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Alle Rezensionen zu Stein Urheim
(Genre »Folk«, Land »Norwegen«)

 

Strandebarm
(2016, Hubro/Grappa HUBROCD2555)

Stein Urheim hat sich bereits in der Vergangenheit als großer Tüftler erwiesen, und er probiert gerne alles aus, was irgendwie Klänge hervorbringt. Auf »STRANDEBARM« spielt er zwölf Instrumente: Gitarre, Flöten, Mundharmonika, Tambura, bundlose Bouzouki, Tanbur, Mandoline, Langeleik, Banko, Loops und Delay, zudem hört man seine Stimme. Einziger Helfer ist der Elektroniker Jørgen Træen.

Da möchte man nun ein nerdiges Gitarren-Gefrickel erwarten, das allenfalls ein paar andere Nerds am anderen Ende des Erdballs interessiert. Doch weit gefehlt: Stein Urheim hat ein hochinteressantes und gleichermaßen genießbares Album gemacht. Er setzt seine vielen Saiteninstrumente gezielt und klangdienlich ein, und er lässt die Virtuosensau im Stall. Der Albumtitel stammt von einem kleinen Dorf, in dem Urheim ein knappes Jahr wohnte: Dort gab es nicht viel Zivilisation, aber Fjord und Wald, Beeren und Fisch – viel Natur und wenig Nachbarn, diese aber ausnehmend freundlich.

Urheim hat viel nachgedacht in der Fast-Wildnis, und festgestellt, dass ein solches Glück nicht allzu vielen Menschen auf Erden beschieden ist. Insofern kann man – insbesondere nach Lektüre des Booklets – seine Kompositionen und Improvisationen auch als Zivilisationskritik oder als Anprangerung der bestehenden politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse samt Ausbeutung der Dritten Welt verstehen. In »Oh So Nice« zitiert er passender Weise Kurt Vonnegut. Der abschließende »Berlin Blues« gehört in diesem Genre auch zu den guten – mit einer tollen Überraschung gegen Ende! Urheim kann mit dieser CD die Welt leider nicht besser machen, aber für den Hörer ist diese knappe Stunde sicher gut investierte Zeit. (tjk)



Siehe auch:
Stein Urheim & Mari Kvien Brunvoll
Jørgen Træen
Gabriel Fliflet

Stein Urheim: Strandebarm

Offizielle Website

Offizielle Website      www.steinurheim.com

   

Utopian Tales
(2017, Hubro/Grappa HUBROCD/LP2585)

Zu Beginn scheint auf Stein Urheims viertem Album alles wie gehabt - sanft-verspielter Country-Jazz mit schwebender Stimmung und unaufgeregten Gitarren. Bald jedoch nehmen die »UTOPIAN TALES« drastische Abwege, geht es durch wilde Geräuschexkursionen. Nachdem uns der Gitarrist also dort abgeholt hat, wo wir uns mit dem solistischen »STRAN-DEBARM« zuletzt heimisch fühlen konnten, nimmt er uns mit seinem »Cosmoldic Orchestra« auf eine Reise durch Atonales, Jazziges, Rock, freie Elektronik und eine Prise norwegischen Folks. Das Album basiert auf dem 2016 fürs VossaJazz-Festival komponierten Auftragswerk »Travelling with the Natural Cosmolodic Orchestra«, das Urheim als »eine musikalische Reise in mehr oder weniger utopische Gesellschaften, sowohl fiktional als auch reell« beschreibt.

Bei der Uraufführung wie auf der adaptierten Albumversion setzt sich das Orchestra aus Improv-Musikern zusammen, die wie Urheim selbst in den letzten Jahren markant an der Fortentwicklung der norwegischen Jazzspielarten mitgewirkt und so höchst Eigenwilliges hervorgebracht haben, Mari Kvien Brunvoll, Kjetil Møster, Kåre Opheim, Per Jørgensen und Ole Morten Vågan. »STRANDEBARM«-Koproduzent Jørgen Træen ergänzt Modularsynth und Effekte und editierte das achteinhalb Minuten lange Experimentalstück »Just Intonation Island«. Doch keine Angst: Trotz mancher »Out-There«-Passagen ist »UTOPIAN TALES« in erster Linie ein zwar schillernd vielgestaltiges, gleichwohl gut hörbares, sehr gegenwärtiges Jazz-Ensemble-Abenteuer mit einigen der derzeit spannendsten Musikern Norwegens. (ijb)



Siehe auch:
Kjetil Møster
Per Jørgensen
Kåre Opheim
Ole Morten Vågan

   

Stein Urheim [untitled album]
(2014, Hubro/Grappa HUBROCD2529/ -LP3529)

Der 35-jährige Stein Urheim aus Bergen begreift sich als Wanderer zwischen geografischen und musikalischen Welten. Sein zweites Soloalbum spielte er im kalten Januar mit Tonmeister Audun Strype in Ole Bulls Märchenschloss Lysøen ein. Dazu legte er mit akustischen Gitarren, Banjo, Mandoline, Bouzouki eine Struktur aus, die er um weitere, teils exotische Instrumente ergänzte, um so eine einerseits mikrotonale, andererseits zahlreiche Nationalitäten evozierende Musik ohne Stilgrenzen zu schaffen: mal Blues, mal Folk, mal Jazz, mal indische oder fernöstliche Klänge (die chinesische Zither Gu Qin), südamerikanische Elemente (Charango), leise durchzogen von norwegischer Tradition (die norwegische Zither Langeleik)... was der Mann alles auf dem Kasten hat, beeindruckt ohne Frage.

Dass die fünf Stücke des vierzigminütigen Albums dennoch nicht den Eindruck eines konfusen Konglomerats erwecken, sondern vielmehr fokussiert, obgleich fast entspannt skizziert wirken, lässt staunen. Wie Urheim regelmäßig meditativ dahin improvisiert, um im nächsten Moment wieder die Zügel anzuziehen und konkretere Lied- und Rhythmusideen verdichtet, macht diese von Jørgen Træen editierten und mit unaufdringlichen Effekten versehene Scheibe ebenso sperrig wie verzaubernd. (ijb)



Siehe auch:
Erik Honoré
Ivar Grydeland
The Last Hurrah!!



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