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Alle Rezensionen zu Erlend Apneseth Trio
(Genre »Folk«, Land »Norwegen«)

 

Det Andre Rommet
(2016, Hubro/Grappa HUBROCD2570 / LP3570)

Erlend Apneseths Debütalbum »BLIKKSPOR«, eine starke Solo-CD, auf der gelegentlich Produzent Arve Henriksens Trompete als Duostimme in Erscheinung trat, vermochte bereits durch einen eigenen Blickwinkel auf die Traditionen der Hardanger-Volksmusik zu faszinieren. Doch der Zweitling des jungen Künstlers, der bereits als einer der herausragenden Fiedler des Landes bezeichnet wird, kann nun noch einmal mehr beeindrucken. »DET ANDRE ROMMET« (»Das andere Zimmer«) erscheint, erst einmal überraschend für einen Folkmusiker, bei Hubro, der norwegischen Ein-Mann-Firma, die uns seit der Katalognummer 1 (Splashgirl) zuverlässig mit innovativen und fast durchweg hinreißenden Platten versorgt wie im laufenden Jahrzehnt vielleicht kein anderes Label.

Immer wieder für Überraschungen gut, produzierte Labelgründer Andreas Meland »DET ANDRE ROMMET« gleich selbst. Die Aufnahmen fanden über vier Tage, vor genau einem Jahr (März 2015) im kleinen, rustikalen Hallibakken-Studio in Nesbyen (Hallingdal) statt, das schon vielen lokalen Folkaufnahmen wertvolle Inspiration schenkte, wie mir unlängst unter anderem der derzeitige Leiter der Ole-Bull-Akademie, der renommierten Volksmusik-Uni in Voss, Jo Asgeir Lie, am Vorabend einer eigenen Duoaufnahme erläuterte und mich nachdrücklich zu ebendieser einlud, um die Vorzüge des Raums zu vermitteln.

Für Apneseth erweist sich all dies als exzellente Basis, um seinen progressiven Ideen Nachdruck zu verleihen und das traditionsverhaftete Genre einer eindrucksvollen Frischzellenkur zu unterziehen. Wesentlich tragen dazu seine Triopartner Øyvind Hegg-Lunde (dr, perc) und Stephan Meidell (el g, electr.) bei, die auf »Blikkspor« zwei Kurzauftritte hatten und mit jeweils eigenen (und radikal unterschiedlichen) progressiven Bands bereits auf Hubro vertreten sind. Weit mehr als Erlends Debüt setzt diese Trioscheibe auf gemeinsame Improvisation, zugleich auf eine Skelettierung der Hardangermusik. Mal sehr karg und spröde (»Nattkatt«), mal schillernd, postrockig und treibend (»Magma«), dann auf einfachste Weise emotional (ein komplett gezupfter »Dialog«), anderswo mit gesampelten Aufnahmen in eine ferne Vergangenheit reisend (»St Thomas-klokkene«), doch in jedem Stück die Möglichkeiten des Instruments auslotend und Klangwelten herauskitzelnd, die man in dieser Form mit Sicherheit noch nicht gehört hat. »DET ANDRE ROMMET« ist für Hubro und für die norwegische Folkszene ein kaum hoch genug zu schätzender Gewinn, der viele offene Ohren verdient hat. (ijb)



Siehe auch:
Erlend Apneseth
Øyvind Hegg-Lunde / Building Instrument
Stephan Meidell
Jo Asgeir Lie

Erlend Apneseth: Det Andre Rommet

Offizielle Website

Die CD »Det Andre Rommet« war »CD des Monats« im Monat 3 / 2016.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Mit traditionellem Folk haben diese aufregenden und auf positive Weise beunruhigenden Töne tatsächlich nicht zu tun. Mein Favorit ist der Track »Trollsuiten", der schon fast als Alternativ-Filmsoundtrack für "The Village« durchgehen könnte!
Eva-Maria Vochazer

Ich teile die Begeisterung, denn so weit vorausschauend wie Erlend Apneseth hat wohl noch keiner mit den archaischen Harding Fele-Klängen gearbeitet. Und ja: es ist karg, sperrig, kratzig - und sehr aufregend!
Tim Jonathan Kleinecke

Bei meinen wochenlangen Wanderungen um die Hardangervidda fühlte ich mich auch manchmal so aufs Wesentliche zurückgeworfen wie es diese karge, aber sehr schöne Musik ausstrahlt.
Leif Haugjord

Ich liebe norwegischen Folk. Und ich liebe Musik, die lässig über Genregrenzen hinwegblickt. Beste Voraussetzungen also, um Apneseths Erneuerung alter Hardanger-Traditionen restlos zu verfallen. Sollten wir tatsächlich mal alle einer Meinung sein?
Peter Bickel

Offizielle Website      erlendapneseth.com

   

Åra
(2017, Hubro/Grappa HUBROCD/LP2584)

Noch karger, noch ferner vom Folk – und insgesamt noch vielseitiger als auf dem grandiosen Triodebüt im Vorjahr ist die Musik auf dem Zweitling »ÅRA« ausgefallen, den Erlend Apneseth, Stephan Meidell und Øyvind Hegg-Lunde im Januar 2017 in Bergen aufgenommen haben. Man sollte schon aufmerksam sein, um die vielen feinen Töne nicht zu verpassen, aus denen diese teils stille, teils schillernd raumgreifende Poesie gezaubert wird. Und dann könnte man aufschrecken, wenn Stephan Meidells Elektronik plötzlich irritierende Klänge einwirft – oder wenn, wie in »Lysne« überraschend der Bergener Nachwuchsautor Erlend O. Nødtvedt mit einem eigenen Gedicht auftritt.

Anderswo wurden eine Aufnahme eines unbekannten Säge- Spielers oder geografisch wie stilistisch ferne Klangideen eingewoben: In »ÅRA« sind die Verschiebungen nicht spektakulär, will sagen, das Album tritt mehr als schlüssige Fortführung von »DET ANDRE ROMMET« auf denn als vergleichbare Genreneuerfindung, doch wo die drei Musiker sich Freiheiten herausnehmen, da treffen sie – auch diesmal – stets ins Schwarze. Es ist geradezu sensationell, wie das Erlend Apneseth Trio aus den noch unwahrscheinlichsten Ideen eine ganz neue, ganz eigene Musik kondensiert. (ijb)



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