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Alle Rezensionen zu Nils Bech
(Genre »Pop«, Land »Norwegen«)

 

Look Inside
(2012, Fysisk Format/Musikkoperatørene FY064CD)

Sind die schmachtenden Gefühle der Operettenarie überhaupt noch zeitgemäß? Unbedingt, wenn sie wie bei Nils Bech im elektronischen Kunstlied-Modus auftreten! Auf »LOOK INSIDE«, dem zweiten Album des jungen norwegischen Musikers, treffen diese scheinbar wesensfremden musikalischen Stile zusammen, ohne dass es dabei zur misstönenden Karambolage käme. Und mit dem gepflegten Melodrama allein mag sich der Nachwuchs-Gentleman aus Oslo nicht zufriedengeben: Zu den hier versammeltem Gastmusikern gehören auch die Elektronik-Produzenten Ost & Kjex oder der zeitgenössische Klassik-Komponist Henrik Moe. Mit Unterschieden zwischen E- und U-Musik hält sich Bech aber nicht lange auf: Er konzentriert sich viel lieber auf feinen Zwischentöne, die aus dem Dampf überhitzter Gefühle aufsteigen. Unterkühlt schwül, das!

»LOOK INSIDE« ist bewusst als Album aufgebaut, das die Geschichte einer Beziehung erzählt, mit allen emotionalen Achterbahnfahrten bis zum Finden einer neuen Liebe. Bech singt mit zurückgenommenem Pathos und einem unüberhörbaren norwegischen Akzent. Obwohl die Grundstimmung eher verhangen ist und die emotionalen Zustände bisweilen an Verzweiflung grenzen, entsteht hier in diesen nur scheinbar komplizierten Songs wie »Breaking Patterns« eine unbestreitbare Wärme, zu der sich das Herz sehnsüchtig zusammenzieht. Hach, zu viel Gefühl tut bisweilen gut! (emv)

Nils Bech: Look Inside

Offizielle Website

Die CD »Look Inside« war »CD des Monats« im Monat 1 / 2013.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Jaja, vui zvui Gfui! Liebe Eva-Maria, die Botschaft hör ich wohl, allein es fehlt der Glaube! Ich verabscheue ja normalerweise Mutantenstadl, Dixieland und Punk, aber hier rufe ich laut: wo sind die Sex Pistols, wenn man sie mal braucht? Oder noch kürzer gesagt: Ich finde das grauenhaft.
Tim Jonathan Kleinecke

Ich muss gestehen, dass bei mir der Nils zumindest widersprüchliche Gefühle provoziert. Äußerst stimmungsabhängig. Manchentags werde ich davon ebenso genervt wie Tim, doch andererseits ist Bechs extreme Unvoreingenommenheit grandios und nicht geringzuschätzen. Kein Popkram für alle Tage, doch von solchen Verrückten gibt's echt zu wenige.
Ingo J. Biermann

Nils Bech darf man allein für das Experiment schon loben. Raus aus den Schubladen drängt's die Skandinavier ja oft, aber diesen Spagat habe ich bisher noch nicht gehört. Klar, bisschen klebrig ist das schon - aber so süßer Kram in Maßen ist definitiv nicht ungesund!
Sebastian Pantel

Meint der das ernst oder ironisch, so denkt man bei den ersten Tönen. Eine zwischen Falsett und Tenor pendelnde Stimme mit Akzent, die schmachtet, aber eben auch distanziert bleibt. Wären nicht all das Elektronik-Gefrickel und Gezappel dazwischen, könnte es nerven. So aber: ja, das hat was!
Peter Bickel

Offizielle Website      www.nilsbech.com

   

Echo
(2016, Fysisk Format/DFA FY097CD / DFA2504)

Mit seinem neuen Album ist der norwegische Anti-Popstar beim renommierten US-Label DFA angekommen, Heimat von Szenelieblingen wie LCD Soundsystem und Factory Floor. Und tatsächlich passt der eigenwillige Popavantgardist dort ziemlich gut zwischen vergleichbare, z.T. »queere« Kolleg*innen wie Sinkane und Planningtorock. Auch die kantige Elektronik von Arca und FKA Twigs ist sehr nah an »ECHO«, mit dem Bech nämlich eine stilistische Wende, weg vom seltsamen Kammermusik-Pop, hin zu einem deutlich elektronischeren und beatlastigen Stil macht.

Der oper(ette)nhafte Gesang ist zwar geblieben, doch durch die Verbindung mit den unkonventionellen Sounds zwischen Achtzigern und sehr Gegenwärtigem entsteht eine surreale und oftmals technoide Klangwelt – Spandau Ballett meets Twigs/Lafawndah/LE1F. Letzterer hat wie Nils Bech auf die Ideen von Producer Drippin zurückgegriffen. So sind Songs wie »Too Little Too Late« nicht allzu weit von Post-RnB-Tracks von The Weeknd entfernt, der im übrigen wiederum ebenfalls schon großzügig die Maschinengewehr-Beats von Portisheads drittem Album kopiert hat, die wir hier in »Please Stay« wiederfinden. Dennoch: Trotz Referenzen punktet »ECHO« durchweg mit Fantasie und Eigenwille in Form von klasse Songs.

Vorder-, Rück- und Innenseiten der CD sind bereits mit einer adäquat merkwürdigen Bildmixtur gestaltet, vermeiden nicht nur, den Interpreten und den Albumtitel zu nennen, und der kleine Beipackzettel liefert zwar Credits, aber nirgendwo eine Tracklist mit Songtiteln. Ein Plädoyer für digitale Audioformate wie Downloads und Streaming? (ijb)

Audio-Link



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