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Alle Rezensionen zu Sly & Robbie meet Nils Petter Molvær feat Eivind Aarset and Vladislav Delay
(Genre »Beats«, Land »Grenzgänger«)

 

Nordub
(2018, Okeh/Sony Music 88985406342)

Wer auch immer die Idee hatte, die jamaikanischen Reggae- und Dub-Veteranen Sly Dunbar & Robbie Shakespeare mit den Nordlichtern Nils Petter Molvær und Eivind Aarset zusammenzubringen und dazu noch Vladislav Delay einzuladen – er hatte ein goldenes Händchen (oder Öhrchen). Nach einem für alle Beteiligten inkl. dem Publikum offenbar sehr beglückenden Konzert in Frankreich, dem sich eine Tour anschloss, traf man sich im November 2016 in Oslo, um mit weiteren Vertretern der norwegischen Elektro-Zunft ein Album aufzunehmen. Und, um es vorweg zu nehmen: Es ist eine Wucht!

Dabei speist sich die musikalische Kraft nicht aus der etwaigen Innovationskraft der einzelnen Akteure. Im Gegenteil: Aarset rollt seine bereits bekannten »magnetischen« Teppiche aus, über die Molvær seine Trompete wie gewohnt erklingen lässt, mal sehr klar, mal heißer, mal durch den Verzerrer gejagt, Herr Delay hält all dies gekonnt in stetem Fluß und Sly & Robbie stellen sich einfach nur dappig an (um ein Wortspiel zu verwenden, das wohl nur die süddeutschen Leser verstehen werden). Jan Bang und punktuell auch Erik Honoré unterfüttern die atmosphärische Dichte der Aufnahme mit Synthesizern und einigen Field-Recordings. Nein, der außerordentliche musikalische Gewinn entsteht vielmehr daraus, dass es diesen Individualisten gelingt, ihre Fähigkeiten so musikalisch miteinander zu verschränken, dass etwas Größeres entsteht – ein Moment, das Molværs vorangegangenes Projekt mit Moritz von Oswald fast gänzlich vermissen ließ.

Hier hingegen fließt die Musik wie ein breiter Strom stetig vorwärts, bleibt aber durch das erdige Fundament der beiden Jamaikaner und den schön direkten Gesamtsound klanglich stets präzise. Er wird weniger von griffigen Melodien als vielmehr von rhythmischen Strukturen und kleinen Motiven in stetiger Bewegung gehalten. Doch gerade, wenn man beginnt, sich im Flow der Musik zu verlieren und sich die Titel gelegentlich noch viel viel länger wünscht, um vollständig darin einzutauchen, wird man zur Mitte der Aufnahme durch schroffere Töne wieder ins Diesseits befördert. Aber spätestens bei »Dream Drifter« (wie wahr!) ist es bis zum finalen Ton der Scheibe wieder um einen geschehen.

Anhänger der reinen Lehre Molværs oder Aarsets könnten gerade zu Beginn der CD ihre Schwierigkeiten haben, des Dubs wegen, wer aber etwa die Remix-Alben des Trompeters nicht ganz abwegig fand, der wird auch hier Gefallen finden. Dem Album ist zu wünschen, dass es in dieser Form alleine stehen bleiben darf und reifen kann, als ein markanter Monolith in den Karrieren der einzelnen Beteiligten – und nicht durch ein späteres »NORDUB II« oder gar »III« in seiner Größe beschnitten wird. (stv)



Siehe auch:
Nils Petter Molvær & Moritz von Oswald
Eivind Aarset
Vladislav Delay
Jan Bang, Erik Honoré, Punkt

 Sly & Robbie meet Nils Petter Molvær: Nordub

Video-Link



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