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Alle Rezensionen zu Kira Skov (aka Kira)
(Genre »Rock«, Land »Dänemark«)

 

The Echo of you
(2018, Stunt/New Arts International STUCD18052 / LP18051)

Bereits Kiras letzte Alben waren schleppend, dunkel und melancholisch, ihr hervorragendes Duo-Projekt mit Maria Faust gar düster und abgründig. Nun erscheint der vierte Teil einer Albenserie mit dem englischen Produzenten John Parish, und auch wenn alle drei fast wie aus einem Guss wirken, merkt man bei »THE ECHO OF YOU« sofort, dass die Melancholie keine Pose (mehr) ist; nun ist es ernst, todernst muss man sagen. Denn Frau Skov, sie schreibt nun erstmals ihren Nachnamen aufs Cover eines Soloalbums, ging im Dezember 2017, ein knappes Jahr nach dem dem Tod ihres Lebenspartners – Bassist Nicolai Munch-Hansen starb am 20. Februar – wieder mit Parish und ihrer Band ins Studio. Durchweg zeigt sich Kira Skov in ihren Texten und ihrem Gesang mit roher Emotionalität, oft leise und poetisch, doch in allen Songs karg und ungeschminkt, wie sie es nie zuvor getan hat.

Zu viele Textpassagen sind bewegend und treffen ins Herz, als dass sich einzelne Zitate herausnehmen ließen; Referenzen zu Drogen und Alkohol (der 39-jährige Munch-Hansen hatte offenbar zu viel davon konsumiert), zur gemeinsamen Geschichte, den gemeinsamen Kindern und zum keineswegs immer perfekten Zusammenleben ziehen sich durch die Songs. Eigentlich sind alle tieftraurig, nur durch ein etwas leichteres Tempo werden drei der niederschmetterndsten Stücke, »Everything reminds me of you« mit dem Abschied »Goodbye, so long«, die Verzweiflung in »Supernatural Ecstasy« und das abschließende, geradezu bitter-heitere »I tried to look into your Eyes in a Photograph today«, etwas weniger trist und damit nicht nur erträglich, sondern tatsächlich kathartisch. Bewegend sind darüber hinaus nicht nur die in vier Songs auftauchenden, raffiniert-verhaltenen, berückenden Streicherarrangements von Maria Faust und die punktuell, fast verborgene Stimme von Bonnie »Prince« Billy, der sozusagen Kiras männliches Gegenüber in diesem intimen Liedzyklus bildet. Meisterhaft und mit jedem Hören tief berührend, Kiras Skovs bestes Album ihrer Karriere. (ijb)



Siehe auch:
Kira Skov / Maria Faust
Kira & The Kindred Spirits
Kira Skov & Marie Fisker
Nicolai Munch-Hansen

Kira Skov (aka Kira): The Echo of you

Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      www.kiramusic.com

   

May Your Mind Explode A Blossom Tree
(2016, Stunt/New Arts International STUCD15142, -LP15141)

Konnte man Kiras vorigem Album »When we were gentle« noch eine deutliche Bewunderung für PJ Harveys Werk anmerken, weshalb die Dänin immerhin ihren Produzenten John Parish angefragt hatte, hat sie sich zwischenzeitlich davon entfernt. PJ Harveys letztes Album liegt immerhin schon fünf Jahre zurück, und Frau Skov bringt in dieser Zeit hiermit bereits ihr fünftes Alben heraus: Neben einem in der Band Persona und dem »Cabin Project« mit Marie Fisker ist »MAY YOUR MIND EXPLODE A BLOSSOM TREE« die dritte CD, die schlicht unter ihrem Vornamen erscheint. Damit ist Kira Skovs Albumdiskografie nun umfangreicher als jene der britischen Sängerin.

Nicht ganz, aber doch einen Schritt weg von der PJ-Harvey-Verwandtschaft, hin zu mehr Blues geht es hier, getragen, trist, oft monochrom: Kira pflegt ihre Introspektion, eine zurückgezogene Nachdenklichkeit, die ja schon das zuletzt entstandene »Cabin Project« prägte. Nur manchmal kommt Licht herein, und Parishs typisch verschleppter Gitarrenstil hüllt die Songs in Eleganz, ohne sie zu glätten. Mit weniger Jazzfarben, aber auch weniger Vielseitigkeit als auf »When we were gentle« dominiert eine einheitliche, dunkle Atmosphäre, selbst wenn Kiras Band mit Simon Toldam, Nicolai Munch-Hansen, Oliver Hoiness und John Parish zwei Mal um ein Bläserquintett erweitert wird. Eine starke Grundstimmung, aber leider nicht so starke Songs. (ijb)

   

When We Were Gentle
(2013, Stunt/Sundance STUCD13152)

Nicht wenigen wird das Warten auf den Nachfolger zu PJ Harveys allseits gefeiertem Opus Magnum »Let England Shake« schon zu lange. Doch es gibt Abhilfe: Der durch ihre gemeinsamen Platten zu Ehren als Meisterproduzent avancierte John Parish veredelte 2013 drei exzellente Werke gar unterschiedlicher Sängerinnen: nach Jenny Hvals häufig zu den Topalben des Jahres gekürtem »Innocence is Kinky« und Rokia Traorés mit dem Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik prämierten »Beautiful Africa« erscheint Anfang 2014 seine zweite Kollaboration mit der 37-jährigen Kopenhagenerin Kira Skov, nicht mehr mit der Begleitband Kindred Spirits, sondern nur noch schlicht als Kira.

Neben Parish ist zentraler Partner dieser raffiniert zwischen »Indie« und jazziger Eleganz pendelnden Liedersammlung Kiras Ehemann Nicolai Munch-Hansen, vorrangig in der Jazzszene aktiv, der als Bassist und Co-Autor mitwirkt. Stark ist zudem das feine Keyboardspiel Simon Toldams, Oliver Hoiness’ vielseitig kraftvolle E-Gitarre und der Produzent, im Wechsel mit RJ Miller, am ruhigen Schlagzeug – ein unvergleichlich warm-kaltes, raues, heimeliges Parish-Bluesiges-Klangbild mit einfacher Instrumentierung.

Keines der Lieder reißt aus der eher nächtlich-schleppenden Melancholie. Schatten, Reflektionen, Ambivalenzen: Kira lässt uns nie in ihr Inneres, sondern lädt ein, sie ein paar Schritte zu begleiten, bei ihren Gedanken, ihren Melodien, und schon ist sie auch schon wieder weg, kaum zu greifen und doch ganz zauberhaft unerreichbar. Wahrscheinlich wird sie deshalb, trotz eines abwechslungsreichen Oeuvres, noch immer als Nachwuchshoffnung gehandelt. »WHEN WE WERE GENTLE« ist bereits ihr neuntes Album. Nun soll mir aber keiner klagen »Dit is doch nich die neue PJ Harvey, Mann.« Natürlich nicht. Die ist schon ganz woanders. Aber diese hier, ein bisschen zwischen »Is This Desire« und »White Chalk«, dies ist die neue Kira. Sie kommt aus Dänemark und ist kaum weniger interessant. (ijb)



Siehe auch:
Jenny Hval
Oliver Hoiness & Kenneth Knudsen
Simon Toldam



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