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Alle Rezensionen zu Danish String Quartet
(Genre »Folk«, Land »Dänemark«)

 

Last Leaf
(2017, ECM/Universal ECM New Series 2550)

Ihr letztjähriges ECM-Debüt mit weniger bekannten Werken von Adès, Nørgård und Abrahamsen zählte zu den (womöglich zu wenig beachteten) Höhepunkten der Veröffentlichungen im Bereich zeitgenössischer Kammermusik; da ist es besonders erfreulich, dass das Danish String Quartet bereits ein Jahr später nachlegt – und zwar auf recht unerwartete Weise. Sehr erfreulich, dass sie auch diesmal eine eigenwillige Werkauswahl mit einem überzeugenden Gesamtkonzept in petto haben. Der Fokus von »LAST LEAF« liegt nämlich nicht auf den Komponisten, sondern auf der überlieferten Musik ihrer Heimat.
Vorwiegend dänischer Volksmusik nahmen sich die vier Dänen an, geschickt ergänzt um einzelne Stücke von den britischen und den Färöer Inseln, aus Schweden sowie ein paar eigenen Kompositionen, die sich geschickt in die nordische Rundreise eingliedern.

Ein (teils sehr leiser) Höhepunkt ist der »Unst Boat Song« (und mit seinen knapp fünf Minuten das längste Stück der CD), der auf traumnahe Weise die Nähe zwischen den Shetland-Inseln und Norwegen in den Fokus rückt und zugleich zu einer wundersamen Zeitreise einlädt, denn dieses halb melancholische, halb sehnsüchtige Traditional nordischer Seefahrer soll bereits vor tausend Jahren auf dem Meer gesungen worden sein. Ebenso gut könnte diese Komposition aus der jüngeren Vergangenheit stammen, denkt man an klassisch geschulte Komponisten der Filmmusik oder an religiös gefärbte »Minimal Music«. Kaum bemerkt man, wie im Folgenden die Lieder geschickt ineinander gleiten, zuerst in einen langsamen schwedischen Polska, den die Fiedlerin Eva Sæther, aktuell Professorin und Dozentin in Malmö und Lund, inspiriert vom norwegischen Gudbrandstal schrieb, dann flott zurück ins Dänemark des 18. Jahrhunderts zu zwei völlig unterschiedlichen Tanzstücken, von denen das zweite wiederum von den britischen Inseln importiert wurde; in der Interpretation des Quartetts trägt es trotz seines romantischen Gestus indes gar nichts Altmodisches an sich.

Nicht nur von einem Stück zum nächsten, auch innerhalb der Lieder variieren die Musiker Tempi und Stimmungen, Gefühlslagen und Dynamik, Drama, Introspektion, Ernsthaftigkeit und spielerische Leichtigkeit in beeindruckender Wendigkeit. Da darf auch mal ein Glockenspiel, ein Harmonium oder ein Piano erklingen; nicht verkehrt, wenn einen das an Nils Øklands sehr gegenwärtige Auslegung von Nordic Folk denken lässt. Anders als Økland jedoch bleibt hier das klassische Streichquartett jederzeit die Basis, und es gelingt ihnen bemerkenswert, die 16 manchmal kurzen Lieder zu einer großen, schillernden, agilen Suite im »klassischen Stil« zu verknüpfen.

Die vier Streicher schreiben, dass ein dänisches Weihnachtslied, »Now found is the fairest of roses« (1732 mit Text publiziert), den Auslöser für diese Zusammenstellung gab, sie gerade dessen ungewohnte und dunkle Anmutung zwischen Leben und Tod fasziniert habe; es basiert auf einem lutherischen Choral. Es setzt einen recht nachdenklichen Schlusspunkt hinter diese ansonsten vorwiegend packende Reise durch Orte und Zeiten. (ijb)



Siehe auch:
Trio Mediæval
TrondheimSolistene
Danish String Quartet: Adès, Nørgård, Abrahamsen
Nils Økland

 Danish String Quartet: Last Leaf

Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      danishquartet.com



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