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Alle Rezensionen zu Håkon Stene & Kristine Tjøgersen
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

Michael Pisaro: asleep, street, pipes, tones 
(2017, Hubro/Grappa HUBROCD2591)

Håkon Stene spielte bereits für sein Album »ETUDE BEGONE BADUM« ein Stück des amerikanischen Komponisten Michael Pisaro (geb. 1961 in Buffalo, New York) aus der Wandelweiser-Gruppe ein, das radikale »Ricefall«. Wem Stenes poetisch stille Alben bei Hubro (»LUSH LAMENTS FOR LAZY MAMMAL« und asamisimasas »SOUND OF HORSE«) zuletzt zu charmant oder elegant ausgefallen sein sollten (für beide erhielt er den norwegischen Spellemannpris), dürfte mit dieser Geräuschmusik womöglich voll auf seine Kosten kommen. Schwebende Minimal Music ist Pisaros Komposition »asleep, street, pipes, tones« für Bassklarinette, elektrische Gitarre und Tonband aus dem Jahr 2009 zweifelsfrei auch - jedoch in einem gänzlich anderen Sinn als die warmen Stücke von Laurence Crane.

Hubro-Freunde wissen mittlerweile, dass einem beim Erwerb von Alben aus dem Katalog längst nicht mehr nur Jazz, Improvisiertes und Melodisches begegnet, siehe Brutter oder Jo Berger Myhre & Ólafur Björn Ólafsson. Die karge Klangwelt des Michael Pisaro würde man freilich eher bei den experimentelleren Kollegen von Sofa Music erwarten; der plötzliche, vom Tonband eingespielte Einsatz von Fragmenten anderer musikalischer Welten erinnert beispielsweise stark an Martin Küchens unlängst veröffentlichtes Sofa-Album.

Obgleich diese einstündige Suite in 19 Teilen größtenteils mit gewöhnlichen Instrumenten gespielt wurde (ein gestrichenes Piano ergänzt die beiden Gitarren und die beiden Klarinetten neben den Feldaufnahmen), hätte vieles auch mit brummenden Geräten, Autoauspuffen defekten Maschinen entstanden sein können. Håkon Stene möchte unsere Hörerfahrung herausfordern; das war bereits Thema seines Forschungsprojekts, aus dem das erwähnte Soloalbum resultierte. Hier nun tat er sich mit Klarinettistin Kristine Tjøgersen vom Ensemble neoN und asamisimasa, derzeit in Linz Studentin der Komposition, zusammen; gemeinsam haben sie sich in die gedämpfte Atonalität, die hypnotische Langsamkeit der 19 Soundstudien vertieft.

Wie bei »ETUDE BEGONE BADUM« scheint es anfangs vollkommen ausgeschlossen, dass man sich mit diesen enervierenden, völlig abstrakten Geräuschen jemals anfreunden würde. Doch, auch wenn es vielleicht ein bisschen dauert, mit der Zeit entsteht ein höchst faszinierender und irgendwie auch poetischer Sog, dem man sich hingeben und in dem man so manche klangliche Entdeckung machen kann; besonders, wenn zwischendurch recht überraschend die diversen »Found Footage«-Aufnahmen eingespielt werden, als hätte jemand plötzlich den Fernseher oder das Radio eingeschaltet. Extrem sperrige Kost, aber auch sehr gut. (ijb)



Siehe auch:
Håkon Stene
asamisimasa
Ensemble neoN
Martin Küchen

Håkon Stene: Michael Pisaro: asleep, street, pipes, tones 

Offizielle Website

Offizielle Website      www.hubromusic.com



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