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Alle Rezensionen zu Verschiedene (Trip Recordings)
(Genre »Beats«, Land »Grenzgänger«)

 

трип 006 »Когда мне было 14 лет« | »When I was 14«
(2016, Trip TRP006 Vinyl/DL)

Von Dezember 2014 bis Dezember 2015 brachte Nina Kraviz auf ihrem neuen, eigenen Label трип (Trip) fünf Releases heraus, davon vier Compilations mit diversen internationalen Techno-Produzenten wie Islands Exos. Auf jeder dieser Platten vertreten und darüber hinaus als (bisher) einziger mit einer eigenen 12" beim Label gewürdigt, ist der jüngst weltweit erfolgreiche Isländer Bjarki R. Sigurdarson, den wir auf dieser Katalognummer 006 (die beiden Nullen tragen sichtlich das Ziel einer großen Zukunft in sich) gleich zweifach wieder antreffen.

Wie die vorigen Sampler (»The Deviant Octopus«, »Ivan, Come On! Unlock The Box!«, »De Niro Is Concerned«) trägt auch der im Mai 2016 erscheinende, konzeptionelle 7-Track-Release трип006 bereits im Titel eine skurrile Note, die sich von sterilen Techno-Images ebenso bewusst absetzt wie die gezeichneten comic-artigen, etwas bizarren Covermotive von Illustrator Tombo, der so zum Teil des vom Label als »continuous sonic landscape« bezeichneten Albums wird.

Kraviz bzw. трип legt das 40-minütige »When I was 14« als Album mit einer eigenwilligen Story an, obgleich die Tracks von sechs (sehr) unterschiedlichen Musikern stammen. Bei »P-String« von AFX handelt es sich gar um ein Stück, das Richard D. James (aka Aphex Twin) bereits Anfang der Neunzigerjahre, als er noch Teil des Underground war, produziert und vor einem Jahr über sein SoundCloud-Alias user48736353001 verschenkt hat. Es spricht sowohl für AFX als auch für das трип-Konzept, dass sich das starke »P-String« auch nach 25 Jahren nahtlos in die Compilation einfügt. Und wer die AFX/RDJ-Tracks der frühen Jahre kennt, kann daraus schließen, dass »When I was 14« auf rohe, eher reduzierte, teilweise industrialmäßige Technostücke hinausläuft.

трип 006 bietet nichts anderes als erstklassige, zeitlose elektronische IDM mit viel Rhythmus, selbst die Chefin Kraviz zeigt sich hier mit einem sprunghaft-poetischen, kraftvollen Track mit anachronistisch sägenden Neunziger-Beats von ihrer fantasievollsten Seite. Bjarki und Barcode Population sind längst verlässlich gute Techno-Producer und der ebenfalls aus der Beats-Szene Reykjavíks kommende, allerdings bereits 2011 verstorbene Isländer Sigurbjörn Þórgrímsson aka Biogen (Gründer des dort einflussreichen Thule-Labels) ist mit einem klasse ausgefeilten, bislang unveröffentlichten Track vertreten. (ijb)



Siehe auch:
Bjarki
X/OZ

 Verschiedene (Trip Recordings): трип 006 »Когда мне было 14 лет« | »When I was 14«

Offizielle Website

Offizielle Website      www.facebook.com/triprecordings

 

трип 005 »у меня есть вопрос « | »I Have A Question«
(2015, Trip TRP005 2x12"/DL)

Der »nordische Anteil« ist bei der Kompilation трип005 »у меня есть вопрос« (»I HAVE A QUESTION») nicht ganz so hoch wie bei »When I was 14« – und die Auswahl der acht Mitwirkenden hat mehr gemein mit der kurz zuvor erschienen трип004 »Ivan, Come On! Unlock The Box!«. Roma Zuckerman, K-Hand, Vladimir Dubyshkin und Barcode Population sind wieder dabei; und natürlich darf ein Stück der Chefin nicht fehlen. Einerseits ist die Zusammenstellung trotz der acht unterschiedlichen Producer und ihrer Stile und Herkünfte erstaunlich homogen und schlüssig; andererseits sticht auch kein Track so wirklich heraus oder bietet eine ernsthafte Überraschung.

Gut, das Niveau ist konsistent, wenngleich manch schräge Nummer sich weit vom Techno entfernt und eher Geschmacksache ist. So ist Zuckermans eröffnender Titeltrack über siebeneinhalb Minuten ein unbequemer Trip(!) mit herunter gepitchten Vocals, stets leicht neben der Spur. Doch alle Tracks würden hervorragend in ein aktuelles Techno-Set passen. Die allgemein düstere Stimmung des insgesamt fast 50 Minuten langen Albums schränkt da das Zielpublikum etwas ein; zugleich wäre es schön, wenn sich mehr DJs auch nur ein wenig von der Offenheit und dem sehr eigenen Ansatz von Nina Kraviz' трип inspirieren ließen.

Während sich auf Seite 3 DJ Sodeyama und Fred P im mittleren Tempo einpendeln, ziehen auf der vierten Seite dann K-Hands mit einem beharrlich pumpenden Acid-Techno-Track und der 17-jährige Vladimir Dubyshkin mit einer straighten, zeitlosen Nummer das Tempo noch ordentlich an. Terrence Dixon alias Population One hat ein kurzes, etwas aus dem Takt geratendes Stück parat, während Bjarkis »PC Muscles« und Nina Kraviz' »Let's Do It« auf Seite 2 leider nicht so recht vom Fleck kommen. (ijb)

 Verschiedene (Trip Recordings): трип 005 »у меня есть вопрос « | »I Have A Question«

Offizielle Website

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трип ‎008 »Cон не для меня« | »Sleep Not Found«
(2016, Trip TRP008, 2x12" / DL)

»Trip« und »Sleep« sind ein gutes Paar - bzw. Techno/Minimal-Trips und fehlender Schlaf. Wer, wie die Producer dieser achten Trip-Kompilation, viel unterwegs ist in den Clubs dieser Welt, nächtelang auflegt und Musik im Studio produziert, findet oftmals keine Zeit zum Schlafen. Tombos wie gehabt eigenwillige, trippige Zeichnungen quer durchs Gatefold-Cover des mit über 50 Minuten erfreulich langen Doppel-Vinyl-Releases passen da natürlich wie die Faust aufs Auge.

Los geht's gleich mit einem Höhepunkt: Roma[n] Zuckermans Titelstück, siebeneinhalb Minuten lang, minimal, aber sofort einnehmend mit seiner dichten Stimmung. Diese verschleppte, von flirrenden Sounds durchzogene Nummer lässt sich nicht anders als trippig nennen. Mit Deniro zieht das Tempo drastisch an, ein reduzierter, rhythmusbetonter Clubtrack, der ein wenig an Plastikman erinnert. Deniro selbst meint, er wollte die 808- und 909-Sounds »wütend« klingen lassen. Das mag ihm vielleicht nicht gelungen sein, aber »G« könnte sich super anbieten, ein geradliniges Techno-Set zu bereichern.

Maayan Nidam stammt aus Tel Aviv, lebt seit einiger Zeit in Berlin und ist als einzige Interpretin hier gleich zweifach vertreten. »Infinite Rattle« knüpft wunderbar an den vorigen Track an, der über sechs Minuten zunehmend komplexer und reizvoller wird. Es ist ein langer Weg von ihrem kubanisch durchsetzten Debütalbum zu diesem Minimal Techno mit Dubnote, der zu Perlon (wo Maayan ebenfalls veröffentlicht hat) passt wie Villalobos, ohne dass man von einem Gefühl des Epigonentums genervt wäre. Ihr »Justice For Some« geht in eine ähnliche Richtung, ist aber schräger, gefällt sich aber etwas zu sehr in seiner eigenen Schrägheit, die sich über achteinhalb Minuten ein wenig in die Länge zieht.

Aus Island sind Arnvidur Snorrason alias Exos und (natürlich wieder) der hyperaktive und vielseitige трип-Starproducer Bjarki dabei, letzterer diesmal unter dem albernen Pseudonym bbbbbb. Sein Track »Prins Polo Caramel Milkshake« ist kein Knaller, hat aber eine witzige verspielte Ideen, die die ansonsten eher bedeckte Stimmung des Albums erfrischen. Exos' »Dub Jazz« ist, wie der Titel schon sagt, ein dubbiger, einnehmender Track, mit 3:30 leider viel zu kurz. Da hätte er locker noch mal 3:30 drauflegen können, gerne auch mehr. Dies hingegen tat A_000 (Alan Backdrop) mit dem abschließenden 13-Minuten-Epos, das Spaß am großen Erzählbogen hat, sich von einem langen schwebenden Elektrotrack im letzten Drittel eine Acid-Techno-Kurve nimmt. Klasse. (ijb)



Siehe auch:
Exos

 Verschiedene (Trip Recordings): трип ‎008 »Cон не для меня« | »Sleep Not Found«

Offizielle Website

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