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Alle Rezensionen zu Nakama 仲間
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Before the Storm
(2015, Nakama Records NKM001CD/LP)

Auch wenn diese CD komplett japanisch aussieht und beschriftet ist, handelt es sich dabei doch um ein norwegisches Projekt. Bassist Christian Meaas Svendsen pflegt seine Japan-Liebe eben derart hingebungsvoll, dass er sowohl (s)eine Band als auch sein 2015 gegründetes Avantgarde-Jazz-Label Nakama nannte, was im Japanischen (仲間) so viel wie Gefährte oder Kamerad bedeutet und die Philosophie des Kollektivs auf den Punkt bringen möchte. Die derzeit vier Nakama-MusikerInnen haben sich als »Band, die außerhalb konventioneller Grenzen arbeitet«, gemeinsam zum Ziel gesetzt, »die Welt mit interessanter, bahnbrechender alternativer Musik zu füttern«.

Für die Katalognummer 1, das Album »Before the Storm« komponierte Meaas Svendsen vier Avantgardestücke, die an sich weit mehr an die amerikanische »Neue Musik« nach Cage oder Feldman erinnern als an nordischen Jazz. Es ist nicht ganz klar, wie viel hier kompositorisch festgelegt wurde und wie viel improvisatorischen Freiraum sich die Mitglieder des Quartetts nehmen. Das erste und bei weitem längste Stück »Gyōdō« dauert fast 18 Minuten und ist von rigoroser Schlichtheit und einem repetitiven Minimalismus geprägt. Svendsen (geb. 1988) war über die letzten Jahre in diversen Bands quer durch Genres und Stile aktiv, von Andrea Rydin Berges Kvintett mit Pop-Jazz über das brillant improvisierende Ayumi Tanaka Trio, den (Post-)Modern Jazz im Magnus Bakken Quartet bis hin zu Paal Nilssen-Loves NoiseRock-FreeJazzorchester Large Unit. Er sagt, die vier Tracks seien als Erforschung von Klang im Verhältnis zu Stille zu verstehen, und dafür fand er in Geiger Adrian Løseth Waade (Skadedyr), Schlagzeuger Andreas Wildhagen (Lana Trio, Large Unit) und Pianistin Ayumi Tanaka (Mongrel) drei sehr freigeistige Mitstreiter. Dass Nakama ihr Debütalbum zudem mit Jan Erik Kongshaug im Rainbow Studio aufgenommen, gemischt und gemastert haben, sorgt zudem für einen brillanten Klang, den diese radikale, aber auch zum Meditativen neigende Musik zweifelsohne braucht. (ijb)



Siehe auch:
Ayumi Tanaka Trio
Andrea Kvintett
Magnus Bakken Quartet
Paal Nilssen-Love | Large Unit

 Nakama 仲間: Before the Storm

Audio-Link Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      www.nakamarecords.no

   

Grand Line
(2016, Nakama Records NKM004CD/LP)

Nach dem wunderbar spröden Album »BEFORE THE STORM« hätte man sich womöglich beim zweiten Album eine etwas, nun ja, eingängigere Platte erhofft, aber nichts dergleichen! Wem das Debüt des Quartetts zu radikal war, der wird »Grand Line« womöglich nicht lange aushalten. Wer hingegen nach einer zeitgemäßen Weiterführung der Ideen von Cage, Zorn oder Xenakis, gefiltert durch die junge Jazz-Avantgarde des neuen Jahrtausends sucht, nach mutigen neuen Wegen jenseits von Jazzimprov und komponierter kammermusikalischer, der wird mit Christian Meaas Svendsens Musikstücken in der Ausführung von Nakama eventuell das von Konventionen befreiteste Album des Jahres finden Musik zwischen Abstraktion und Hypnose.

Allerdings hilft es, sich für die 72 Minuten Musik, die wieder an nur einem Tag im Rainbow Studio eingespielt wurden, Svendsens Erläuterungen zu lesen und die beigefügte grafische Notation mit den Instruktionen zu studieren. Er ist bestrebt, die Möglichkeiten des (Improvisations-)Ensembles zu erweitern (daher der Vergleich mit John Zorn) und die Frage, wie Musik sich im Verlauf der Zeit manifestiert, zu hinterfragen. Musik als introspektives Ritual? Der Zugang ist kein einfacher, lässt sich vielleicht am ehesten mit Hilfe einer meditativen Verfassung beim Hören ermöglichen. Als Co-Produzenten sowie für Mischung und Mastering haben sich Nakama diesmal Christian Obermayer ins Boot geholt, den Assistenten und Eleven von Audun Strype, dem großen norwegischen Meister klanglicher Details und Finessen. Rainbow plus Strype Audio – besser kann Soundqualität nicht werden. (ijb)



Siehe auch:
Filosofer
Christian Meaas Svendsen
Skadedyr
Lana Trio

Audio-Link

   

Most Intimate
(2016, Nakama Records NKM008CD)

Nakamas drittes Album innerhalb rund eines Jahres wird als Abschluss einer Trilogie bezeichnet, als letztes in der aktuellen Besetzung, denn mittlerweile zählt Sängerin/ Stimmkünstlerin Agnes Hvizdalek zum Ensemble und damit zur Nakama Label-Familie. Der Titel »MOST INTIMATE« deutet an, dass es diesmal persönlicher zuginge als auf den ersten beiden CDs. Ob das so zutrifft, lässt sich nicht einwandfrei herausfinden, doch die im Mai 2016 diesmal im Osloer »Propeller Studio« aufgenommenen 15 Stücke sind zumindest mehr Ergebnis eines gemeinschaftlichen Entstehungsprozesses als bei den Vorgängern.

Dazu überlegten sich die vier Musiker ein Konzept: jeder widmete eine Trio-Komposition (»Dedication«) einem anderen Mitglied, spielte dabei selbst nicht mit; darauf folgt eine Reaktion im Quartett namens »Gratitude«, mit einem Instrumententausch, gefolgt von jeweils einer »Unification«, in der alle Musiker die Instrumente tauschen und frei auf der Basis des vorhergehenden Materials improvisieren. Gerahmt wird all dies von zwei elegisch-melodischen »Intimate«-Stücken. Ein aufgrund der Spontaneität durchaus reizvolles, mal etwas anderes Free-Jazz-Album mit Charme, das weniger sperrig und spröde klingt als man von Nakama bislang gewohnt war. (ijb)



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