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Alle Rezensionen zu Spidergawd
(Genre »Rock«, Land »Norwegen«)

 

I II III
(3 CDs, 2016, Crispin Glover Records/Stickman Stickman VODUBOX100)

Fast zeitgleich zum Erscheinungstermin des dritten unbetitelten Spidergawd-Albums entschieden sich die Band und ihr Label Crispin Glover Records alle drei Platten nun auch als CDs zu veröffentlichen – bei der Gelegenheit allerdings nicht einzeln, sondern komplett in einer Box. Das ergibt Sinn, denn die drei Alben kann man in der Tat wunderbar als Trilogie betrachten und erleben, und in womöglich sind sie in dieser Form sogar besser denn als Einzel-LPs. Die Stärken, die Ambitionen und der große dramatische Bogen von Per Bortens Projekt kommen so deutlich besser zur Geltung. Was auch an den beiden Beiheften liegt, mit denen Borten die Chance nutzt, zu jedem Stück persönliche Gedanken zu formulieren – auch wenn diese zumeist nicht allzu tiefschürfend sind.

Aber das passt zur Musik. Die ist stark vom altmodischen Rock früherer Helden geprägt, von den Prog-Siebzigern bis zu Motorpsycho, und bei dem reichen Angebot, das die drei CDs als kompakte Box bieten, wird jeder Rockmusikfreund irgendwas für sich finden. Und wer auf Testosteronhaltiges mit Seventies Flair steht, liegt mit Spidergawd goldrichtig. Im Kern handelt es sich um ein Trio, das Bandleader Per Borten (Cadillac, New Volators) mit den beiden Motorpsychos Betn Sæther und Kenneth Kapstad startete. Dazu kommen immer wieder tolle Gastmusiker wie Pedal-Steel-Zauberer Roar Øien oder Trompeter Kim Alexander Eriksen. Dazu die spleeingen Psychedelic-Bilder von Håvard Gjelseth, und eine gänzlich unhippe Musik ist plötzlich voll zum Hype.

Album Nummer eins, in wenigen Tagen und »great time« roh und spontan in Trondheim aufgenommen, lässt die Nähe zu Motorpsycho noch am deutlichsten durchklingen. Die sieben Songs zwischen Psych-Rock, Krautrock und jazzigen Anklängen gipfeln im 18-minütigen Höhepunkt »Empty Rooms«, das allein schon den Erwerb der Platte rechtfertigt.

Auf »II«, im Wohnzimmer von Bortens Großeltern eingespielt, treten Spidergawd durchweg als Quartett mit Rold Martin Snustads Saxofon auf. MC5 sollen Inspiration gewesen sein, doch man denkt auch an andere lautstarke, gute Böse-Jungs-Rockbands der Siebziger, Black Sabbath oder Thin Lizzy, an den melodiösen Hardrock der Black Crowes... Momente von old-school Blues (Zitat Borten: »really old stuff«) geben altbackenem Schweinerock die Hand. »II« ist wohl die beste der drei Scheiben.

Im Oktober 2015 entstand dann, etwas ausgefeilter produziert, das dritte Album, 37 Minuten kurz, im engen Rahmen des »Classic Rock« der 70erund 80er zwischen Blues-, Hard- und Psychedelic Farben durchaus vielseitig. Am besten kommen hier Snustads Saxofoneskapaden. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht mit Spidergawd, die sich in ihrer kurzen Laufbahn eine beachtliche Fangemeinde erspielt haben. Und wenn es nicht weitergeht, so bleibt diese Box als reife Leistung, die sich hervorragend in jedermanns Rockmusiksammlung einfügt. (ijb)



Siehe auch:
Cadillac
Motorpsycho

 Spidergawd: I II III

Offizielle Website

Offizielle Website      www.spidergawd.no

   

IV
(2017, Crispin Glover Records/Stickman VODU8CGR072/LP+CD)

Wie Peter Gabriel und Chicago bleiben auch Spidergawd der Idee unbetitelter Alben treu und bezeichnen ihr viertes Album in vier Jahren schlicht »IV«. Natürlich passt auch das Artwork nahtlos an die Vorgänger. Ansonsten hat sich bei der norwegischen Truppe seit Abschluss der als Box zusammengefassten Trilogie ein bisschen was getan: Motorpsycho-Bassist Bent Sæther ist ausgestiegen; für ihn kam der junge Hallvard Gardlos ins Boot. Musikalisch zieht »IV« die Schraube an und legt nun einen deutlichen Schwerpunkt auf neue Einflüsse, denen sich Per Bortens Band bei der letzten Tour ausgesetzt hatten. Wobei »neu« vielleicht eine etwas irreführende Beschreibung ist, denn Spidergawd knüpfen nun deutlich an vor allem britische Metal-Helden der späteren Siebziger und frühen Achtziger an: Judas Priest, Iron Maiden, DIO und Motörhead hinterlassen deutliche Spuren im Sound, so überzeugend, dass man ohne Vorwissen die Platte durchaus als authentisch bezeichnen könnte.

Vielleicht liegt hier auch ein kleiner Nachteil dieser mit 8 Songs über 42 Minuten gewohnt konzisen Scheibe: Man hat alles so oder ähnlich schon mal irgendwo gehört, teils mit mehr Prägnanz, auch wenn hier ordentlich auf die Zwölf gepowert wird. Schade auch, dass mehr Rock wohl weniger Saxofon bedeuten musste. Nichtsdestotrotz macht »IV« in erster Linie viel Spaß beim lautstarken Genuss. Und das ist wohl das, worauf es ankommt. Schließlich ist es Rock'n'Roll. (ijb)



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