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Alle Rezensionen zu Sandra Kolstad
(Genre »Pop«, Land »Norwegen«)

 

San Silva
(2017, Fanfare)

Mit Sandra Kolstad verhält es sich ein wenig so wie im Andersen-Märchen »Des Kaisers neue Kleider«: Um das neue Album »SAN SILVA« wird ein solches Tamtam veranstaltet, wirbeln die Namen bekannter musikalischer Mitstreiter wie Konfetti durch die Luft und wird ein intellektueller Überbau errichtet, dass man denkt: »Hui, hui, hui!«: Hier geschehen große Dinge. Die exaltierte norwegische Chanteuse trägt auf dem Drittling in bewährter Art dick auf und zelebriert einen schwüle Disco-Dance-Atmosphäre. »Bumm, bumm, bumm«!, bullert der Drumcomputer. Spätestens nach dem dritten Song stöhne ich laut »aua, aua, aua!« Sei doch bitte nicht so penetrant, liebe Sandra! Du bist viel zu anstrengend! Mach doch nicht so einen Wind um ein laues Lüftchen! Denn deine Songs klingen irgendwie alle gleich. Und dass das Album ein utopisches Manifest für eine bessere Welt sein soll: Gehts vielleicht auch eine Nummer kleiner?

Keine Frage: Songs wie die überkandidelte Liebeserklärung »The Great Unknown« oder balladigere Tracks wie »Death By Water« sind alle perfekt produziert und arrangiert. Aber allerspätestens beim Song über das Hindenburg-Desaster, also den Brand des deutschen Zeppelins im Jahr 1937 mit 36 Toten, wird es richtig peinlich. Soll ein heute fast vergessenes Unglück im Vorfeld des zweiten Weltkriegs uns wirklich aufrütteln? Dass auf dem Album honorige Kollegen wie die norwegische Soulpopsterin Miss Tati, der dänische Crooner Asbjørn und Stephan Stephanson von den isländischen Meistern Gus Gus mitmischen, macht die Sache auch nicht wirklich besser. Kommen wir zurück zum Märchen Hans Christian Andersen: Ganz am Ende ruft ein Kind: »Aber er hat ja gar keine Kleider an, der Kaiser!« Genau so verhält es sich mit Sandra Kolstad: Ohne all das »Bling Bling Bling« (ein passend gewählter Songtitel des Albums!) steht die Chanteuse ganz schön nackig da. (emv)



Siehe auch:
Gus Gus
Asbjørn

Sandra Kolstad: San Silva

Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      www.sandrakolstad.com

   

Zero Gravity State Of Mind
(2014, Red Eye Transit Records)

Sandra Kolstad ist eine unterkühlte Drama Queen. Eine arktische Kunstfigur, giftgrün blubbernd wie Zaubertrank. Und die ehrgeizige Eiskönigin sowieso, die sich auf ihrem dritten Album »ZERO GRAVITY STATE OF MIND« viel vorgenommen hat: Möglichst viele Facetten ihres Könnens zu zeigen! Folglich nimmt sie die Hörer mit auf einen kleinen Höllenritt auf der Glitzerkugell zwischen Geisterbahn und Achterbahn, mit kleinen beruhigenden Abstechern in die Kirmes-Teestube, wenn es in reduzierten Piano-Balladen wie »Roots« schon fast beschaulich wird. Uff!Wer keine Überraschungen mag, ist hier fehl am Platz.

Eine Diva ist Sandra Kolstad natürlich auch! Die souverän mit den Emotionen des Publikums spielt. Schwüle Elektronik-Discotöne ebenso beherrscht wie freejazzige Anklänge im experimentellen Track »Valerie«. Wo sie mit der girrenden Stimme übrigens schon fast björdesk klingt. Duett mit sonorer Männerstimme, gleichsam ein Mini-Schlagabtausch der Geschlechter, beherrscht sie im balladigen »Earthquake« natürlich auch. Vom campigen Melodram in »Benjamin« ganz zu schweigen. Was diese Frau so alles kann! Mitunter auf diesem Drittling fast schon zu viel! (emv)

   

(Nothing Lasts) Forever
(2013, Trust Me Records/Phonofile LC TMR040)

Sandra Kolstad ist ein Charakterkopf. Sie möchte sich vom Einheitsallerlei absetzen, aber auch hörbar sein im aktuellen Popgeschehen und der Club- und Kulturszene. Ihre Auftritte, Videos und Songs waren bislang vielversprechend und facettenreich. Viele dürften jüngst durch ihre Single »Run Away (Where Are We)« und das surreale Video auf sie aufmerksam geworden sein. Diesen tanzbaren Elektro-Pophit kann man mögen, die Kinderkeyboardsounds allerdings sind sicherlich nicht für jeden das Gelbe vom Ei.

Auf dem Album gibt es etwas mehr davon. Wirken die ersten paar Songs noch wie eine nette Einleitung zum Hit und zu einer knappen Handvoll ähnlicher tanzbarer Ideen, verliert die CD über die Gesamtlänge dann zunehmend an Fokus und Energie. Manches ist nett, aber ein bisschen altbacken, und bald setzen ordentliche Ermüdungserscheinungen ein; kaum etwas wirkt originär, eher wie ein Aufguss von Hits von 1985 - Melodien, Sounds, Rhythmus, Gesang hat man in dieser Form schon in damals tausendfach gehört. »Do The Dive« irritiert kurz, wenn Hip-Hopper Son Of Light die Phrase »Gravity Animals« einwirft; hier erinnert Kolstad an die Dancefloor-Mucke der ersten Hälfte der 1990er.

Gute Platte also für Ü30- oder Ü40-Parties mit Discohits von 1985 bis 1995; da wird keinem auffallen, dass die Musik tatsächlich gar nicht aus jener Zeit stammt. Zum Ende hin verliert sich Kolstad leider in einem Murks aus überladenem, ziellosem Gedudel (»Pure«, »The Edge«). Auch beim wiederholten Hören bleibt nichts im Ohr hängen; die wenigen Höhepunkte versinken im Lalala.Der Musik und der Produktion fehlt es schließlich ausgerechnet an Charakter. Das ist in der Tat ein wenig schade, da Sandra Kolstad offenkundig sowohl als Live-Performer als auch in feministischen Kommentaren (siehe Video-Debatte) begeistert, aber mit diesem Album nicht recht durch Persönlichkeit zu überzeugen vermag. (ijb)



Siehe auch:
The Knife

Video-Link



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