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Alle Rezensionen zu Supersilent
(Genre »Avantgarde«, Land »Norwegen«)

 

9
(2009, Rune Grammofon/Cargo RCD 2092)

Da waren's nur noch drei. Nach 12 Jahren hat Drummer Jarle Vespestad das Quartett Supersilent verlassen – und das verbleibende Trio aus Ståle Storløkken, Arve Henriksen und Helge Sten hat sich zudem entschieden, ihr bisheriges Instrumentarium gegen Hammondorgeln auszutauschen. Alles anders also?

Jein. Um es gleich mal zu sagen: Supersilent sind so gut, so wegweisend und so innovativ wie eh und je. Ihre Sounds jagen die Musiker immer noch durch allerlei Effektgerät, die vier titellosen Stücke sind immer noch mit geradezu telepathischer Präzision frei improvisiert. Wieder haben Deathprod und Bob Katz beim Mastering eine Meisterleistung hingelegt und schaffen es, die magische Spannung und die ganze dynamische und atmosphärische Bandbreite eines Supersilent-Livekonzerts auf CD zu bannen. Also: Ein Album vor dem psychologisch wichtigen zehnten sind die norwegischen Soundtüftler auf der Höhe ihres künstlerischen Outputs – wie allerdings bei jedem Album zuvor auch schon.

Und doch hat sich was verändert – wie sich auch zuvor schon, seit dem Debüt 1997, immer mal wieder was geändert hat. Es ist die Struktur des Klangs: hier wieder deutlich rauer, widerhakiger, aggressiver und gleichzeitig abstrakter als bei den Alben 4 bis 8, bei denen man als Hörer zuverlässig irgendwann von einer überwältigend sphärischen Klangwand wohlig hinweggefegt wurde. Die drei Orgeln machen diesmal aber keine Himmels-, sondern eher kalte Weltraummusik. Die allerdings wiederum so faszinierend ist, dass man gebannt in diese endlosen, mal dröhnenden, mal pulsierenden, mal wispernden Weiten lauscht.

Prognose: Auch bei Album 20 werden Supersilent wieder das Rad neu erfinden, was eigentlich unmöglich sein sollte, bei diesem Ensemble aber nicht ist. »Bleibt alles anders«, wie das ein deutscher Nicht-Avantgardist mal ganz schön ausgedrückt hat. Als hätte er Supersilent mal gehört. Unwahrscheinlich. Aber nicht unmöglich ... (sep)



Siehe auch:
Arve Henriksen
Thomas Strønen & Ståle Storløkken
Motorpsycho
Verschiedene: Love Comes Shining Over The Mountains


Zur DVD-Rezension über Supersilent


Zum Artikel über Supersilent

 Supersilent: 9

Die CD »9« war »CD des Monats« im Monat 12 / 2009.
Und so urteilten unsere anderen Autoren darüber:

Zustimmung bei allem! Supersilent sind auf einer ganz eigenen Umlaufbahn, und niemand kommt da auch nur in die Nähe. Ich find's immer wieder toll, und auch immer wieder unbeschreiblich.
Tim Jonathan Kleinecke

Supersilent verschaffen mir Alpträume. Rütteln mich durch. Putzen die Ohren mit Turbo-Antrieb. Sind beunruhigend. Sind gewöhnungsbedürftig. Sind im höchsten Maße anregend. Sind völlig unangepasst. Sind aufregend. Sind großartig.
Eva-Maria Vochazer

Dieses Album ist ein akustisches Hindernis. Steht erstmal sperrig im Weg, dröhnt, rappelt und schillert in vagem Licht – und das mit herrlicher Selbstverständlichkeit! Die 9. Version ist wieder einmal ein Werk geworden, für das man Zeit und auch Raum braucht, das neue Neigungswinkel abstrahierender Musik auslotet. Und ob das weit oben oder eher unten ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Markus Wiludda

Ähm ja. Da hört man also Geräusche (Musik?), die von einer aus der Zeit geworfenen Maschine stammen könnten. Drei der besten norwegische Instrumentalisten spielen zusammenhangloses Zeug auf Hammondorgeln? Andererseits: Die dreiköpfige »Superstille« hat Mut und genug Improvisationstalent, um bei Null anzufangen. Ein Talent, das leider (zu) selten geworden ist.
Leif Haugjord

   

12
(2014, Rune Grammofon/Musikkoperatørene RCD2162)

Auf den ersten Blick meint man, Album Nummer 12 kehre im Farbton — nach wie vor einziges visuelles Kennzeichen der Serie — zu jenem Blau des Debüts zurück. Doch ein flinker Griff ins CD-Regal zeigt auf: »12« ist weitaus dunkler, fast mehr grau als blau. Und dies spiegelt die Musik selbst wider. Nun war der Erstling (nicht mehr lange, dann feiern sowohl die Band als auch ihr Stammlabel bereits zwanzigjähriges Jubiläum... kaum zu glauben!) freilich keine fröhliche Popscheibe, doch gegen die frische und hitzige Spielfreude und den einst noch rohen Sound von einst nehmen sich Supersilent auf dem jüngsten Album wie elaborierte Geisterbeschwörer aus.

Rhythmen finden nurmehr am Rande statt, und den maßlosen Laufzeiten früherer Stücke stehen heute eher skizzenhafte, ähem, Songs gegenüber — 13 in gerade mal 44 Minuten, zudem in mehreren Sessions an drei Orten und von drei Toningenieuren im Sommer 2011 mitgeschnitten. Past ja, denn »12« ist Supersilents drittes Album als Trio. (»11« bestand noch aus Aufnahmen mit Jarle Vespestad.) Melancholisch melodische Nummern wie »12.5« wechseln sich mit harschen, Synthie-Eskapaden ab, die anmuten wie trippige Gitarrensoli auf Space-Orgeln von Stockhausen oder Ligeti. Manchmal, so in »12.7« oder »12.11« kommen die beiden Pole zusammen, und es endet in Tristesse. So kalt war es nie zuvor bei Supersilent. (ijb)

   

10
(2010, Rune Grammofon RCD2102)

Nummer 10 also. Bei ihrem ersten einstelligen Album machen Supersilent alles wie immer und gleichzeitig alles neu. Dasselbe minimalistische Auftreten. Dieselbe Praxis: Keine Proben, keine Diskussion, einfach nur Musik. Der Klang ist dafür ganz neu - die Tracks lassen sich ziemlich eindeutig in drei verschiedene Schubladen sortieren: Pure Elektronik-Flächen, die an Deathprod (Supersilent-Mitglied Helge Sten) erinnern. Typischer Supersilent-Sound mit großen Bögen und erdfernen, tastenden Melodieverläufen. Und dann Tracks mit Steinway-Konzertflügel, die nach einer Mischung aus Debussy, Eric Satie und Neuer Musik klingen. Echte Kammermusik, nach Komposition klingende Werke für Trompete und Klavier. Sehr erstaunlich - und nach dem etwas verwirrenden, ganz schön kühlen Hammondorgel-Ausflug auf Album Nummer 9 wieder sehr, sehr herzerwärmend. (sep)



Siehe auch:
Arve Henriksen
Deathprod
Humcrush

   

8
(2007, Rune Grammofon RCD 2067)

Das wilde Chaos der Anfangstage beginnt sich zu mehr Struktur zu verdichten – improvisiert ist trotzdem noch jeder Ton, den das Quartett in Studio-Sessions auf Scheibe bannte. Elektronischer als die Vorgänger klingt Folge 8; die Kontraste zwischen Ruhe und Eruptionen sind krasser als je zuvor, das Klanguniversum fremdartiger, flächiger und kälter. Sounds von billig klingenden Elektronik-Instrumenten drängeln sich in komplexe, mit Spannung aufgeladene Klangballungen. Immer wieder kippen einzelne Tracks vom Sanften ins Verstörende oder umgekehrt: vom Abstrakten ins Rührende.

Der vorletzte Track ist Heavy-Metal-Freejazz, der letzte eine zerstäubte Reste-Musik – und in ihrer Interaktion sind sich Arve Henriksen, Jarle Vespestad, Helge Sten und Ståle Storløkken so blind einig wie nie zuvor. Der achte Streich von Supersilent ist ihr achtes Meisterwerk in Folge, ein weiterer Schritt auf Pfaden, die sonst niemand geht. Das klingt zwar unglaublich, aber was will man auch anderes erwarten von einem Quartett, das nach eigenen Angaben niemals übt, sondern nur spielt. Einfach so. (sep)

   

6
(2003, Rune Grammofon RCD 2029)

Im bisherigen Gesamtwerk von Supersilent könnte man Album Nummer sechs wohl als das lyrischste beschreiben, einen Ausflug ins Sanfte, die größte Entfernung zum energischen Chaos des Debuts. »Schön« oder gar kitschig ist hier trotzdem nichts, nur klingt Arve Henriksens Trompete öfter als sonst nach Nils Petter Molvaers träumerischem Sound, die Orgel ist ein bisschen sakraler, das Schlagzeug wärmer. Immer wieder türmen sich die Improvisationen zu schwelgerischen Hymnen auf, die an gebrochene, abgeschattete Versionen von Sigur-Rós-Songs erinnern.

Track drei wiederum ist geradezu witzig, ein nervöses Getrippel wirrer Synthie-Sounds, während Track fünf fast die samtige Schwärze eines Deathprod-Stückes erreicht. Wie immer ist Supersilents Musik mit überwachen Hörnerven gespielt, das Quartett reagiert so magisch und traumwandlerisch aufeinander wie gewohnt. Eigentlich müsste man sich mal einen Tag Zeit nehmen und alle Alben hintereinander weghören. Was einen wohl sehr glücklich, aber auch sehr leer zurückließe. (sep)

   

5
(2001, Rune Grammofon RCD 2018)

Der erste Track von Supersilents fünfter CD enthält eigentlich schon alles in seinen zwanzig Minuten: alle Lyrik im überraschend sanften Anfang, alles Chaos, zu dem sich die Improvisation im Laufe der Minuten verdichtet, allen Krach und alle elektronischen Gewitter. Die folgenden vier Tracks erscheinen wie Restemusik, Partikel des ersten großen Rundumschlags, die wie ziellos durch den Raum wabern. Über Drones und Bordunen tastet sich Arve Henriksens Trompete, von Orgel und Elektronik kommen schwebende Akkorde.

Immer wieder ballt sich dieser Nebel zu Wolken, die hemmungslosen Krach erahnen lassen, bevor sie wieder auseinanderwehen. Eine unwirkliche, manchmal auch unwirtliche Traummusik vor einer großen, hallenden Stille ist das. Aus welcher Ferne auch immer sie herüberschallt: Sie macht gleichzeitig sehnsüchtig und ratlos. Gerade deshalb muss man die CD immer wieder hören: weil sie so fernwehweckend, so bodenlos ist. (sep)

   

4
(1998, Rune Grammofon/Universal RCD 2007)

Ist das nun E-Free-Jazz oder jazziger Elektro-Avantgarde-Freestyle, was da aus den Boxen rinnt? Wer versuchen will, die Musik des Projektes Supersilent zu kategorisieren, hat schon verloren. Aber man will doch umgekehrt wissen, wie das heißt, was Arve Henriksen, Ståle Storløkken, Jårle Vespestad und vor allem Ex-Motorpsychorocker Helge Sten alias Deathprod in regelmäßigen Abständen fabrizieren: Eben noch erhebt sich ein nicht endend wollendes elektrisches Gewitter, dass die Tassen im Schrank zu tanzen beginnen, und schon gleitet das nächste Stück über in schwebende Ambientmuster, bis sich eine trötende Trompete ebenso ihren Weg bahnt wie ein zersägtes Cello oder rhythmische Bassläufe wie aus einem Walzwerk.

Die Stücke werden schlicht durchnummeriert, also diesmal von 4.1. bis 4.7. Angaben zu den Musikern und den Produktionsbedingungen – Fehlanzeige. Auch Grüße an Wahlverwandte oder Vorbilder (damals die Jungs aus der ersten Band, Mutter, Jesus) fehlen völlig. Dieses spartanische Vorgehen ist Prinzip: Nichts soll von der Musik ablenken; nichts soll sich zwischen die teils archaischen, teils hyperartifiziellen Töne und dem zunächst ratlosen Hörer stellen. Und der hat so nur eine Möglichkeit: erneut auf »Start« drücken, tief einatmen, festhalten – will er erfahren, was die Vier umtreibt. (frk)

   

1 – 3
(1998, Rune Grammofon RCD2001)

Freejazz-Noise-Elektronik meets Minimalkonzept: Die allererste Veröffentlichung des norwegischen Avantgarde-Labels Rune Grammofon ist so etwas wie das Manifest einer neuen Klangästhetik. Dabei heißen die CDs einfach nur 1, 2 und 3, die Tracks 2.2 oder 3.4. Kein Wort findet sich zu den Supersilent-Bandmitgliedern, das Booklet zeigt verschwommen Kabel, Knöpfe, verwischte Menschenschemen. Das ist alles. Und dann diese Musik.

Wüst und gnadenlos, rau und voller Widerhaken, ungeschminkt und hochenergetisch, elektronisch, arhythmisch und unmelodisch, drei Stunden lang harsche, fremdartige, faszinierende Improvisation. Es gibt kaum Musik, die anstrengender anzuhören wäre – und die einen so wach, so glücklich machen würde. Supersilent sind ein Aha-Erlebnis, live allemal und besonders auf diesen ersten drei CDs: ein »Audio-Virus«, wie Helge Sten sein Instrumentarium und irgendwie auch die ganze Methode der Live-Improvisations-Elektronik von Supersilent beschreibt. Gegen dieses Virus helfen keine Antibiotika. Zum Glück. (sep)



Siehe auch:
Deathprod



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