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Alle Rezensionen zu Django Bates' Belovèd
(Genre »Jazz«, Land »Grenzgänger«)

 

The Study of Touch
(2017, ECM/Universal ECM 2534 | 573 2663)

Dass Django Bates bereits 57 Jahre alt ist, sieht man ihm überhaupt nicht an, so jugendlich wirkt der englische Pianist und Jazzkomponist auf vielen Fotos. Bates ist, obwohl er seit über 30 Jahren einen Namen in der internationalen Jazzwelt hat, nie einer der wirklichen »Stars« geworden, was wohl daran liegt, dass er sich nie kategorisieren ließ. Vor einem halben Jahr erschien bei Edition Records sein ungewöhnliches »Sgt. Pepper«-Coveralbum mit der Bigband des HR und den Dänen Eggs Laid By Tigers – was vermutlich mit ein Grund war, dass die im Juni 2016 in Oslo aufgenommene Session erst Ende 2017 erscheint. Denn Im direkten Gegenüber wirkt »THE STUDY OF TOUCH« da geradezu unspektakulär.

Doch die Entstehungsgeschichte des Projekts ist bereits an sich hochinteressant. Bates begann 2005 am Rhythmischen Musikkonservatorium in Kopenhagen zu unterrichten und hörte schon bald per Zufall zwei Studenten, den schwedischen Bassisten Petter Eldh und den dänischen Schlagzeuger Peter Bruun. Obgleich er wohl einst ausgesagt hatte, nie Teil eines Pianotrios sein zu wollen, da es davon bereits mehr als genügend gebe, begannen die drei schnell eine andauernde Zusammenarbeit, zunächst nur in Form wöchentlicher Proben über den Zeitraum eines Jahres. Fünf Jahre später spielten sie ein Album mit Kompositionen von Charlie Parker und dann ein weiteres mit eigenen Stücken ein.

Eine kurze Nummer von Parker ist auch hier zu hören, doch weitestgehend sind es Bates' eigene Stücke, kulminierend im sublimen zehnminütigen Titelstück. Um diese epische Ballade, die einen unorthodoxen Bogen spannt und dabei so manche unvorhersehbare Wendung nimmt, tänzeln oft mehr impressionistisch und introspektiv, als man das von Bates' quirligem Geist gewohnt ist, zehn durchaus unterschiedliche Stücke, deren Feinheiten dem Hörer nicht gleich ins Auge bzw. Ohr springen. Mal wähnt man sich in einer melancholischen Nostalgie, die kurz darauf von einer humorvollen Volte hinweg gewischt wird, mal wechselt ein nachdenklicher Dialog zu einer schwungvollen Nummer.

Wie Django Bates Jazzthetik im Interview erzählte, sei er im Januar 2015 bei München auf der Autobahn unterwegs gewesen, und da er ein wenig Zeit hatte, nahm er die Ausfahrt zu den ECM-Büros - vielleicht sei ja zufällig Manfred Eicher vor Ort. Und tatsächlich entstand da gleich die Idee, mit dem Trio gemeinsam ins Studio zu gehen. Mit ECM verbindet Bates eine sehr lange Beziehung. Als junger Musiker war er als Mitglied des Quartetts First House auf zwei ECM-LPs in den 1980ern vertreten, wenig später mit Sidsel Endresens ersten Soloalben, mit Nils Petter Molvær und Jon Christensen, schon Teil der nordischen Musikszene. Seitdem sind weit über zwanzig Jahre vergangen, und dieses neue Projekt erwies sich auch als Inspiration für Manfred Eicher: Er schlug den Pianisten Anouar Brahem vor, der für sein jüngstes Album »BLUE MAQAMS« eine neue Band zusammenstellte und eine Zeitlang bereits nach dem richtigen Mann fürs Klavier gesucht hatte. »BLUE MAQAMS« erschien nun kurz vor Bates' Trio-CD und wurde sofort überall als Klassiker und als eines der besten Alben des Jahres, von einigen als die beste ECM-Veröffentlichung 2017 gefeiert, woran Mr. Bates' fabelhaftes Spiel mit Anteil hat. Welch ein erfolgreiches Jahr für Django! (ijb)



Siehe auch:
Django Bates & hr-Bigband
Sidsel Endresen mit Bates, Molvær & Christensen
Peter Bruun
Petter Eldh

Django Bates

Video-Link Offizielle Website

Offizielle Website      www.djangobates.co.uk



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