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Alle Rezensionen zu Knut Bjørnar Asphol
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Wilderness Exit
(2013, India Records 471138-2)

»WILDERNESS EXIT« führt im ersten Teil erst einmal den eingängigen, Ambient-Jazz mit elektronischem Anstrich von »Mnemonic« fort, auch indem jedes Stück mit einem anderen Stargast aufwartet (Helge Lien, Nils Petter Molvær, Stian Carstensen). Der Eindruck von »Kennwadochschon« kommt auf, und etwas Enttäuschung stellt sich ein. Doch dass Asphol einen stärkeren Band-Ansatz verfolgt als noch beim stärker DIY-angelegten »Mnemonic«, tut gut: Bassist Westergaard und Drummer Lofthus verleihen einigen Songs knackige Rhythmuspassagen.

Und dann erweitert Asphol seinen Kosmos gegenüber dem Vorgänger mit beeindruckenden Farben und Stilen. Richtig spannend wird's im zweiten Teil, wenn der Gitarrist mit indischen Musikern in über zehn Minuten langen Stücken die große Verbindung verschiedener Welten anstrebt. Da schwingt sich »WILDERNESS EXIT« zu so vielschichtigen wie unverhofften Höhen auf und erfüllt, was »Mnemonic« vage zu versprechen meinte.

Mantraartige Streicher oder facettenreiche Kompositionen, die nicht sofort zu durchschauen sind, aber sofort faszinieren: Die beiden längsten Stücke (4+5) sind die besten. Dass Asphol leider manchmal noch immer zu sehr in die Klischeekiste von Mainstream-E-Gitarren-Schmalz und mittelasiatischen Melodien greift (auch Titel wie »Superorganic« sind da streitbar), wirft die Frage auf, ob es die richtige Entscheidung ist, alles selbst zu produzieren, aufzunehmen und zu mixen. Der Blick einer fordernden und filternden Regie könnte Asphols nächstes Album zu einem Sprung ganz nach oben werden lassen. (ijb)



Siehe auch:
Ragatronic (Harpreet Bansal & Knut Bjørnar Asphol)
Nils Petter Molvær
Helge Lien
Stian Carstensen

Knut Bjørnar Asphol: Wilderness Exit

Audio-Link Video-Link

   

The Awakening
(2017, Labels & Gentlemen LAG124)

War schon »TABLOID RED« ein fokussiert produziertes Opus in souveränem Understatement, reduziert Knut Bjørnar Asphol seinen Ambient Jazz bereits ein Jahr später noch weiter. Nachdem zuletzt mit Jan Bangs Produktion und Erik Honorés Mitwirkung diverse Gastmusiker minimalistische Stücke zum Schweben brachten, ist der Nachfolger »THE AWAKENING« nun ein echtes Soloalbum: selbst produziert, allein eingespielt. Und Asphol setzt das intensive Niveau fort, auch wenn es vielleicht den Eindruck hinterlässt, mehr ein stilles Nachwort zu »TABLOID RED« zu sein, nicht zuletzt weil die visuelle Gestaltung mit den stimmungsvollen Chiaroscuro-Fotografien in die gleiche Richtung gehen.

Ob Asphol mit dem Titel »Das Erwachen« im künstlerischen Sinne auf ein Konzeptalbum hinweisen möchte? Mit den intimen Klangraum-Bildern, die er mit seinen Gitarren und vermutlich ein paar atmosphärischen Samples malt, emanzipiert er sich jedenfalls von seinen Einflüssen. Indem er hier punktuell fremde Stimmen – Frida Amundsen und PostScriptum-Sänger Petter Skippervold – aufschimmern lässt, die kurze Verse vortragen, verstärkt er die traumhafte Welt dieser Kompositionen – und zeichnet ein wunderbar poetisches Nachtalbum. (ijb)



Siehe auch:
PostScriptum

   

Tabloid Red
(2016, India Records 471194-2)

Man könnte gerade annehmen, dass Knut Bjørnar Asphol sich den Ratschlag am Ende unserer vorigen Rezension zu seiner starken NuJazz-Platte »WILDERNESS EXIT« zu Herzen genommen, als er sich für den Nachfolger mit Jan Bang in dessen Punkt Studio in Kristiansand begab. Und noch mehr: »TABLOID RED« könnte man als eine Art Fortsetzung von Bangs leisem Projekt »DREAM LOGIC« begreifen, das er mit Eivind Aarset für ECM produzierte: In beiden Fällen sind sowohl Jazz als als Rock, mit deren Material Aarset und Asphol arbeiten, weit entfernt. Eher schon liegt der Vergleich mit Brian Enos atmosphärischsten, sanft dahinwehenden Ambientwerken nahe.

Wie »DREAM LOGIC« entstand auch »TABLOID RED« vorrangig zu zweit im Studio, und es müssen ruhige, fokussierte Sessions gewesen sein: Knut an der Gitarre, Jan und Erik (Honoré) in gewohnt organischer Kollaboration an den Samplern, und hin und wieder schaute mal ein Gast vorbei, dessen Auftritt sanft in den ruhig dahingleitenden Mix eingebettet wurde: Harpreet Bansal (Violine), André Kassen (Sax) oder Torstein Lofthus (Schlagzeug). Ein charmanter Richtungswechsel, poetische Melancholie. (ijb)



Siehe auch:
Jan Bang
Bang, Aarset, Henriksen & Hamasyan
Harpreet Bansal
Torstein Lofthus

   

Mnemonic
(2012, India Records 471104-2)

Das Coverfoto zeigt ein Norwegenbild, wie man es sich eindrucksvoller kaum vorstellen kann. Eindrucksvoll, aber auch totales Klischee. Und dann stellt man fest: der Künstler lebt in Polen, und seine übrigen Bilder sehen alle genauso aus. Naja, so in etwa kommt leider auch die Musik auf der CD rüber. In einigen Passagen recht erstaunlich, aber alles kennt man besser von Kollegen. Immerhin: es raunt schon mal nicht so dunkel und traumhaft, wie das Cover erwarten lässt. Nein, eher etwas seicht und glatt, »nett« könnte man auch sagen. Besonders nett trällert das Lied »Atmosphere« mit Gastsängerin und -violinistin Sigrey – um genau zu sein ist es der künstlerische Tiefpunkt der gut einstündigen Platte, urgs, sehr trivial.

Doch das ist nicht schlimm: danach gehts wieder bergauf. Die acht Songs ziehen sich über sieben bis fast elf Minuten hin, wobei aus Fairness darauf hingewiesen werden muss, dass »Jazz« nicht die ideale Kategorie ist: Tatsächlich gestaltet Asphol eine verhältnismäßig ambiente, oft elektronische Melancholie, die im schlechtesten Fall in New-Age-Beliebigkeit versinkt, streckenweise spielt er gar mit orientalischen Färbungen. Bei »Spaces« wiederum hört man vom ersten Moment an, dass Arve Henriksen die Trompete bläst, ja, er macht das Stück auch erst zu einem hörbaren. Ohne seine Mitwirkung bleibt da ein relativ oberflächliches Musizieren nach Zahlen.

Für ein Debüt ist das absolut okay; in der Tradition von, genau, Henriksen, Aarset oder Rypdal – aber doch poppiger als diese, d.h. eingängige Melodien und Rhythmussektionen, etwas flach und recht auf Effekt gebürstete Produktion. Asphol war gerade wieder im Studio. Sein zweites Album wird sicher besser. »MNEMONIC« kann man gut hören, sollte aber nicht erwarten, vom Hocker gehauen zu werden. Dann ist alles bestens. (ijb)



Siehe auch:
Arve Henriksen
Mathias Eick
Eivind Aarset
Terje Rypdal

Video-Link



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