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Alle Rezensionen zu Samuel Hällkvist
(Genre »Jazz«, Land »Grenzgänger«)

 

Variety of Loud
(2012, Boogie Post Recordings BPCD013)

Gitarrist Samuel Hällkvist, dessen Musik vor allem im Jazzbereich rezipiert und gelobt wird, argumentierte resolut, die Gitarre habe im Jazz nichts verloren. Er begründete das damit, dass dieses Instrument Kraft und Energie benötige, die Musiker aber meist zu gemütlich oder zahm seien; weshalb die Ergebnisse eher technisch als musikalisch bzw. künstlerisch überzeugten. Im Allgemeinen fällt es in der Tat nicht schwer, dem zuzustimmen. Zu oft fehlt Jazzgitarristen (zumindest auf versierten Studioaufnahmen) etwas Feuer unterm Hintern.

Doch hat sich der 1979 geborene Schwede Hällkvist aufgemacht, gegen seine eigenen Überzeugungen anzukämpfen. Und bereits sein letztes Album, auf dem er sein Quartett »Center« vorstellte, überzeugte durch eine energiegeladene, mitreißende Vitalität, die alle Genregrenzen ignorierte. Für »VARIETY OF LOUD« nahm er sich nicht nur mehr Zeit und setzte mit international arrivierten Musikern eine nahezu abwegig erscheinende Band zusammen, sondern kann »Center« direkt mit links toppen.

Mit den Drummern Pat Mastelotto (King Crimson) und Stefan Pasborg (ILK), Keyboarder/Pianist Pete Drungle (Ornette Coleman) und Performancekünstlerin Mai Ueda arrangierte Hällkvist einen kraftvollen, sehr rhythmischen Stilmix, der als Jazz und (Progressive) Rock so sehr und so ungenügend kategorisiert wäre wie als asiatisch-traditionelle Trancemusik oder neuartige Club&Dance-Tracks. All das beweist schon der Opener »Kill the Road« eindrucksvoll. Dass Hällkvist laut eigener Aussage lieber Country und andere traditionelle US-amerikanische Musikstile hört als Jazz, wird etwa in »Wigwam« und »2D Sunset« (wieder) recht deutlich; doch welche polyrhythmischen und multistilistischen Bastarde er daraus bastelt, geht weit über deren Ursprünge hinaus. »VARIETY OF LOUD« ist eine hyperaktive, manchmal kurz vor dem Wahnsinn stehende Wundertüte, die so chaotisch wild wie doch klar strukturiert erscheinen kann, je nach Tageslaune. Bald ist Samuel Hällkvist dann hoffentlich auf John Zorns Label zu finden. Hällkvist hat und macht Feuer unterm Hintern! (ijb)



Siehe auch:
Samuel Hällkvist Center
Rhododendron String Band
Linda Kallerdahl
Delirium

Samuel Hällkvist: Variety of Loud

Audio-Link Offizielle Website

Offizielle Website      samuelhallkvist.com

   

Variety Of Live
(2015, Boogie Post Recordings BPCD 020)

Gute Musik kann nerven! Das trifft auch auf Samuel Hällkvist zu. Diese – seine fünfte – CD basiert auf Live-Aufnahmen in Göteborg, Halmstad und Malmö, wo der schwedische Gitarrist und Klangbastler sein Programm »Variety Of Loud« spielte. Darüber legt er zusätzliche Overdub-Aufnahmen von Sängerinnen und Bläsern.

Problemlos kann man Hällkvist in die Fusion/Prog-Rock-Schublade verorten, recht nah bei King Crimson, Allan Holdsworth und Robert Fripp – mit anderen Worten: hier tanzen allenfalls die Synapsen im Gehirn. Allerdings verzichtet Hällkvist erfreulicher Weise auf stundenlange Gitarrensoli, entlockt seinem Instrument stattdessen ungewöhnliche Sounds. Natürlich ist das alles hoch virtuos gespielt und noch weitaus virtuoser erdacht, und könnte von der Sache her auch ein paar Jahrzehnte älter sein. Klanglich natürlich nicht, er bedient sich moderner Elektronik sowie kompetenten Sidemen wie Qarin Wikström (voice, key), Guy Pratt (u.a. Tour-Bassist bei Pink Floyd und Madonna) und Stefan Pasborg (dr). »Heru-Ra-ha / Road« erinnert zunächst gar an Alan Parsons, bis es im zweiten Teil eindeutig japanisch wird – nicht zuletzt durch eine Vokalistin aus Japan –, das Land hat es ihm ohnehin angetan. Also doch sehr interessant, was Hällkvist hier macht: Nervige Musik kann nämlich gut sein. (tjk)

   

Return to Center
(2013, Boogie Post Recordings/Plugged Music BPCD018)

Samuel Hällkvists drittes Album unter seinem eigenen Namen ist bestrebt, die vielen verschiedenen Seiten seiner musikalischen Persönlichkeit unter einen Hut zu kriegen. Da sind die fünf Stücke mit seinem Jazz-meets-Rock-Quartett Center, im Oktober 2012 in Berlin erarbeitet und eingespielt, die beiden bereits als Single »Greatest Hits« (!) im Duo Pat (Mastelotto) & Sam veröffentlichten Tracks mit Banjo, Ukulele, Mandoline und diversen elektronischen Elementen, zwei Stücke mit der spanischen Sängerin und Violinistin Elena Setien, die ein wenig an Laurie Anderson erinnert, und noch eine ganze Menge weitere Duos verschiedenster, ideensprühender Art.

Ganz jazzig eingesammelt sind diese 15 Stücke also. Ihnen liegt dabei meist eine programmierte Basis elektronisch-rhythmischer Natur zugrunde, zu der er die vielfältigen Gäste einlädt, etwas beizutragen. So kann es dann auch mal vorkommen, dass Hans Appelqvist auf einem fetzigen Center-Stück mit Nils Bergs Bassklarinette und üppiger Percussion an der Schranktür gastiert. Erwarten Sie also nicht zu viel Jazz - erwarten Sie ein Panoptikum zwischen den Stühlen. (ijb)



Siehe auch:
Hans Appelqvist
Nils Berg
Paulo Chagas, Samuel Hällkvist & Stephan Sieben

Audio-Link Video-Link



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