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Alle Rezensionen zu Erland Dahlen
(Genre »Rock«, Land »Norwegen«)

 

Rolling Bomber
(2012, Hubro/Sunny Moon HubroCD2512, LP3512)

Erland Dahlen sorgte auf der letzten Tour als Teil von Nils Petter Molværs Trio für überraschende Höhepunkte, als er mit seinem Gesang und mit seiner Singenden Säge nachhaltige emotionale Gegenpunkte zu Westerhus’ Gitarrenextravaganz setzte. Doch soll nicht unterschlagen werden, dass seit rund zwanzig Jahren seine Mitwirkung auf wohl 130 Platten mannigfaltig die norwegische Musik bereichert hat, ohne dass Dahlen selbst im Rampenlicht gestanden hätte wie die Menschen, mit denen er aufnahm: Marit Larsen, Eivind Aarset, Mathias Eick, Arve Henriksen, Jon Balke, Mike Patton oder natürlich die Band Madrugada, um nur einige zu nennen.

Dass er nun, mit vierzig Jahren, sein erstes Soloalbum aufgenommen hat, war also quasi längst überfällig. Ganz wie es sich für den charismatischen, aber zurückhaltenden Schlagzeuger gehört, macht »ROLLING BOMBER« freilich keinen Wirbel. Zudem ist bemerkenswert, dass er nicht nur auf Stargäste verzichtet, sondern alle Stücke komplett im Alleingang aufgenommen hat. Das hört man dem Album jedoch überhaupt nicht an: Wer langweiliges Schlagzeuger-Muckertum erwartet, ist so sehr auf dem Holzweg wie nur möglich und verpasst eines der bislang besten Alben beim kleinen Label Hubro.

Mindestens sechzehn verschiedene Instrumente, so listet das Cover, spielte Dahlen bei den Aufnahmen in einer verlassenen Kaffeefabrik in Oslo im Februar und April 2011; darunter ein Slingerland-Rollingbomber-Schlagzeug aus den 1940er Jahren, einen batteriebetriebenen Schlagzeugaffen, Gongs, Glocken, Kalimba und natürlich die Singende Säge. Die Gesamtstimmung ist entspannt und freewheeling, wie man es bei nur dreitägigen Aufnahmesessions kaum vermuten würde. Latent introspektiv, aber nie sentimental entfaltet »ROLLING BOMBER« einen reichen, sehr eigenen Kosmos von Einflüssen und Stilelementen. Nur punktuell gibt sich Dahlen exaltiert, etwa wenn sich das abschließende »Germany« zu einer mitreißenden Krautrock-Hommage aufschwingt, die vielleicht von den Höhepunkten der Zusammenarbeit auf Molværs letztem Album geprägt ist. (ijb)



Siehe auch:
Nils Petter Molvær
Madrugada
Kaada
Westaman

Erland Dahlen: Rolling Bomber

   

Clocks
(2017, Hubro/Grappa HUBROCD2595)

Auch auf seinem dritten Album spielt Erland Dahlen wieder alle Instrumente allein, rund zwei Dutzend an der Zahl, darunter Murmeln, Gabeln, Messer und natürlich die singende Säge, die wie gewohnt einen tragenden Platz bekommt. Wie der Norweger es schafft, dass seine sechs teils langen Stücke dennoch niemals artifiziell, konstruiert oder akademisch erscheinen, sondern so organisch, als würden sie von einer realen Band gespielt werden, das bleibt auch auf »CLOCKS« ein Mysterium. Dahlen, mit der Erfahrung in ungezählten, unterschiedlichsten Bandgefügen, hat einfach das richtige Händchen.

Stilistisch hat sich nicht viel geändert seit dem energischen »BLOSSOM BELLS«, doch Erlands Kompositionen sind sogar noch reichhaltiger geworden, noch verflochtener und zugleich leichter. Das eröffnende Titelstück, mit knapp acht Minuten Laufzeit das längste der CD, bringt das schön auf den Punkt, erinnert an »Krautrock«, auf eine fast ätherische Weise freilich. Ähnlich changieren alle Stücke zwischen schillerndem Postrock und verspielt-verschachtelter Improvisation. Und wenn Dahlen, der Perkussionsmeister, auch in erster Linie mit Rhythmus arbeitet, diese 6 Songs sind ebenso melodisch wie stimmungsvoll. (ijb)

Audio-Link

   

Blossom Bells
(2015, Hubro/Grappa HUBROCD2525 /LP3556)

Erlands zweites Soloalbum steht dem Debüt in nichts nach: Wiederum spielte der Multiinstrumentalist, der schon auf bestimmt 250 Alben mitgewirkt hat, alle Instrumente selbst ein. Sogar mehr noch als bei »ROLLING BOMBER« sind es hier, und so wurden die Songs etwas energetischer, wilder, rockiger. Dahlen ist ein Meister des Rhythmus. Er versteht es, geradlinige, vor allem auch populäre Musik (ob Jazz, Rock, Pop oder Schnittmengen daraus) durch raffinierte Wendungen und kunstfertige Einfälle aus der Durchschnittlichkeit zu heben.

Dass dieses Können oft nicht genug gefordert wird, zeigt der unbändige Ideenreichtum von »BLOSSOM BELLS«. Wer weiß, wo Dahlen wieder die seltsamen Gerätschaften und Instrumente aufgetrieben hat... auf dem Flohmarkt, bei Ebay, beim Sperrmüll... Nicht alle Stücke überzeugen als starke Songs so sehr wie zum Beispiel der fantasievolle »Free-Rock« in »Pipe«. »Knife« gefällt als Vorstufe zu einer Chicago-Postrock-Nummer mit zauberhaft verzerrter Thurston-Moore-Gitarre und singender Säge, »Iron« gibt sich gleich ganz als Versuchslabor... doch muss man (ohne dies abwertend zu meinen) »BLOSSOM BELLS« gerade diese Ideen-Spielkisten-Mentalität sehr zugute halten. (ijb)



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