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Alle Rezensionen zu Fire! Orchestra
(Genre »Avantgarde«, Land »Schweden«)

 

Exit!
(2013, Rune Grammofon RCD 2138)

Was wird wohl passieren, wenn die Ein-Mann-Bigband Mats Gustafsson (Saxofon) sein Trio (Fire!) zu einer echten Bigband aufpumpt und darin 30 Schweden versammelt, die die besten Zeugnisse vorweisen können in den Fächern Freejazz, Rock und Avantgarde? Nun ja, so etwas wie eine klangliche Supernova. Allerdings, und das erkennt man staunend beim zweiten Hören nach der ersten Überwältigung, eine, die ebenso fein errechnet und ausbalanciert wie dann anschließend mit Wucht losgelassen wurde.

Vier Drummer. Vier Bassisten. Ein apokalyptischer Bläsersatz. Die unerhörten Vokalistinnen Mariam Wallentin und Sofia Jernberg, die ihre Stimme peitschen und durch Mikrointervallskalen quetschen. Das Geschrei von Gitarren und Live-Elektronik. Dazu seltsam eindringliche Lyrics von Arnold de Boer (The Ex). Dieses Gemisch zündet im Verlauf der zwei Halbstunden-Tracks in ganz verschiedene Richtungen: krautrockoger Beginn. Extatischer Gruppenfreejazz. Diebstähle aus den Klanglabors der Neuen Musik. Hymnische Rock-Töne. Avantgardistisches Gefrickel mit Ton- und Stimmbändern, Knöpfchen und Tasten.

Im Fylkingen, Stockholmer Avantgarde-Musikcenter, vor einem - so liest man - überwältigten Publikum aufgenommen, punktet die CD neben der musikalischen Offenbarung auch durch einen extrem brillanten Sound: Auch mitten im größten Chaos bleiben verblüffender Weise zahlreiche Einzelstimmen hörbar, wie mit dem Verfolgerscheinwerfer rückt der Mix mal Stimmen, mal den Konzertflügel, mal ein Saxophon ins Rampenlicht. Eine Stunde Rausch, und das glasklar. "Exit" drückt auf dem CD-Player so schnell keiner mehr. (sep)



Siehe auch:
Fire!
Tape
The Thing
Wildbirds & Peacedrums

 Fire! Orchestra: Exit!

   

Ritual
(2016, Rune Grammofon/Grappa RCD2182)

Schön, dass die drei Schweden so produktiv sind: Auf das fünfte FIRE!-Album folgt unmittelbar schon die vierte Platte ihres Fire! Orchestras. In ihrer verhältnismäßig kurzen Zeit des Bestehens haben FIRE! (auch als Orchestra) zudem bereits Kollegen zu eigenen Projekten inspiriert. So gibt es beispielsweise zwei Überschneidungen mit der Besetzung von Paal Nilssen-Loves 14-köpfiger Large Unit, einer Truppe, die sicherlich nach dem Vorbild des schwedischen Free-Jazzorchesters (mit norwegischen, dänischen und französischen Mitgliedern) angelegt wurde. Doch Fire! Orchestra sind mehr: Mehr Leute, mehr Gesang, mehr Stars. Auch wenn sie auf Album Nummer vier weniger Mitglieder und weniger Spektakel liefern als etwa auf den ersten beiden.

Zumindest relativ: Auch wenn es auf »RITUAL« in »Part 3« eine tolle Noise-Passage gibt, insgesamt – vor allem in der zweiten Hälfte des fünfteiligen Opus – klingt die Musik schon eher luftig und transparent. Durch den zunehmend eingängigen Gesang von Mariam Wallentin und Sofia Jernberg ist »RITUAL« streckenweise zudem geradezu ein Popalbum geworden. Liest man, dass die 54-minütige CD an zwei Tagen im Studio eingespielt wurde, unterschätzt man jedoch schnell die hohe Komplexität und Ambition dieser Musik, die zwar auch spontane Episoden bietet, insgesamt aber genial fantasievoll und ausgeklügelt angelegt ist. (ijb)



Siehe auch:
Large Unit
Hild Sofie Tafjord
Lotte Anker
Mats Äleklint: Je Suis!

Audio-Link

   

Enter
(2014, Rune Grammofon RCD2158)

Dem Debüt namens »Exit« folgt der Nachfolger »ENTER«, was sich wohl damut erklären lässt, dass man sich zur Einspielung des Zweitlings ins Studio begeben hat, während »Exit« draußen auf der Bühne mitgeschnitten wurde. Dass »ENTER« nun ruhiger und intimer geworden wäre, stellt sich zwar schnell als Irrglaube heraus, gleichwohl beeindruckt nun noch mehr als zuvor, wie in Form von vier Stücken die Grenze zwischen Lied und (Free) Jazz grandios aufgelöst wird. Die Texte stammen dabei aus der Feder Mariam Wallentins, deren Auftritt denn auch merklich an ihre anderen Bands erinnert.

Simon Ohlssons Gesang wiederum kann man versehentlich für einen Gastauftritt David Byrnes halten; keine schlechte Assoziation im übrigen. Allein ist ein wenig bedauerlich, dass gegenüber der einen Stimme durch den Mix phasenweise 25 andere Musiker zum Background degradiert werden. Das wird der Vielfalt des Ensembles nicht vollkommen gerecht. Trotz allem muss man festhalten: Fire! Orchestra sind die derzeit wohl beste Band im Portfolio von Rune Grammofon. Einen vergleichbar vielschichtig-expressiven Wahnsinn zaubert keine andere Band. (ijb)



Siehe auch:
Mariam The Believer
Magnus Broo
Niklas Barnö / Kege Snö
Sofia Jernberg & David Stackenäs

Audio-Link



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