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Alle Rezensionen zu Tanya Tagaq
(Genre »Pop«, Land »Arctic Area«)

 

Animism
(2014, Six Shooter Records/Alive SIX086)

Der Anfang holt uns noch arglos ab, im Gewand eines ein wenig schrägen Popsongs, es ist »Caribou« von den Pixies, doch wiege man sich nicht zu schnell in Sicherheit. In Zeiten, in denen Coldplay und Placebo ins »Alternative«-Fach sortiert werden, aber Björk (zum Glück) als Popsängerin gilt, darf man auch die Kehlkopfsängerin Tanya Tagaq ohne Anstrengungen ins Pop-Fach stellen. Hier und da erinnert die vom Nordpolarmeer kommende, in der Region Nunavut an der Südküste der Viktoria-Insel geborene Sängerin tatsächlich ein wenig an ihre isländische Mentorin, mit der sie zur Zeit von »Medúlla« und »Drawing Restraint« zusammenarbeitete: Beide Frauen speisen ihren entfesselten, radikalen Pop-Ansatz aus ihrer Naturverbundenheit, den sie mit vielfältigen musikalischen Einflüssen durchsetzen, schroffe Elektronik, mächtige Klangdramen mit Bläsern, Percussion und eindringlichen Streichern, sprunghafte und übereinander geschichtete Gesangsmelodien, wobei Tagaq im Besonderen aus der Inuit-Tradition heraus eine radikale Brücke zu einer Art Zukunftsmusik schlägt.

Während Björk doch immer wieder zum intimen Liedgut zurückkehrt, lässt Tanya Tagaq am Ende ihres vierten Albums »ANIMISM« alles Liebeswürdige weit hinter sich. »Fight«, das epische »Damp Animal Spirits« und vor allem abschließend »Fracking« (apropos, Tagaq betont im Interview, dass sie noch nie so wütend war) sind zunehmend verstörende, höchst dissonante Horrortrips. So gesehen zieht die 37-Jährige mit ihrem unbequemen Throat Singing auf diesen elf Songs stimmlich alle Register zwischen Meredith Monk, Mari Boine, Maja Ratkje und dem Body-Horror-Noise von Pharmakon. In Tagaqs halb animalischen, halb poetischen »Sound Sculptures« sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

In der arktischen Region Nunavut leben übrigens auf einer Gesamtfläche, die mehr als fünfmal so groß wie Deutschland ist, gerade mal 35.000 Menschen, vorwiegend Inuit; eine hierzulande nahezu völlig unbekannte Kultur (und deren Natur), für die Tanya Tagaq Bewusstsein schaffen möchte. Sie lernte den traditionell für Frauenduo ausgelegten Kehlkopfgesang ihrer Heimat, bevor sie während ihres Studiums in visueller Kunst in Halifax, Nova Scotia, einen individuellen Solo-Stil entwickelte. (ijb)



Siehe auch:
Björk
Maja Solveig Kjelstrup Ratkje
Kronos Quartet featuring Tanya Tagaq

Tanya Tagaq: Animism

Audio-Link Video-Link Offizielle Website

Die CD »Animism« war »CD des Monats« im Monat 1 / 2015.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Faszinierend, wie Tanya Tagaq eine Brücke schlägt zwischen anschlussfähigem Pop und einer uns nahezu unbekannten Musiktradition. Und dabei munter mit den Stilen spielt: Neue Musik, Elektronik, Jazz finden ebenso mühelos ihren Platz. Tolles Album einer Ausnahmemusikerin!
Sebastian Pantel

Wow, das ist ein anspruchsvolles Album, das unsere Hörgewohnheiten kräftig gegen den Strich bürstet! Aber wer sich auf dieses Abenteuer einlässt. wird Töne von magischer, grausamer Schönheit hören!
Eva-Maria Vochazer

Ich kann nur zustimmen, hingerissen und auch ein bisserl fassungslos. Gerade die längeren Stücke entwickeln einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Tanya Tagaq schafft Ungehörtes und hat viel zu sagen. Gigantisch, grandios!
Tim Jonathan Kleinecke

Als alter Pixies-Fan habe ich zwar den ersten Song gar nicht gleich erkannt, doch dann fand ich super, das mal so in einem ganz neuen Kontext zu hören. Und der ganze Rest der Platte erst! Eine sehr körperliche Erfahrung, die Tanya Tagaq uns da vermittelt.
Leif Haugjord

Offizielle Website      tanyatagaq.com



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