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Alle Rezensionen zu Vilde&Inga
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Makrofauna
(2014, ECM/Universal ECM 2371 / 3767590)

Sie nennen sich schlicht und bescheiden Vilde&Inga (ohne Leerzeichen, erbitten sie), allein ihren beiden Vornamen, als hätten sie es überhaupt nicht nötig, Aufmerksamkeit zu erbeten. Das Debütalbum von Vilde Sandve Alnæs und Inga Margrete Aas allerdings ist in mehrfacher Hinsicht eine gar wunderbare Überraschung und Entdeckung. Dass das so traditions- wie inspirationsreiche Label ECM nach 45 Jahren, zwischen all den großen Musikernamen, von denen mehr und mehr fast synonym mit den drei Buchstaben aus dem Münchner Raum geworden sind und noch immer werden, nach wie vor nicht müde wird, jungen und unkonventionellen Musiker/innen eine Bühne für internationale Aufmerksamkeit zu verschaffen, das lässt sich anhand dieser CD vortrefflich bekräftigt sehen.

Angesichts der Besetzung Violine und Kontrabass dürfte man bei den beiden jungen Absolventinnen der Norwegischen Musikhochschule mehr oder weniger traditionell-volkstümlichen Gegenwartsjazz erwarten, doch das fast unverfroren reduzierte Albumdesign legt es darauf an, keinerlei Erwartungen anzustacheln. Im Gegenteil, noch der Titel selbst verunklart den Gehalt der CD. Weniger Aufmerksamkeit erregend kann eine Veröffentlichung kaum mehr sein. Solches Understatement bleibt sonst eher großen »Selbstläufern« wie Garbarek, Jarrett, Katché oder Pärt (siehe Links) vorbehalten.

Nun denn: Als Makrofauna bezeichnet man den Anteil der bodenlebenden Tiere, der im Größenbereich von zwei bis 20 mm liegt (nach Wikipedia). Glücklicherweise bleiben nur drei der Stücke dieser CD in solchem Makrobereich, die übrigen acht sind zum Teil nicht ganz einfach zu begreifende Improvisationen, komplett fern von eleganten Jazz-Tunes. Weitestgehend erkunden Vilde&Inga ihre Instrumente auf zwar organische, aber überaus unorthodoxe Weise, modellieren mal karge, mal schräge, auch etwas schrille Klangbilder, und aus deren Geräuschwelten entstehen maximal punktuell rauhe bis surreale Lieder (»I trær«, »Løss«). Anklänge an Traditionen? Stecken auch drin, doch die muss man schon mit der Lupe suchen. Vilde&Inga sind ihre ganz eigene Welt. Für Fans von Lytton & Wachsmann, Dans les arbres und dem Gros des Katalogs von Sofa Music. (ijb)



Siehe auch:
Dans les arbres
Jarrett/Garbarek/Danielsson/Christensen
Manu Katché
Sheriffs Of Nothingness (Sofa Music)

 Vilde&Inga: Makrofauna

Audio-Link Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      vildeinga.com

   

Silfra
(2017, Sofa 559 LP/CD/DL)

Nach ihrem ausgezeichneten Debüt »MAKROFAUNA« kann »SILFR« zwar nicht mehr so fundamental überraschen, doch die Qualität dieses wiederum selbstproduzierten zweiten Albums ist vergleichbar hoch. Wie schon da angesprochen, schien »MAKROFAUNA« eher der Klangwelt von Sofa Music entsprungen zu sein als der üblichen ECM-Ästhetik, und so ist es wohl ein folgerichtiger Schritt, dass Vilde&Ingas zweite CD nun beim kleinen Osloer Avantgarde-Label erscheint.

Während das Debüt vollkommen ohne Bilder auskam (doch umso mehr Bilder im Kopf erzeugte), wurde für »SILFR« eine markantes Wüstenfotografie als Cover gewählt; eine ungewöhnliche Wahl, aber vielleicht ein guter Schachzug. Denn so werden die recht abstrakten Klangbilder des Duos in einen raffinierten Rahmen gesetzt, der eigentlich nicht passt - aber gerade deshalb einen umso anregenderen Dialog mit der Musik erzeugt. Und die geht ungerührt die fantasievolle, inspirierte Linie des Vorgängers weiter, ohne sich auszuruhen. Ungewöhnlich, eigensinnig und vor allem kurzweilig. Eine feinsinnige Magie zeitgenössischer Saitenklangkunst, superb gespielt. (ijb)



Siehe auch:
Christian Meaas Svendsen
Mette Henriette
Miguel Angel Tolosa

Audio-Link



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