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Alle Rezensionen zu Highasakite
(Genre »Pop«, Land »Norwegen«)

 

Silent Treatment
(2014, Propeller Recordings)

Wo sind wir hier? Highasakite geben auf ihrem zweiten Album »SILENT TREATMENT« die bewussten Grenzgänger an den ausfransenden Rändern des Indiepop. Die Stimme von Sängerin Ingrid Helene Håvik irrlichtert irgendwo zwischen Eigensinn, Rauheit und Empfindsamkeit. Das Quintett aus Oslo bewegt sich mit katzengleicher Eleganz zwischen stylishen Synthiesounds, tribalen Trommelwelten, schwebendem Träumereien und und balladiger Reduziertheit. Dass sich der Kern der Band einst am Jazz-Konservatorium in Trondheim kennengelernt hat, ist vor allem in der Lust am Improvisieren zu spüren: Im Song »Iran« etwa bricht die Sängerin unversehens in lautmalerisches Geschrei aus! Bei Highasakite ist das Unerwartete Teil des musikalischen Selbstverständnisses. Was nicht heißt, dass die CD unzugänglich ist! Der feine Track »Leaving No Traces« ist sehr hymnisch ausgefallen und beweist, dass ernste Gedanken auch leichtfüßig daherkommen können. Sehr euphorisierend, das!

Håvik und ihre Band (besonders Øystein Skar an den Synthesizern!) sind blasse, schlaue Träumer, die demonstrieren, dass Nachdenklichkeit keinesfalls langweilig ist, sondern aufregend und superlebendig! Highasakite nehmen sich alle Zeit der Welt, damit sich ihr anspruchsvoller Befindlichkeits-Pop entfalten kann. Das moderne Liebesleben ist ein Schlachtfeld, aber man kann zumindest versuchen zu verstehen, warum das so ist. Die Norweger singen in »I, The Hand Grenade« zu schrägen Pianoklängen davon, wer die wahren Terroristen sind: Liebende, die gegenseitig nur das Schlechteste in sich hervorbringen. Der Albumtitel »SILENT TREATMENT« verweist im Übrigen auf eine beliebte Taktik in bröckelnden Beziehungen: Das verstockte Schweigen, um dem Partner massive Schuldgefühle einzujagen. (emv)



Siehe auch:
Årabrot
Kristoffer Lo mit Microtub
Øystein Skar mit Cakewalk
Ingrid

 Highasakite: Silent Treatment

Offizielle Website

Die CD »Silent Treatment« war »CD des Monats« im Monat 2 / 2014.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Kombiniert mit irgendeiner dreckigen Rockplatte lässt sich so viel Befindlichkeitspop tatsächlich gut ertragen. Nein, im Ernst: Eine wirklich schöne Platte!
Sebastian Pantel

Ja, schon schön. Aber nur halb so schön und dramatisch wie der Satz: "Das moderne Liebesleben ist ein Schlachtfeld." Ich finde den Namen auch total bekloppt. Und habe das lange nicht als "High As A Kite" gelesen, sondern als "High On Sake" - was mir wiederum viel besser gefällt.
Tim Jonathan Kleinecke

Das ist also der heiße Scheiß aus Norwegen? Warum bin ich nicht beeindruckt, während die anderen Kritiker hyperventilieren? Im Ansatz klingen die Lieder zunächst recht ansprechend, aber die Band kaut auf netten Ideen einfach zu lange herum. Nebenbei bemerkt ist Highasakite ein selten dämlicher Name.
Jens Maula

Ich mochte den Namen schon immer. Auch ihr Debüt »All That Floats Will Rain«. Dieser Pop mit Herz und Hirn erinnert an andere Mystiker wie Fever Ray oder Kari Rueslåtten, und ich freue mich, dass ihre zweite CD nun auch in Norwegen die verdiente Aufmerksamkeit bekommt.
Peter Bickel

Offizielle Website      www.highasakite.no

   

Camp Echo
(2016, Propeller Recordings)

Stellung beziehen: Ganz schön schwierig in Zeiten, in denen sich Aktionismus vielfach auf das Drücken des Gefällt-Mir-Buttons auf Facebook beschränkt. Highasakite gehen auf ihrem dritten Album bewusst den unbequenem Weg: »CAMP ECHO« ist der Name eines der sieben US-Gefangenenlager in Guantanamo Bay. Schon im Opener »My Name Is Liar« entrüstet sich Sängerin Ingrid Helene Håvik mit schneidend heller Stimm, begleitet von tribalen Beatgewittern, gegen die »War On Terror«-Rede von George W. Bush.

Die intelligente Auseinandersetzung mit den Höhen und vielmehr Tiefen des modernen Liebeslebens des erfolgreichen Vorgängeralbums »SILENT TREATMENT« haben Highasakite entschieden hinter sich gelassen. Ebenso wie die intelligenten Elektropop-Spielereien. Hier geht es musikalisch eher direkt zurück in die 90er, zu R´n`B und Trance. Die Synthies sind hier nicht zum Träumen da. Sondern zum Aufwachen. Heimlicher Albumhöhepunkt ist die beseelte Piano-Ballade »God Don´t Leave Me«. Herzweichender kann man kaum um göttliche Gnade flehen. Einfache Kost ist dieses Album mit Sicherheit nicht. Aber diese wütenden, mitunter schwermütigen Tracks wollen nicht zu melancholischer Pop-Nabelschau auffordern. Sondern zum Handeln. (emv)



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