Zur Hauptseite
Diese Seite empfehlen Neuheiten Artikel Service Suche Impressum

Alle Rezensionen zu Bugge Wesseltoft
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Somewhere in between
(2 CDs, 2016, Jazzland 377 917 9)

Auf der »NEW CONCEPTIONS OF JAZZ BOX« mit 4 Silberlingen (2008) war »Somewhere in between« der Eröffnungstrack. 1996 eröffnete das selbe Stück Bugges erstes, »NEW CONCEPTION OF JAZZ« betiteltes Album, das ab dann auch seinem stilbildenden NuJazz-Kollektiv den Namen gab. In dieser Karriere-Rückschau, nun »SOMEWHERE IN BETWEEN« genannt, die mit dem Track endet, stellt Bugge 20 Stücke aus den 20 Jahren von 1996 bis 2006 zusammen, die einen hervorragenden Querschnitt und Einblick in sein komplexes Schaffen bieten. Schade nur, dass er den Fokus auf seine eher gemütliche und ruhigere Seite legte und schärfere, experimentellere Kanten außen vor ließ. Das geht so weit, dass sich unter den sieben »2016 Versions« eine Neueinspielung von »You might say«, seinem beliebten Song mit Sidsel Endresen (vom zweiten NCOJ-Album) findet, mit der 2016 neu ins Leben gerufenen NCOJ-Truppe (nun mit komplett weiblicher, durchweg eine Generation jüngeren Besetzung), doch Nachwuchs-Schlagzeugtalent Siv Øyunn Kjenstad fehlt als Sängerin leider Endresens Charme und Tiefgründigkeit.

Dies jedoch sind kleine Kritikpunkte, denn natürlich bietet »SOMEWHERE IN BETWEEN« für jeden, selbst für jene, die bereits alle Wesseltoft-Platten besitzen, genügend Material und Qualität, die den Erwerb der Kompilation lohnen und empfiehlt sich daher nachdrücklich ebenso als Einsteiger- wie als Kenneralbum. Zwei Stücke sind bislang unveröffentlichte im akustischen Trio mit Joe Sanders (b) und Gregory Hutchinson (dr), 2013 in New York eingespielt. Bugge bezeichnet sie im Beiheft rätselhafter Weise als »meine erste echte Pianotrio-Aufnahme« 2003. – Warum unterschlägt er sein gelungenes, 2003 in der Reihe Jazzland Acoustic erschienenes Album »SAMSA'Ra« mit Paal Nilssen-Love und Bjørnar Andresen?

Dies ist eine der wenigen CDs, die in der Kollektion nicht berücksichtigt werden, dafür aber die beiden mit Henrik Schwarz, »DUO« (2011) und »TRIALOGUE« (mit Bassist Dan Berglund, 2014), die Weltmusik-Ensemblewerke »OK WORLD« (2014) und »PLAY IT« (als Bugge and Friends, 2015), die Soloalben »IM« (2007), »PLAYING« (2008) und »SONGS« (2011) und natürlich beiden ACT-Scheiben »IT'S SNOWING ON MY PIANO« (1997) und »LAST SPRING« (mit Henning Kraggerud, 2012). Aus den »10 fantastischen Jahre der Zusammenarbeit« (Zitat Bugge) mit Sidsel Endresen sind leider nur zwei Songs des dritten (großartigen) Albums vertreten, und nachdem das Projekt NCOJ ja bereits mit der erwähnten umfangreichen Werkschau gewürdigt wurde, findet man hier nur zwei Aufnahmen, die bereits Teil der Box waren, doch mit Stücken von allen vier Studioalben wird die New Conception of Jazz dennoch gewürdigt; vier der sieben Songs sind neue »2016 Versions« in unterschiedlichen Besetzungen. Auch die drei Stücke von »IM« und »PLAYING« hat Bugge mit Ulf Holland 2016 neu abgemischt. Als nächstes bitte eine Zusammenstellung aus Wesseltofts Experiment-Schatzkiste, beispielsweise seinem genialischen Solokonzert beim Punkt Festival in Kristiansand 2013. Wie auch immer, es bleibt spannend – und Bugge einer der etablierten Stars der norwegischen Jazzszene, auf die man sich verlassen kann. (ijb)



Siehe auch:
New Conception of Jazz (NCOJ)
OK World
Tonbruket
Wesseltoft Schwarz Duo


Zum Artikel über Bugge Wesseltoft

Bugge Wesseltoft: Somewhere in between

   

Everybody Loves Angels
(2017, ACT/Edel 9847-2)

Seit einiger Zeit ist im Jazz Usus, was Jahrzehnte lang fast nur von Pop- und Rockinterpreten praktiziert wurde: Musiker, ob solo oder in Gruppen, übertragen die zwischenzeitlich in den Kanon aufgenommenen Chart-Hits aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Jazz-Kontexte. US-Pianisten wie Hancock (»The New Standard«) oder Mehldau (»The Art of the Trio«) haben hier mit ihren Lesarten früh Standards gesetzt.

Nachdem er auf seinem Bestseller »IT'S SNOWING ON MY PIANO« und der als Nachfolger gemeinten Duo-CD »LAST SPRING« vorwiegend überliefertes norwegisches Material interpretierte, auf »IM« eigene Stücke am Piano mit anderen Klangideen verknüpfte und sich auf »PLAYING« erstmals dranwagte, vorsichtig ein paar jüngere Evergreens zwischen seine leise improvisierten Stücke zu streuen, legt Bugge Wesseltoft (53) mit »EVERYBODY LOVES ANGELS« nun so etwas wie sein erstes veritables Alterswerk vor.

Die elf Stücke (dabei nur eine zwei Minuten kurze Vignette aus eigener Feder) sind famos ausgewählt (Cat Stevens, Dylan, Jagger/Richards, Paul Simon, Bruno Mars, Lennon/ McCartney, J.S. Bach...) und tatsächlich fast ausschließlich weit über Gebühr gehörte, ja: Schlager. Doch indem Bugge sich im Februar 2017 für die Aufnahmen in die weit nördlich des Polarkreises gelegene LofotKatedrale zurückgezogen hat, gelang es ihm, aus der Stille heraus diese Evergreens von Grund auf neu erfahrbar zu machen. Dabei geht er eben nicht den direkten Weg, den sein finnischer Labelkollege Iiro Rantala mit seinem eher unterhaltsamen, leidenschaftlichen Pop-Ansatz vorgelegt hat; eher erinnert Bugges Variante an die introvertierten und sehr bewegenden Aufnahmen von Kirsti, Ola & Erik oder Hilde Hefte: die Songs auf ihre Essenz reduzieren und von da aus neu hören, ohne dynamische Extreme neu entdecken, als wären es unbekannte Melodien. Man braucht nur seine geradezu geniale Version von Jimi Hendrix' »Angel« zu hören; mehr bleibt da nicht zu sagen. Das nordische Pianoalbum des Jahres! (ijb)



Siehe auch:
Iiro Rantala
Kirsti, Ola & Erik
Hilde Hefte

   

Playing
(2009, Jazzland/Universal 06025 1796167)

Seine Band New Conception Of Jazz, die immerhin dem Jazz wegweisend neue Impulse verliehen hatte, ist seit dem Album »IM« auf Eis gelegt. Auch »PLAYING« offenbart einen meist in sich gekehrten Bugge Wesseltoft, der am Solo-Piano Songs entkernt und auf ihre Melodien reduziert. Doch plötzlich springt den Hörer mit »Take 5« ein altbekannter, flotter Track an, den der Norweger allerdings rhythmisch stolpern lässt und elektronisch gehörig verbiegt.

Will er sich über die Komposition lustig machen? Nein, Wesseltoft liebt das Spielen ohne Tabu-Grenzen; Achtung vor Klassikern ist ihm fremd, und das ist gut so. Schließlich gelingt ihm mit der zwanzigminütigen Piano-Träumerei »Talking To Myself« eine feine Ballade im Stil von Bill Evans und Keith Jarrett. Und dass er Songs sehr wohl zu emotional ungeahnten Höhepunkten führen kann, beweist er aufs Wunderbarste mit Jimmy Cliffs »Many Rivers To Cross«. (peb)

   

IM
(2007, Jazzland/Universal 06025 1743585)

Trotz seiner Fähigkeiten als Band-Chef seiner New Conception Of Jazz ist es ein ganz anderes Album, für das ihn viele Fans lieben: »IT'S SNOWING ON MY PIANO«“ zeigte den Norweger als Meister der stillen Töne und der aufs Nötigste reduzierten Improvisation, die fast die Prägnanz eines Keith Jarrett erreichte. Sein zweites Solo-Album knüpft im Prinzip da an, wobei es mit mehr Groove und Soundscapes aufwartet: Der Laidback-Soul »Joi« überrascht mit Mari Boine als Gastsängerin und einem entspannten E-Piano; ansonsten regiert jedoch das akustische Piano.

Meist melancholisch oder gar traurig anklagend wie in dem mit George Bush-Samples und den Erzählungen eines kongolesischen Kriegsopfers startenden »WY«, bisweilen aber auch mit verschmitztem Witz wie im minimalistischen »Fo(o)t«. Wesseltofts Domäne sind aber zweifellos die langsamen, jede Note auskostenden Piano-Soli, und davon findet man auf »IM« jede Menge. (peb)



Siehe auch:
Mari Boine

   

It's Snowing On My Piano
(1997, ACT/Contraire 9260-2)

Dem Studio-Pianisten und Keyboard-Tausendsassa gelang eine wunderbare – ach was schreib' ich: die wunderbarste Weihnachtsplatte überhaupt! Wesseltoft schloß sich zwei Tage ins Rainbow Studio ein und interpretierte dort Christmas-Evergreens wie »Stille Nacht«, »O Little Town Of Bethlehem« oder »Du grønne, glitrende tre«. Ganz still, ganz transparent – so, wie Schnee, der lautlos und leicht vom Himel herabschwebt und die ganze Welt in anderes Licht taucht.

Er entwickelte die Christmas-Gassenhauer mit so liebevoll-weichen Kadenzen, dass man die Original-Melodie nur in wenigen Momenten überhaupt identifiziert. Dabei verzichtet er sowohl auf virtuose Kraftmeierei wie auf den hierzulande oft üblichen Weihnachts-Kitsch. Seine Stärke liegt vielmehr im Weglassen von Tönen, die erst der Kopf dazu addiert. So erreicht sein Spiel fast die Eleganz und Kompetenz eines Keith Jarrett. (peb)



Siehe auch:
Bugge & Henning
OK World



Neuheiten | CD-Rezensionen | Artikel | Service | Suche | Impressum

CD des Monats | Nach Genre | Nach Land | Nach Musiker | DVDs | Erweiterte Suche | Seite empfehlen

              


© 2000 - 2017, Design & Programmierung: Polarpixel