aufmerksamkeit. Sollte man meinen.

Bedauerlicherweise ist diese grandiose Platte bei uns seit ihrer Veröffentlichung kaum jemandem aufgefallen. Dabei ist es ohne Übertreibung nicht nur eine der intensivsten wie individuellsten und, ja, besten CDs, die bei ECM in den 2000er Jahren erschienen sind; für den zeitgenössischen Jazz ist es nichts weniger als ein Meilenstein, und die vielen empfehlenswerten Sofa-Music-Platten gruppieren sich sozusagen wie Ergänzungen und Erweiterungen in verschiedene Richtungen herum.

Obwohl die Stücke komplett akustisch eingespielt wurden, schleicht sich des öfteren der Eindruck von elektronischen Instrumenten ein. Die Beschaffenheit von Klang wurde selten so detailgenau, brillant und zu einer eigenen musikalischen Spielart ausgearbeitet. Wiederholt treten einzelne Instrumente aus der Stille hervor, gehen einen wechselnden intuitiven Dialog mit den anderen ein, geben Raum, stellen Fragen, reflektieren den Charakter von Improvisation, Klang, Tönen, Stille und Geräusch. Dans les arbres loten die Ränder des Jazz, ja der Musik überhaupt aus und dringen dadurch zu ihrer Essenz vor. Und doch darf man sich sich diese CD nicht als unzugängliches, rein experimentelles Muckertum vorstellen. Man sollte ganz einfach Erwartungen ablegen, wenn man auf »Play« drückt – und sich frei auf das einlassen, was dieses großartige Quartett hier zu bieten hat. (ijb)



Siehe auch:
Huntsville
Christian Wallumrød Ensemble
Ingar Zach mit Batagraf
Ingar Zach

Audio-Link Video-Link



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