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Alle Rezensionen zu Øystein Blix
(Genre »Jazz«, Land »Norwegen«)

 

Conditions
(2016, Losen Records LOS 156-2)

Eines der bislang außergewöhnlichsten Projekte bei Losen Records ist Øystein Blix' zehnteilige Suite für Posaune, Gitarre, Schlagzeug und Männerchor, eine Auftragsarbeit für das »Northern Lights Festival« 2013 in Tromsø. Die Texte drehen sich um die Kämpfe, denen »Künstler und kulturelle Institutionen in diesen finanziell und politisch schweren Zeiten« ausgesetzt sind – in Italien. Daher sind alle Titel und Texte in italienischer Sprache. Aufgenommen wurde das Opus allerdings im Juni 2015 in Tromsø, finanziell unterstützt durch den Fonds für darstellende Künstler und das Nordnorwegische Jazzcenter.

Die ganze Thematik muss der gemeine CD-Käufer und -Hörer freilich weniger beachten, zumal wenn er nicht des Italienischen mächtig ist. Freilich ist dieses musikalische Projekt derart jenseits aller Schubladen und kompositorisch ungemein ambitioniert, so dass die meisten Jazzhörer, die auf diese CD stoßen, ohnehin unschlüssig vor dem Werk stehen dürften. Doch dies ist bedauerlich, denn so sperrig, wie man vermuten würde, ist »CONDITIONS« gar nicht. Der Gitarrist Kristian Svalestad Olstad (aka KOL), mit dem Blix bereits in anderen Projekten spielte, setzt wie Eivind Aarset elektronische Verfremdungen ein, so dass sein Sound deutlich mehr in Richtung Ambient Jazz als in Richtung Klangspektektakel geht. Auch Aleksander Kostopolous ergänzt seine Palette mit elektronischen Mitteln, zeichnet halb Rhythmen, halb Texturen. Am ehesten an gewohnten Jazz erinnert daher das teils improvisierte Posaunenspiel des Komponisten, wogegen das Werk in seiner Gesamtheit, speziell wegen des Mimas Männerchors unter der Leitung von Ursa Lah, mehr mit zeitgenössischer Klassik gemein hat.

Es ist also ein wenig von allem, auch weil der Chor mal an ruhige gregorianische Gesänge erinnert, mal dramatisch aus dem Vollen schöpft, mal die Texte rhythmisch spricht, und die drei Musiker in anderen Passagen alle möglichen Stile streifen, von Rock über Dub bis hin zu kurzen Drum&Bass-Momenten. Das hätte leicht in die Hose gehen und als peinlich misslungener Gemischtwarenladen enden können. Tut es aber in keinem der zehn Stücke. Øystein Blix hat hier ein beeindruckend radikales und zugleich bewegend schönes Referenzwerk geschaffen, das zweifelsfrei einzigartig ist. (ijb)



Siehe auch:
Tromsø Kunstforsyning
Alf Kjellmann
Kristian Svalestad Olstad
Mørk

Øystein Blix: Conditions



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