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Alle Rezensionen zu Christian Meaas Svendsen
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

Forms & Poses
(2016, Nakama Records NKM002CD/NKM002LP)

Der umtriebige Christian Meaas Svendsen hat sich nach der Mitwirkung in Projekten wie Paal Nilssen-Loves Large Unit, Mopti, Duplex, Magnus Bakken Quartet und Andrea Kvintett mit seinem Kollektiv und Label Nakama unlängst einen ambitionierten eigenes Projektkosmos gegründet, mit dem er sich aufmacht, ebenso in Ensembles wie als Solo-Kontrabassist die Grenzen von Jazz aufzubrechen und weit ins Avantgardistische zu bewegen. Nicht nur die bislang zwei mutigen Alben des Nakama-Quartetts, sondern auch die faszinierende Musik von Filosofer und Projekte befreundeter Musiker zeugen nun davon, wie ernst es dem jungen Norweger und Ostasien-Liebhaber damit ist, neue Formen und Sprachen zu finden.

In diese Kerbe haut dann auch sein Soloprojekt »FORMS & POSES«, vier Solo-Bass-Stücke von insgesamt 40 Minuten Länge, die zudem um ein Beiheft mit Fotografien ergänzt werden, welche Meaas Svendsen und sein Instrument in verschiedenen Posen zeigen. Performance, visuelle Kunst und Klangavantgarde gehen hier also Hand in Hand. Die Posen sind inspiriert von Ashtanga-Yoga, erläutert der Musiker auf Nachfrage, nicht aber von der Musik. Naheliegend ist der physische Aspekt bei einem so unhandlich großen Instrument wie dem Kontrabass sowieso, weshalb die Brücke zwischen Yoga und Bassspiel durchaus eine schlüssige Verbindung ergibt. Auf seiner Webseite schrieb der junge Mann einen kleinen Essay »Über Körperlichkeit« (»On physicality«), der diese CD gut ergänzt.

Sein zweites Soloalbum lässt sich als intime Erkundung des Kontrabasses und seiner Fähigkeiten beschreiben, was selbstredend ebenso die Fähigkeiten des Interpreten zur Disposition stellt. Man hört den vier Improv-Stücken an, dass sie eine körperliche Herausforderung darstellen; Meaas Svendsen schätzt diesen Kraftakt des Musizierens. Das erste Stück, »Vita«, füllt mit 20 Minuten gleich die Hälfte der CD bzw. LP. Es basiert auf langen Vorarbeiten, und er selbst nennt Stefano Scodanibbio, der auch auf den Kollegen Håkon Thelin einen elementaren ausübte. Eine scheinbar einfache Technik wird in »Vita« dazu genutzt, den Bass zum Duettpartner zu machen. Auch der Raum selbst, das bei Musikern der freien Szene beliebte Vigeland-Mausoleum in Oslo, wird mit seinem teils 20 Sekunden langen Hall ein weiterer Mitwirkender dieser Aufnahme.

Die Einfachheit und halb physische, halb spirituelle Qualität dieses repetitiven und fordernden Spiels führt zu einer unerwarteten Vielschichtigkeit im interpretatorischen Ergebnis, wobei das dunkel raunende Klangerlebnis auf CD immerhin zu erahnen ist; man sollte wohl die Lautstärke entsprechend aufdrehen, doch auch auf Zimmerlautstärke entsteht eine reiche Qualität durch die gelungene Aufnahme.

Auch »aria prefix M-« fasziniert mit einer kompositorischen Einfachheit, die erst durch die Interpretation zu hoher Komplexität gerinnt: Eine einfache Melodie wird auf beiden Seiten der Saiten zugleich gespielt, wodurch der Musiker Akkorde aus vier Tönen mit nur zwei Saiten erzeugt. Das Titelstück »Forms & Poses« greift zu einer Vielzahl eigenartiger Techniken, von denen nur Fragmente übrig bleiben. Eine raffinierte Mechanik des Kontrabasses, auch im letzten Stück. Fordernd auf allen Ebenen. (ijb)



Siehe auch:
Nakama 仲間
Filosofer
Håkon Thelin
Santos Silva / Wodrascka / Meaas Svendsen / Berre

Christian Meaas Svendsen: Forms & Poses

Offizielle Website

Offizielle Website      www.nakamarecords.no

   

Avin
(2017, Nakama Records NKM010 LP/CD/DL)

»AVIN« ist bereits Katalognummer 10 auf Christian Meaas Svendsens kaum zwei Jahre altem Avantgarde-Label Nakama, und als Nachfolger des sehr persönlichen, sehr spröden Solo-Kontrabass-Albums »FORMS AND POSES« klingt es wie das Werk eines gänzlich anderen Künstlers. Denn der Bassist gibt hier nicht nur den Singer/Songwriter mit Gitarre und persönlichen Songtexten, nein, er hat mit »AVIN« gleich ein ambitioniert arrangiertes Kammermusik- Album hingelegt, das gleichermaßen die Anforderungen von Avant-Pop wie von romantischem (nordisch eingefärbtem) Kunstlied erfüllt. Vier Streicher und zwei Bläser (sowie der stimmliche Gastauftritt von Agens Hvizdalek) rahmen seine autobiografisch gefärbte Erzählung vom Auf und Ab einer Liebesgeschichte. Denn Avin ist nicht nur ein kurdischer Mädchenname, der »Liebe« bedeutet, sondern zugleich der Name von Christians Freundin.

Ob die beiden noch zusammen sind, ist aus den Texten und den Presseinfos nicht zu entnehmen, doch der Autor selbst beschreibt das Thema des Albums ohnehin als das der »unvollendeten Liebe«; es besteht also noch Hoffnung. Als Band hat sich Christian Meaas Svendsen ein paar der fantasievollsten Instrumentalisten seiner Generation ins Boot geholt, speziell das als Vilde&Inga bekannte Streicherduo, den umtriebigen Posaunisten Henrik Munkeby Nørstebø und den kompromisslosen Streifenjunko-Saxofonisten Espen Reinertsen, der in Christian Wallumrøds Ensemble bereits Erfahrung mit vergleichbar zurückhaltenden Arrangements zwischen Jazz und Kammermusik hat. Die Kompositionen auf »AVIN« sind mit ihren Melodien ein wenig leichtfüßiger, zugleich aber auch verhalten und introspektiv - hier beherrscht einer die Klaviatur von hoher Kunst und eingängiger Emotionalität gleichermaßen. (ijb)



Siehe auch:
Vilde&Inga
Henrik Munkeby Nørstebø
Espen Reinertsen



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