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Alle Rezensionen zu Einar Stray Orchestra
(Genre »Pop«, Land »Norwegen«)

 

Politricks
(2014, Sinnbus SR054)

Gelobt sei der Zweifel! Frei nach Bert Brecht ist dieser Leitsatz der Stern, der Einar Stray und seinem Orchester auf dem zweiten Album »POLITRICKS« den Weg leuchtet. Bloß nicht so schnell irgendwo ankommen in diesem hochkomplizierten Lebensabschnitt zwischen 20 und 30 Jahren. Stray, gerade mal 20jährig auf dem Erstling »CHIAROSCURO« als Pianowunderkind und sperriger Träumer in den Grenzwelten des Pop gestartet, stellt hier weiterhin unbequeme Fragen und entwirft komplexe Klangwelten von sperriger Schönheit. Ist dabei aber unbedingt leidenschaftlich, wie im ausufernden ersten Track »Honey«, wo er ehrgeizige Spannungsbögen zwischen lieblichen Streicherträumereien und aufbrausenden Pianoattacken aufbaut, bis einem Hören und Sehen vergeht. Und darüber liegt der geradezu herzzerreißende Gesang des Norwegers, uff!

Nein, heile Welten sind es nicht, die Einar Stray hier entwirft. Es sind unbequeme Gratwanderungen zwischen symphonischer Euphorie, leidenschaftlichem Indiepop, anspruchsvollem Artrock und seelenvollem Freakfolk. Von den elektronischen Einsprengseln ganz abgesehen! Dass mitunter Assoziationen an die großen Brüder von Arcade Fire aufkommen, hat Einar Stray offensichtlich erwartet und mit »Montreal«, dem vielleicht leichtfüßigsten Song des Albums Tribut gezollt. Dass seine Taschen voller Löcher sind, ist für den Musiker im wunderbaren Song »Pocket Full Of Holes« absolut eine Tugend! Stray und sein ungemein begabtes Orchester agieren hier als einfühlsame Einheit: Dies ist ein weiterer großer Baustein, der dieses Album zum dunklen Funkeln bringt. Der Norweger leuchtet die Schattenseiten all dieser Entscheidungen aus, die man als Mitzwanziger zu treffen gezwungen ist. Und weiß im eindringlichen A-Capella-Track »For The Country« davon zu berichten, was passieren kann, wenn man unhinterfragt bloß die Dinge tut, die einem aufgetragen werden. Beunruhigend, das, aber es muss sein!
(emv)



Siehe auch:
Einar Stray

 Einar Stray Orchestra: Politricks

Offizielle Website

Die CD »Politricks« war »CD des Monats« im Monat 10 / 2014.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Ja, bisschen sperrig ist das schon - aber das sollte gute Kunst ja irgendwie immer sein ... Wenn man sich da durchhört, kann man sich jedenfalls bezaubern lassen.
Sebastian Pantel

Sperrig kommt es mir gar nicht vor. Erinnert mich tatsächlich an eine Art luftige, weniger dramatische Variante von Arcade Fire und verwandten Orchestra-IndiePop-Bands. Und da ich vor wenigen Tagen noch in Montréal war, passt mir das ja sehr gut.
Ingo J. Biermann

Nach Hören der CD und Lesen der Rezension kann ich sagen: ja, ist gut.
Tim Jonathan Kleinecke

Du machst es Dir ja einfach, Tim. Einar, der schon mit dem ebenfalls grandiosen Moddi in Erscheinung trat, zeigt Ambition und Atmosphäre. Das könnte gekünstelt klingen, tut es aber nicht. Dazu ist er viel zu sehr neugieriges Spielkind – es gibt viel zu entdecken hier.
Peter Bickel

Offizielle Website      www.facebook.com/einarstraymusic

   

Dear Bigotry
(2017, Sinnbus SR066)

Über die desolate Weltlage und persönliche Katastrophen zu singen und dabei gleichermaßen trotzig wie euphorisch zu klingen: Das bringen nur Einar Stray und sein wunderbares Orchester fertig! In Zeiten, in denen Selbstgerechtigkeit und Dummheit regieren und grundsätzlich immer die anderen schuld sind, ist das dritte Stray-Album »DEAR BIGOTRY« ein erfrischend ehrliches und erfreulich selbstkritisches Opus. Ernste Enttäuschungen, festgefahrene Vorurteile: Der norwegische Musiker will sich das Träumen als Erwachsener gleichwohl nicht austreiben lassen. Und zelebriert einen orchestralen Pop jenseits aller Heile-Welt-Klischees. Merke: Dieser Musiker kann überaus garstig werden, wenn er in Songs wie dem beißenden »Glossolalia« die Osloer Musikszene in ein wenig schmeichelhaftes Licht rückt.

Stilistisch bleibt Einar Stray beim Drittling keineswegs stehen: Experimentiert mit elektronischen Samples und wildem Getrommel, ohne dabei dem feinnervigen Piano abzuschwören. Einfach sind die Dinge in der Welt von Einar Stray nicht. Tracks wie »Caravelle« schwelgen in Streichersounds und himmlischen Harmonien. Kaum zu glauben, dass seit dem letzten Album zwei Kernmitglieder ausgeschieden sind! Einar Stray macht sich Sorgen, reitet in Songs wie dem Titelstück wie ein Ritter gegen Lügen und Doppelmoral an und feiert trotzdem das Leben. In all seinen Widersprüchen! (emv)



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